Langenfeld/Monheim: Heute schon gelacht?

Langenfeld/Monheim : Heute schon gelacht?

Vier Wochen vor den tollen Tagen ist es an der Zeit, eine Lanze fürs Lustigsein zu brechen. Die RP fragte vier richtige Lacher nach ihrer Leidenschaft: einen Büttenredner, einen Komiker, einen Lachtherapeuten und eine Pfarrerin.

Spätestens seit Dieter Trappe 1962 als 14-Jähriger seine erste Büttenrede hielt, weiß er: Lachen ist ansteckend. "Ein Kumpel und ich haben damals beim Schulkarneval Frau Strubbelig und Frau Babbelig aus der Mainzer Fastnacht nachgemacht. Und weil das bei den Mitschülern gut ankam, bin ich der Bütt treu geblieben", erzählt der "Literat" der Monheimer Jeckenvereinigung kis (Karneval im Süden).

In dieser Session gibt er einen Billigflug-Touristen, der nach dem Einchecken erst mal kilometerweit laufen muss, um den ihm zugedachten Flieger zu besteigen. Dabei verspürt "Didi" auch ein Jahr vor seinem Goldenen Bühnenjubiläum vor jedem Auftritt immer noch Lampenfieber. Was ihm durchaus zupass kommt, denn sonst würde Trappe noch über seine eigenen Witze lachen, ehe er sie zu Ende erzählt hätte. Und der 62-Jährige will ja Lachsalven, keine Rohrkrepierer. Schwierig wird's, wenn das Publikum immun zu sein scheint gegen jedwede Art von Humor.

"Das hab' ich mal im Essener Saalbau erlebt. 1000 ernste Leute beim Kaffeetrinken, und die Kölner Musikgruppe vor mir sagte mir nach ihrem Auszug nur: Vergiss es, das ist die Hölle da draußen!" Also zog Didi "von hinten" in den Saal ein, knallte dem aus Berlin (!) angereisten Hauptstadt-Prinzen ein Mettbrötchen auf den Tisch und sagte: "Hier! Du hast so 'ne lange Heimreise vor dir!" Und? "Das fanden die Leute plötzlich lustig. Die haben sich den Bauch gehalten."

Mit dem Publikum hadern, das kennt auch der Reusrather Komiker und Conférencier Oli Materlik. Eine "echte Herausforderung" nennt er dabei Firmenveranstaltungen mit fast ausschließlich männlichen Bankern oder Außendienstmitarbeitern von Versicherungen. Da deren Unternehmen dennoch glauben, ihnen mit der Einladung in ein Varieté etwas Gutes zu tun, hält Materlik aus geschäftlichen Gründen mit weiteren Details hinterm Berg. "Ein gemischtes Publikum ist auf jeden Fall dankbarer!"

Recht gibt ihm zum Beispiel der Erfolg von "Reusrath lacht". Mit dem Comedy-Programm hat der 41-Jährige bereits 22 Mal das Evangelische Gemeindehaus an der Trompeter Straße gefüllt. 11 000 Euro wurden seit Beginn der Reihe vor sechs Jahren zugunsten des Fördervereins eingenommen, 11 000 Euro, die wesentlich zum Erhalt des Hauses beitragen.

Das beweist: Lachen ist gemeinschaftsstiftend. Und das natürlich auch ganz unmittelbar und emotional: "Bei einem gemischten Publikum wie bei uns in Reusrath haben Sie immer einen, der loswiehert. Wenn die Tochter lacht, und Mama darauf den Papa knufft, dann kann der auf einmal auch nicht anders — schon haben Sie eine Lachgemeinschaft!"

Die lacht sich dann bisweilen krank, und das natürlich nur im übertragenen Sinne, denn Lachen ist gesund. So heißt auch ein Wochenend-Seminar, das der Lachtherapeut Hein Gottfried Fischer regelmäßig für die Monheimer VHS anbietet, das nächste Mal am 28./29. Mai (Kursusnummer 11S6149, Anmeldung: Tel. 951743). "Im Zentrum des Seminars steht das Erlernen verschiedener Lachtechniken", erzählt der im südwestrheinischen Gangelt nahe Holland lebende Sozialpädagoge. Sein Instrumentarium reicht vom einfachen Kitzeln über situationskomisches Stegreif-Theater bis hin zu Lachtanz, -gesängen, -yoga und -meditation. Hatte er schon mal einen hoffnungslosen Fall?

"Eigentlich nicht. Wenn ich die Käferhaltung annehme, dann kann sich dem keiner entziehen." Dem 67-Jährigen geht es um eine "gelöste Lebenseinstellung", denn wer heiter durch den Tag spaziert, belohnt Körper, Geist und Seele. Schon das Lachen an sich sei eine prima Medizin, wirbt Fischer: "Es ist wie eine Rüttelmassage, befreit und entspannt", stärke dank Hormon-Ausschüttung das Immunsystem, helfe bei Traurigkeit, Stress, Nervosität, Angst, Schlaflosigkeit, Asthma, Rückenschmerzen . . .

Die befreiende Wirkung des Lachens hat Angela Schiller-Meyer schon häufig verspürt — sogar bei der Beerdigung ihrer Großmutter. "Ich war damals 13", erzählt die Pfarrerin von der Erlöser- und der Johanneskirchengemeinde in Langenfeld: "Während viele andere weinten, lachte ich am offenen Grab los. Meiner Mutter war das sehr unangenehm. Eine verständnisvolle Verwandte nahm mich damals beiseite. Vermutlich war das Lachen ein Ventil für mich, mit dem seelischen Schmerz umzugehen — ich hatte die Großmutter sehr gemocht." Nicht jede Gelegenheit ist günstig, doch eines ist für Schiller-Meyer sicher: Lachen ist gottgewollt.

Deshalb widmet sie das nächste Treffen des Frauengesprächskreises "Senfkorn" (Montag, 20 Uhr, Johanneskirche, Stettiner Straße) ebendiesem Thema. "Viele glauben, Religion ist ausschließlich etwas Ernsthaftes — Lachen verboten", sagt die 52-Jährige. "Dabei wird schon in der Bibel gelacht, etwa als Sarah erfährt, dass sie trotz ihres hohen Alters noch Mutter wird." Über lachfeindliche Traditionen im Christentum, von der frühen Kirche bis zum allzu wörtlich genommenen "protestantischen Ernst", dürfte "Gott einigermaßen schmunzeln", ist die Pfarrerin überzeugt. Die vierfache Mutter hält es mehr mit fröhlichen Glaubensbezeugungen wie dem spätmittelalterlichen Osterlachen zu erheiternden Predigten. "Gott sagt: Werdet so wie die Kinder! Wenn das keine Aufforderung ist, zu lachen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Werbetermin! Hier lachen die Bayern

(RP)
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