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Hegering in Langenfeld hat 80 Mitglieder

Hegering : Jagdhund Tessa ist immer mit auf der Pirsch

Uwe Unshelm vom Hegering in Langenfeld freut sich über eine vielfältige Wildpopulation, darunter Wildschweine, Rehe, Füchse und Nutrias.

Wenn Uwe Unshelm in den Wald geht, ist der braune Münsterländer Tessa immer an seiner Seite. Die aufmerksame Jagdhündin spürt auf dem feuchten Boden jedes Reh oder Wildschwein auf und unterstützt den Jäger bei seiner Arbeit. Uwe Unshelm (57) ist stellvertretender Hegeringleiter in Langenfeld. „Wir möchten den Menschen die Jagd nahe bringen“, sagt er. Das sei nicht immer einfach. „Jagen ist ein schwieriges Thema.“ Auch wenn sich das Bild des Jägers in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren gewandelt habe, und auch immer mehr Frauen die Jagd für sich entdeckten, gebe es viele Vorurteile. „Einige Menschen beschimpfen uns sogar als Mörder“, sagt der 57-Jährige.

Dabei sei es die Aufgabe des Hegerings, den Wildbestand in den heimischen Wäldern konstant zu halten und so dafür zu sorgen, dass beispielsweise Wildschwein-Rotten während der Nahrungssuche nicht die Felder der Landwirte verwüsteten. „Die können bis 100 Kilo schwer werden und tauchen – da ihr Lebensraum immer mehr beschnitten wird – inzwischen überall auf, im Further Moor, in Richrath und auch in Wolfhagen“, beobachtet der Jäger. Um den Jägern zu entgehen, seien die Schwarzkittel meistens nachts aktiv. „Die liegen natürlich tagsüber in der Deckung und kommen erst in der Dämmerung aus dem Wald.“

Was Spaziergänger selten wahrnehmen: Die Wildpopulation ist vielfältig, obwohl Langenfeld von Autobahnen umgeben ist und direkt an große Städte wie Düsseldorf, Solingen oder Leverkusen angrenzt. „Hier leben Rehe, Wildschweine, Füchse, Dachse, Hasen, Fasane, Kaninchen und Nutrias“, zählt der stellvertretende Hegeringleiter auf. Nutrias, Pelztiere mit leuchtend orangefarbenen Zähnen, stammten eigentlich aus Südamerika, hätten sich aber auch hierzulande eingebürgert und fühlten sich an Gewässern wohl.

Die Jäger griffen nur in die Bestände ein, wenn sich das Wild zu stark vermehre und Schäden im Wald anrichtete. „Haben wir zu viele Rehe, fressen die das frische Grün von Sträuchern und Bäumen ab.“ Geschossen würden nur junge oder sehr alte Tiere. Die mittlere Population hingegen solle für den Nachwuchs des Wildes sorgen. Beginnt die Jagdsaison für Rehböcke bereits ab 1. Mai, dürften die Ricken wegen der Kitze erst ab 1. September geschossen werden. Für Wildschweine sei der Jagdschutz derzeit aufgehoben. Der Grund: die bis nach Belgien sehr nahe gerückte Schweinepest. „Wir machen uns Sorgen um unser Schwarzwild“, sagt Unshelm. Weil das Jagen in erster Linie ein Handwerk sei, finden für die rund 80 Mitglieder des Hegerings regelmäßig Schießtrainings in Kerpen statt.

Unshelm hat seinen Jagdschein seit 1995. Wird Flugwild mit Schrot erlegt, schießen die Jäger beispielsweise Rehe mit bleifreien Gewehrpatronen. Das Fleisch vermarkten sie im Freundes- und Bekanntenkreis. „Ich lasse beim Metzger Salami und Schinken daraus machen.“ Seine Grillwürste stellt Unshelm sogar selber her. Im Alltag liege der Aufgabenschwerpunkt des Hegerings deutlich mehr auf der Pflege als auf der Jagd. „Wir legen beispielsweise Hecken und Streuobstwiesen an“, berichtet Unshelm. In harten Wintern bauten die Jäger für das Wild Futterstellen auf. „Wegen der milden Temperaturen war das in den letzten Jahren aber nicht nötig“, sagt er. Und mit der mobilen Waldschule besuche man regelmäßig Schulen, Kindergärten und Feste. Zwar liege der Altersdurchschnitt im Hegering Langenfeld bei über 50 Jahren, doch kämen nach und nach immer mehr junge Jäger dazu. Der Frauenanteil sei hingegen mit zwei Jägerinnen sehr gering. „Eine davon ist meine 23-jährige Tochter“, freut sich der Langenfelder.