Langenfeld : Hebamme: Habe den schönsten Job der Welt

Sabine Burchardt ist die städtische Familienhebamme in Langenfeld und kümmert sich seit zehn Jahren um Babys.

Sabine Burchardt sagt von sich selber: „Ich habe den schönsten Beruf der Welt.“ Die 55-Jährige kümmert sich seit zehn Jahren als städtische  Familienhebamme um die Babys in Langenfeld. „So nah am Menschen zu sein, dass gibt es in keinem anderen Beruf“, fügt sie freudestrahlend hinzu.

Als sie vor zehn Jahren ihre Arbeit im Langenfelder Rathaus begann, wurde sie als Exotin betrachtet. Eine Hebamme in der Stadtverwaltung, das sei schon außergewöhnlich gewesen. Doch inzwischen sind ihre Begrüßungsbesuche zu einer Art Markenzeichen geworden. Seit 2008 hat Sabine Burchardt insgesamt 4596 Familien und ihre Neugeborenen besucht.

Schon in 31 Fällen bot sie in diesem Jahr  Müttern, die mehr Unterstützung brauchten, Hilfen an. „Das können beispielsweise Minderjährige sein oder Familien, die soziale Probleme haben“, erläutert sie. Familienhebammen geben Hilfe zur Selbsthilfe, sie sind eine Art „Türöffner“, vermitteln Beratungsangebote, medizinische Hilfen und bieten Service wie die Langenfelder Elternfibel mit vielen wichtigen Adressen und Anlaufstellen an. Nicht zuständig sind sie für die Vor- und Nachbetreuung, die von den Krankenkassen übernommen wird.

In den vergangenen zehn Jahren sei die Geburtenrate in Langenfeld um zehn Prozent gestiegen. berichtet Burchardt. Zusätzlich habe sich  inhaltlich einiges geändert. Die Flüchtlinge brächten neue Themen mit,  und auch der zunehmende Hebammenmangel wirke sich auf ihre Arbeit aus. Daher ist sie froh, seit einem Jahr mit ihrer Kollegin Sara Wingen, die aus Eritrea stammt,  im Team zu arbeiten.  Wingen beginnt in einigen Wochen ein neues Projekt in der Langenfelder Flüchtlingsunterkunft;  sie will dort eine Teestunde anbieten, um mit den jungen Müttern ins Gespräch zu kommen. „Wir schauen wo Bedarf ist, und entwickeln unsere Angebote kontinuierlich weiter“,  berichtet Burchardt.

„Klang-Babys“ heißt eines dieser neuen Projekte. Das richtet sich an Mütter mit ihrem Nachwuchs bis sechs Monate. Es soll die Mutter-Kind-Bindung fördern und helfen, negative Erlebnisse wie lange Krankenhausaufenthalte während der Schwangerschaft, Frühgeburt oder einen dramatischen Geburtsverlauf zu kompensieren. „Die Frauen sind nach solchen Erlebnissen oft verkopft und verängstigt“, weiß  Burchardt. Deshalb handele es sich um ein „reines Erlebnisangebot“. Es sei keine Therapie.

„Die Babys sind dabei ganz aufmerksam, spüren die Vibration und hören das Tonspektrum.“ So könnten sich Mutter und Kind entspannen und zur Ruhe kommen.   Die Familienhebamme hat dafür extra eine Klangschalen-Fortbildung und einen Fernstudienlehrgang der positiven Psychologie in Köln mit dem Abschluss „Happiness Trainer“ gemacht.  Sie sei die erste „Happiness Trainerin“ in Deutschland, sagt Burchardt.

Schwangerschaften sind für die Familienhebamme „ein Wunder der Natur“ und haben sie schon immer fasziniert. „Mit 14 habe ich geträumt, ich werde Hebamme und gehe nach Südamerika“. Über Umwege ist das der in Costa Rica geborenen Bergisch-Gladbacherin auch gelungen. Weil es nach dem Abitur für sie keinen Ausbildungsplatz als Hebamme gab, machte sie zunächst eine kaufmännische Lehre. Mit 30 Jahren erhielt sie einen Platz an an einer renommierten Hebammenschule in Bensberg, ging nach ihrem Abschluss für drei Jahre als Entwicklungshelferin nach Bolivien. Dort bildet sie in einem kleinen Krankenhaus Krankenpflegekräfte und Hebammen aus.

Dass sie als Kind auch in Peru und Italien gelebt hat, bevor sie im Alter von zehn Jahren nach Deutschland kam, hilft ihr auch in Langenfeld weiter. „Wir kommen zu Menschen aus allen Kulturkreisen.“ Dabei sei eine gewisse Toleranz unerlässlich – solange das Kindeswohl nicht gefährdet sei. So spiele sich In einigen Haushalten beispielsweise ein großer Teil des Alltagslebens auf Matratzen und auf dem Boden ab.

Kontakt: Sabine Burchardt ist im Langenfelder Rathaus unter Telefon 7943221 zu erreichen, per E-Mail: sabine.burchardt@langenfeld.de.

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