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Monheim: Hundedrama schockiert Grundschule

Monheim : Hundedrama schockiert Grundschule

Als die tödlichen Schüsse auf den Pitbull an der Maiwald-Schule fielen, war es bis zur großen Pause nicht mehr lang hin.

Es läuft die zweite Schulstunde, der achtjährige Rembert Tast und die anderen Kinder von der Armin-Maiwald-Schule in Baumberg sitzen an diesem Freitagmorgen in ihren Klassenräumen, als die Schüsse fallen. "Später zu Hause hat er ganz aufgeregt davon erzählt", berichtet seine Mutter Carmen: "Ein Hund sei erschossen worden. Ich habe erst gedacht, er übertreibt, aber am nächsten Tag konnten wir's ja in der RP lesen."

 Verzweifelt wehrt sich der Labradormischling gegen die Angriffe des schwarzen Kampfhunds.
Verzweifelt wehrt sich der Labradormischling gegen die Angriffe des schwarzen Kampfhunds. Foto: Knebel, Ingrid

Ein entlaufener Pitbull-Terrier hetzt einen Labrador-Mischling über den Schulhof und verbeißt sich in ihn — es hätte nicht viel gefehlt, und das, was vor einer halben Woche auf der Humboldtstraße passierte, hätte sich zur Katastrophe auswachsen können. "Der Kampfhund ist völlig ausgerastet", schildert eine Augenzeugin das Drama, "nur 20 Minuten später, und das Ganze hätte sich während der großen Pause abgespielt."

So wurde am Freitag in Baumberg zum Glück "nur" ein Mensch verletzt: die Halterin (46) des Labradors. Ihr biss der Pitbull in die Hand, sie musste ins Krankenhaus. Zudem trug ihr Labrador schwere Bisswunden davon. Der schwarze Kampfhund ist tot, wurde von einer Polizistin zur Strecke gebracht. "Die Beamtin musste vier Schüsse abfeuern. Selbst nach dem dritten schien es so, als könnte sich der Pitbull noch mal aufrappeln", berichtet die Augenzeugin. Die Lage sei eindeutig gewesen: "Die Polizistin musste schießen." Merkwürdig, so die Zeugin: Von der Halterin des Kampfhunds sei "die ganze Zeit" nichts zu sehen und nichts zu hören gewesen: "Weder in der guten halben Stunde, die die Hatz andauerte, noch später, als der Kadaver des Pitbulls vorm Bürgerhaus lag, ehe der Ordnungsdienst ihn abtransportierte."

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Pitbull-Halterin verstieß gegen Anlein-Pflicht

Wie berichtet, musste die Polizei die Halterin erst ermitteln: eine 50-jährige Wienerin, die zu Besuch in Monheim ist. Ihr sei das Tier beim Öffnen der Haustür ohne Leine und Halsband am Morgen entwischt, so die Ordnungshüter. "Die Frau erwartet nun ein Strafverfahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung", erklärte am Montag Polizeisprecher Frank Sobotta.

Verstoßen hat die Pitbull-Halterin auf jeden Fall auch gegen die Anleinpflicht. "Diese gilt für sämtliche Hunde in ganz Monheim bis auf die eigens für den Freilauf ausgewiesenen Zonen, etwa an der Alfred-Nobel-Straße im Stadtsüden oder an der Grenze zu Hellerhof im Stadtnorden", sagt Stadtsprecher Michael Hohmeier.

Auch ein Verstoß gegen den Maulkorb-Zwang kommt in Frage: "Ihm unterliegen alle sogenannten ,gefährlichen Hunderassen', sofern das einzelne Tier keine amtstierärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt bekommen hat. Der Pitbull zählt zu diesen Hunderassen", erläutert der Stadtsprecher Hohmeier. Festgelegt sind diese — landläufig "Kampfhunde" genannten — Tiere seit rund zehn Jahren im Landeshundegesetz. Das wurde 2002 verschärft, nachdem es in den Jahren zuvor deutschlandweit wiederholt zu Attacken von hochgezüchteten vierbeinigen "Kampfmaschinen" auf Menschen gekommen war. Mehrere Kinder wurden durch Bisse schwerst verletzt oder sogar getötet.

Neben dem Anlein- und Maulkorbzwang wurden die "gefährlichen Hunderassen" mit dem Zehnfachen der einfachen Hundesteuer belegt. In Monheim bedeutete dies: Statt 96 Euro mussten die Halter von Kampfhunden plötzlich 960 Euro pro Jahr zahlen. Inzwischen sind es 1320 statt 132 Euro — sofern keine amtstierärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung vorliegt. Von den rund 2150 offiziell registrierten Hunden in Monheim werden nach Angaben der Stadt nur drei als Kampfhunde besteuert. "Vor zehn Jahren waren es noch 31", sagt Hohmeier. "Die Steuer hat also ihre steuernde Wirkung entfaltet." Im Klartext: Die Eindämmung der Kampfhunde ist in der Gänseliesel-Stadt weitgehend gelungen.

Das Risiko von Zwischenfällen ist damit erheblich gesunken. Ausschließen lässt es sich indes nicht. Das zeigt die Hatz von Baumberg, die auch Hohmeier den Atem stocken lässt: "Was hätte passieren können, wenn am Freitag auf dem Schulhof just zum Zeitpunkt der Beißerei Kinder gewesen wären, das möchte ich mir noch nicht einmal vorstellen."

(RP/ac/jco/top)