Langenfeld: Hubschrauber beflügeln Politik-Debatte

Langenfeld: Hubschrauber beflügeln Politik-Debatte

Schlagabtausch der Parteien um den beantragten Landeplatz an der Dückeburg hält trotz Schneiders Kehrtwende an.

Der Streit um den an der Dückeburg beantragten und von vielen Reusrathern angefeindeten Hubschrauber-Landeplatz hat sich zu einem politischen Schlagabtausch ausgeweitet. Daran ändert auch Bürgermeister Frank Schneiders (CDU) Kehrtwende nichts. Wie berichtet, hatte Schneider mit Hinweis auf den Proteststurm Reusrather Bürger den in der Dückeburg wohnenden Unternehmer Gerhard Witte angeschrieben. In dem Brief bat er den Chef des an der Hans-Böckler-Straße ansässigen Unternehmens Control Expert (siehe Infobox), seinen Antrag noch einmal zurückzuziehen und "ernsthaft nach einem anderen Standort für einen Landeplatz zu suchen". Zugleich kündigte der Bürgermeister an, in der städtischen Stellungnahme an die genehmigende Bezirksregierung neben der vorrangigen Suche nach Alternativen eine Begrenzung der Starts auf maximal 100 im Jahr einzufordern.

Unterschiedlich kommentieren die politischen Parteien das Vorgehen des Bürgermeisters. Die Bilder zeigen (v.l.) Dieter Braschoss (CDU), Sascha Steinfels (SPD), Helmut Konrad (Grüne), Gerold Wenzens (BGL) und Frank Noack (FDP). Foto: rm-(3)/CDU/BGL

SPD-Fraktionschef Sascha Steinfels bezeichnet es zwar als richtig, dass Schneider auf "eine breite Bürgermeinung gegenüber einem nicht nachvollziehbaren und dazu unzureichend begründeten wirtschaftlichen Einzelinteresse nun endlich Stellung bezieht". Indes hätten sich die Sozialdemokraten "ein wesentlich früheres Einschreiten und eine deutlichere Ablehnung gewünscht". Als halbherzig bezeichnet auch Grünen-Fraktionschef Helmut Konrad die Positionierung des Bürgermeisters. "Warum erklärt Schneider nicht eindeutig, die Stadt werde das Vorhaben ablehnen? Stattdessen will er erreichen, dass Hobbyflieger Witte selber seinen Antrag zurückzieht. Führung sieht anders aus." Diesen Vorwurf erhebt auch Gerold Wenzens (BGL), der es als verwunderlich bezeichnet, "dass die Verwaltungsspitze so viel Zeit benötigt, um eine Schnapsidee als solche zu erkennen".

Unterschiedlich kommentieren die politischen Parteien das Vorgehen des Bürgermeisters. Die Bilder zeigen (v.l.) Dieter Braschoss (CDU), Sascha Steinfels (SPD), Helmut Konrad (Grüne), Gerold Wenzens (BGL) und Frank Noack (FDP). Foto: rm-(3)/CDU/BGL
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"Auch uns wäre es am liebsten, wenn ein geeigneter Landeplatz an anderer Stelle als an der Dückeburg gefunden würde", meinte für die CDU-Fraktion Dieter Braschoss. Der in Reusrath wohnende Vizebürgermeister hatte nach Bekanntwerden der Hubschrauber-Planung für das Unternehmen mit 250 Mitarbeitern Mitte Juni signalisiert, dass die CDU sie als ein Stück Wirtschaftsförderung befürworte. "Aber im Dreiklang Wohnen, Arbeiten und Leben haben Ruhe und Entspannung der Bürger Vorrang." Indes betonte Braschoss, dass nicht die Stadt Langenfeld, sondern die Bezirksregierung Düsseldorf über Wittes Antrag entscheiden wird. "Wenn diese trotz negativer Beurteilung durch die Stadt das Vorhaben genehmigt, dann sollte es zumindest die kleinstmögliche Variante sein." Allein deshalb habe die CDU Vorschläge gemacht, unter welchen Bedingungen das Vorhaben für sie akzeptabel wäre: mit maximal zwei Starts und Landungen pro Woche, keinem Anflug über Wohngebiete und ausschließlich gewerblicher Nutzung. "Wie andere Parteien einfach nur ,nein' zu sagen, ist zu einfach." Das tut auch die FDP nicht grundsätzlich, deren Fraktionschef Frank Noack bei maximal 100 Flügen pro Jahr und einer Flugroute nach Norden in Richtung Autobahnkreuz Langenfeld nur eine geringe Beeinträchtigung der Reusrather Bürger erkennt. Mit Wirtschaftsförderung habe die Genehmigung nichts zu tun. Die FDP vertraue darauf, dass die Bezirksregierung "Fakten und Einwände sachgemäß bewertet."

Direkt neben seinem Wohnsitz Dückeburg möchte Expert-Control-Chef Gerhard Witte den Hubschrauber-Landeplatz errichten lassen. Foto: Ralph Matzerath
(RP)
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