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Langenfeld: Heim-Mitarbeiter beklagen Missstände

Langenfeld : Heim-Mitarbeiter beklagen Missstände

Hohe Arbeitsbelastung, fehlende Anerkennung, dafür viel Druck, heißt es. Die Leitung des CBT-Hauses widerspricht.

"Unsere Mitarbeiter sind unser kostbarstes Vermögen", heißt es im Leitbild der Caritas Betriebsführungs- und Trägergesellschaft mbH. Seit einem Jahr aber werde dieses Leitbild mit Füßen getreten, beklagen Mitarbeiter. In einer von der Gewerkschaft Verdi unterstützten Resolution wendeten sie sich gegen die Entlassung der Pflegedienstleiterin, von der sie ein ganz anderes Licht zeichnen, als es die CBT-Geschäftsführung vor dem Arbeitsgericht tat: "Sie hat sich immer für uns eingesetzt, hatte immer ein offenes Ohr und hat selber in der Pflege mitgearbeitet — sie war der Fels in der Brandung", berichten Mitarbeiter, die anonym bleiben wollen, im RP-Gespräch.

Die vor Monaten aufgetretenen Mängel seien vor allem der massiven Arbeitsüberlastung zuzuschreiben. Auch die Vorwürfe, die die Mitarbeiter in der Resolution gegen den neuen Heimleiter Norbert Molitor erheben, wiegen schwer: Demnach fühlen sie sich wie "in einem totalitären Regime". Entscheidungen erschienen willkürlich, Dienstpläne würden kurzfristig, ohne Mitsprachemöglichkeit der Mitarbeiter geändert, die Geschäftsleitung sei nicht ansprechbar und wenig präsent. Niemand traue sich, gerade heraus seine Meinung zu sagen, weil offen mit Sanktionen wie Abmahnungen und Kündigungen gedroht werde. Nicht einmal das Mindestmaß an höflichen Umgangsformen werde eingehalten.

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In einer anonymen Befragung, die die Mitarbeitervertretung organisierte, schildern Mitarbeiter, nur noch "mit Bauchschmerzen" zur Arbeit zu gehen, sich "leer und ausgebrannt", nicht wertgeschätzt zu fühlen. Viele geben an, Angst um den — vormals geliebten — Arbeitsplatz zu haben, jetzt empfinde man die Situation als "untertäglich".

Die Äußerungen der CBT-Prokuristin zur personellen Überbesetzung empfinden sie als Hohn. Eine Wohngruppe mit 26 Bewohnern, die von zwei Mitarbeitern betreut wird, gelte demnach als "überbesetzt", die examinierten Pflegekräfte müssten dabei oft noch Hintergrunddienste auf anderen Stationen leisten. "Bei Pflege im Akkord bleibt keine Zeit für adäquate Dokumentation", heißt es. Pausen würden nicht eingehalten. Das Ergebnis der psychischen und körperlichen Überlastung sei ein extrem hoher Krankenstand und Überstunden, die nicht abgebaut werden können.

Die Mitarbeiter bedauern, dass der einst sehr gute Ruf des Hauses bereits gelitten hat. "Beschäftigte in der Pflege nehmen die schwierige Arbeitssituation meist sehr, sehr geduldig hin, aber wenn die Rahmen- bedingungen, Anerkennung und Wertschätzung nicht gegeben sind, beginnen auch sie, sich zu wehren", erklärt Willi Oberländer vom Verdi-Bezirk Rhein-Wupper.

"Sicherlich würden auch wir uns mehr Personal wünschen, aber wir liegen in St. Franziskus tatsächlich immer mit fünf, sechs Stellen über dem Personalsoll", sagt CBT-Prokuristin Sabine Krones. "Wir versuchen, die geringen Ressourcen so zu verteilen, dass die Mitarbeiter damit zurechtkommen, und dennoch die Qualität gesichert ist." Bei den Überstunden wird per Ampelkonten darauf geachtet, dass im Monat maximal 28 Überstunden angehäuft würden. Im Durchschnitt gelinge das auch. Die Dienstpläne werden von der Pflegedienstleitung mittels eines Heimabrechnungsprogramms erstellt, das die bezahlten Pflegestunden auf Grundlage der Bewohnerzahl und des Pflegeaufwandes tagesaktuell übermittelt, erklärt CBT-Personalreferentin Gabriele Hofer. "Die Pflegedienstleitung muss dann die Kräfte einteilen, so dass die Früh-, die Spät- und die Nachtschicht gleichmäßig besetzt sind." Wenn in der Vergangenheit auch Azubis, FSJler und Praktikanten wie vollwertige Kräfte im Dienstplan eingesetzt wurden, wie Mitarbeiter behaupteten, entsprach das nicht den Vorgaben der Geschäftsleitung, erklärt Krones.

(RP)