Hilden, Ratingen, Velbert: Sparkasse streicht Krawattenpflicht

Hilden, Ratingen und Velbert: Sparkasse streicht Krawattenpflicht

Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert hat ihren Dresscode gelockert. Mitarbeiter müssen keine Krawatte mehr tragen. Bei den Kunden kommt das gut an, aber nicht allen gefällt der Trend.

Es geht locker, aber dennoch verbindlich zu - ohne Schlips. Wer in den vergangen Tagen in einer Filiale der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert war, hat es vielleicht bemerkt: Die Krawatte, die eigentlich als fester Bestandteil sparkassenüblicher (Herren-)Bekleidung gilt, wird längst nicht mehr von allen Mitarbeitern getragen.

Und das ist nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich erwünscht. Der Vorstand der Sparkasse HRV hat exakt am Weltfrauentag die Krawattenpflicht abgeschafft. Die Mitarbeiter können nun selbst entscheiden, zu welchen Anlässen sie das traditionelle Accessoire tragen. Jörg Buschmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse HRV, sieht in dieser Veränderung einen richtigen Schritt: "Die Qualität der Beratung und der gute Kontakt zum Kunden hängen sicherlich nicht davon ab, ob der Sparkassenmitarbeiter eine Krawatte trägt."

Nicht alle finden Entscheidung gut

In ihrer Aha!-Filiale hat die Sparkasse mit dem Krawattenverzicht jedenfalls nur positive Erfahrungen gemacht. Seit Juni 2017 gibt es die neue Filiale für die "Generation Smartphone" in der Velberter Innenstadt, und der Schlips konnte hier vom ersten Tag an zu Hause bleiben. Die Mitarbeiter sind vom neuen Dresscode jedenfalls begeistert, und auch die Reaktionen der Kunden sind durchweg positiv. Und so kann nach den ersten "schlipslosen" Tagen ein ganz klares Fazit gezogen werden: Es geht auch ohne.

Ganz anders sieht es bei der Kreissparkasse Düsseldorf/Niederlassung Mettmann aus. Schon ein erster Blick auf die männlichen Bankangestellten schafft Klarheit: Alle tragen Krawatte. "Das ist keine Dienstvorschrift", betont Pressesprecher Lutz Sprenger in Düsseldorf, "sondern zeigt unsere Wertschätzung gegenüber dem Kunden. Mitarbeiter, die ohne Krawatte zur Arbeit kommen, ernten von den eigenen Kollegen irritierte Blicke. Die Krawatte ist quasi Berufskleidung." Eine gewisse Seriosität strahle das Accessoire aus, und darauf will man bei der Kreissparkasse nicht verzichten. Sprenger glaubt nicht, dass Schlips und Kragen Distanz schaffen: "Das kommt auf das Auftreten des Mitarbeiters an", wiegelt er ab.

Wie entscheiden andere Unternehmen?

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Anderswo ist der Binder bereits Geschichte: Etwa bei Aldi Nord und bei Wettbewerber Lidl. Auch in vielen Vorstandsetagen grassiert seit längerer Zeit der Jugendwahn. Bezüglich der Kleiderordnung gab es bei Thyssenkrupp früher klare Gepflogenheiten: Unter Aufsichtsratschef Gerhard Cromme war es Usus, dass Vorstände handgenähte Schuhe und maßgeschneiderte Anzüge mit Einstecktuch trugen. Seit Crommes Abgang hat sich das Bild gewandelt. Überall werden in Vorstandsetagen die obersten Knöpfe des Hemds geöffnet. Die Erklärung liefern Marketing-Experten: "Wo sich Geschäftsmodelle radikal wandeln, müssen es auch die CEOs tun." So gebe es den Versuch, mit Hilfe des Krawattenverzichts die junge Generation anzusprechen. Motto: Wir sind locker drauf!

Den Ersten Beigeordneten Norbert Danscheidt sieht man nie ohne Krawatte. "Ich trage immer eine", gibt der Personaldezernent der Hildener Stadtverwaltung zu: "Aber es gibt im Rathaus keine Krawattenpflicht und auch keine Kleiderordnung." Nur halt einige Krawattenfans auf der Führungsebene. Die Krawatte verleiht dem Mann etwas Seriöses - so denken viele.

Deshalb hatte sich Siegfried Jörss, Kriminalkommissar aus Hilden, im vergangenen Jahr für seinen Auftritt in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" extra eine neue Krawatte und ein Sakko gekauft: "Als Beamter der Kriminalpolizei habe ich gar keine Uniform mehr. In Nordrhein-Westfalen kleiden sich die Mitarbeiter der Kriminalpolizei in Zivil." Aber als seine Frau ihn in den neuen Kleidern sah, erhob sie Einspruch: "Meine Frau hat gesagt, ich sehe ja aus wie ein Regierungspräsident. Sie hat mir dann zu einem anderen Sakko und einem weißen Hemd ohne Schlips geraten."

Die Stadt-Sparkasse Langenfeld hat nach den Worten ihres Vorstands Dirk Abel einen "Casual Friday" eingeführt. "Seit Ende letzten Jahres steht es unseren männlichen Mitarbeitern an jedem Freitag frei, ob sie eine Krawatte tragen wollen oder nicht." Die meisten Kollegen lassen dann den Schlips im Schrank, auch Abel selber hatte sich an diesem Tag keinen umgebunden. Und was sagen die Kunden dazu? "Bisher sind die Rückmeldungen sehr positiv. Immer wieder hören wir, dass es gut sei, wenn es etwas lockerer zugeht. Beschwerden wurden jedenfalls noch nicht an mich herangetragen."

Gänzlich schlipsfrei wird die Langenfelder Stadt-Sparkasse in absehbarer Zeit aber wohl kaum sein. "Das Thema wird in den einzelnen Abteilungen ambivalent gesehen. Vor allem im Umgang mit Firmenkunden gehört die Krawatte noch zum Erscheinungsbild. Wir wollen einen Zwischenweg finden."

(RP)