Langenfeld/Monheim: Hotels: Neanderlandsteig bringt Zubrot

Langenfeld/Monheim : Hotels: Neanderlandsteig bringt Zubrot

Im Sommer wird der 230 Kilometer lange Wanderweg rund um den Kreis Mettmann fertiggestellt. Die Gastronomen erhoffen sich von dem Tourismuskonzept mehr Freizeitgäste neben ihrem wichtigsten Standbein Geschäftsreisen.

Kurz nach 9 Uhr am Morgen in den "Baumberger Rheinterrassen". Manuel Heuchemer deckt die Frühstückstische ab, während sich ein Gast sein Jackett von der Stuhllehne nimmt und aufbricht zum ersten Geschäftstermin des Tages. "Ganz klar, in der Woche leben wir hauptsächlich von Gästen, die auf Messen oder zum Beispiel bei Ecolab oder UCB zu tun haben", sagt der Kellner und schiebt ein "aber" hinterher: "Aber mehr Gäste durch den Neanderlandsteig, mehr Übernachtungen auch von Leuten, die Erholung suchen, das ist natürlich ganz in unserem Sinne."

Deshalb hat das 14-Zimmer-Hotel mit dem Biergarten direkt am Rheinufer das dynamische "N" am Eingang, das Neanderlandsteig-Abzeichen — so wie mindestens ein Dutzend weiterer Beherbergungsbetriebe im Kreis Mettmann. "Wir sind außerdem ein ,Bett & Bike'-Hotel", sagt Inhaberin Sara Egger: "Das heißt, wir bieten günstige Übernachtungspauschalen für Radler, Unterstell- und Reparaturmöglichkeiten." Jetzt, da die Fahrradsaison wieder beginnt, hat sie nach eigenem Bekunden "regelmäßig Tourengäste": "Manche sind richtig ausdauernd, die kommen aus Italien — Ziel: Rotterdam —, und übernachten unter anderem eben auch bei uns."

Seit vorigem Jahr führt nun also nicht nur der Rheinradweg direkt an den "Baumberger Rheinterrassen" vorbei, sondern auch der Neanderlandsteig mit der knapp zwölf Kilometer langen Etappe Garath-Monheim. Dass der 230 Kilometer lange Rundkurs mit dem rot unterlegten "N" eigentlich als Wanderweg konzipiert ist, ihr Hotel jedoch weniger von Wanderern als von Radlern angesteuert wird, hält Egger für nebensächlich: Gerade die Abschnitte im Südkreis seien ja auch hervorragende Radwege. Außerdem verspricht sich die 33-Jährige von der Neanderland-Vermarktung, dass weitere Ausflügler und Spaziergänger auf "unsere Oase zwischen den Großstädten" aufmerksam werden. "An Schönwetter-Wochenenden wie dem letzten zieht es auch viele Menschen aus dem Bergischen Land an den Rhein. Da herrscht hier richtig Urlaubsflair!"

Unter den Übernachtungsstätten mit "N"-Logo verzeichnet ist auch das "Hotel am Wald" an der vielbefahrenen Opladener Straße im Monheimer Osten. "Eigentlich sind wir zu weit weg vom Neanderlandsteig, aber erwähnt zu werden schadet ja nicht", sagt Hoteldirektorin Smiljka Static. Als Zubrot zum Hauptstandbein Geschäftsreisen setzt sie eher auf private Gesellschaften und besondere Veranstaltungen wie eine "Musical-Dinner-Shows" oder "Ü-40-Tanzparty".

Auch das Landhotel Lohmann an der Opladener Straße in Langenfeld erhofft sich von seinem "N"-Status kaum direkten Mehr-Umsatz: "Bisher ist die Aufnahme in das Verzeichnis ja kostenlos", begründet Geschäftsführer Björn Bakowki, warum sein Haus dabei ist, obwohl die Etappe Monheim-Reusrath einige Kilometer weit entfernt ist. "Wir haben dafür die Neanderland-Prospekte ausgelegt, machen also gegenseitig Werbung füreinander, warum nicht?!"

In Haan-Gruiten verläuft der Neanderlandsteig dagegen unmittelbar neben "Haus Poock" (Osterholzer Straße). Kirsten Joest ist von dem Wanderweg angetan und hat sich bereits auf die Wanderer eingestellt: "Wir haben unser Frühstücksbuffet und den Mittagskaffee auf diese Gäste zugeschnitten." Der Weg habe bereits zu einer Belebung des Geschäfts unter der Woche geführt, am Wochenende sei gerade das Restaurant ohnehin sehr gut besucht. "Ich bin sicher, der Zulauf wird noch weiter zunehmen. Das touristische Angebot bedeutet einen großen Fortschritt für die ganze Region."

Friedhelm Reusch, Projektverantwortlicher beim Kreis Mettmann, rät den Neanderlandsteig-Gastronomen, durch einfache Maßnahmen Anreize für Wanderer zu schaffen, etwa Trocken- oder Abstellräume sowie Schuhputzgelegenheiten. Auch ein Hol-und-Bring-Service könne zusätzliche Gäste anlocken.

(RP)