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Haus Wagner in Langenfeld feiert 100-Jähriges

Langenfelder Stadtgeschichte : 100 turbulente Jahre für „Haus Wagner“

Im Oktober 1921 bekam die „Wirtschaft zum alten Rathaus“ ihren neuen Namen. Den trägt sie bis heute, auch wenn sie offiziell La Plaza heißt.

Das hätte sich Wilhelm Wagner wohl vor 100 Jahren nicht träumen lassen, dass in seiner Gastwirtschaft einst „Chiperones plancha“ und „Pulpo ajillo“ serviert werden würden, dass sie aber trotz dem schicken Namen „La Plaza“ den Beititel „Haus Wagner“ auch heute noch tragen würde. Die wenigsten Gäste im La Plaza werden wissen, dass der Name „Haus Wagner“ an jenen Wirt erinnert, der am 15. Oktober 1921 die „Wirtschaft zum alten Rathaus“ übernahm. Zuvor war sie 50 Jahre im Besitz der Familie Neuss gewesen, bis diese sie aus Krankheitsgründen aufgeben musste.

Der damals neue Gastwirt Wilhelm Wagner bat in der Opladener Zeitung vom 6. Oktober 1921 „die geehrten Bewohner von Langenfeld und Umgebung das Vertrauen, welches dem Hause Neuss stets geschenkt wurde, auch mir entgegen bringen zu wollen“, so der Original-Text. So verlor denn das 1790 erbaute Haus, das gegenüber dem Berliner Platz in Langenfeld-Mitte, genau am Schnittpunkt der einstigen Via Publica, der Köln-Arnheimer Chaussee und heutigen B 8, und dem Fernhandelsweg, der Provinzialstraße Elberfeld–Hitdorf lag, seinen Spitznamen „Blaues Eck“. Letzterer wies wahrscheinlich auf den Zustand der Gäste nach übermäßigem Bier-Genuss hin.

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Im Laufe seines Daseins als Gasthaus für Reisende und Postillione der „Hochfürstlich Thurn und Tax’schen Posthalterei“ bis in die Jetztzeit hatte das Wirtshaus viele Namen. 1850 bis 1871 hieß es „Wirtshaus zur Barriere“, weil sich vor dem Haus ein „Barriere“ genannter Schlagbaum befand. 1871 bis 1921 hieß es „Zum Alten Rathaus“, dann „Haus Wagner“ bis 2005 und ab 2007 bis 2013 „Krügers“, 2014 bis 2018 „History“ und seit 2018 nun „La Plaza“, aber für alle alten Langenfelder weiterhin „Haus Wagner“. Eine Tafel des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Langenfeld weist auf die Geschichte des traditionsreichen Hauses hin: Um 1790 erbaut. Ab 1793 dann Gasthaus, das noch heute ein Hingucker ist und gerne besucht wird.
So lukullisch und abwechslungsreich wie heute war die Speisekarte damals aber nicht. Dem modernen Menschen wird das Wasser nicht gerade im Mund zusammenlaufen: Rüben und Kraut, Milch und Brot, Körnermus, Knödel, Klos und Klops sowie ab und zu Fleischsuppen, mal ein bisschen Huhn oder Rind standen hielt die Küche im 18.Jahrhundert bereit. Dazu gab es Met und Brotwasser zu trinken. Und da der deutsche Wein zu diesen Zeiten sehr sauer gewesen sein muss, wurde er mit Honig gesüßt. Und natürlich gab es Bier für die müden Reisenden. Schweinefleisch, Kartoffeln, Most und Kaffee verfeinerten das Angebot im 19. Jahrhundert.
Erste Posthalter und Gastwirte waren Hermann Braches und sein Schwager Johann Peter Lungstraß, der später zum Kaiserlichen Reichposthalter und Bürgermeister ernannt wurde. Beim Verkehrsposten im „Langen Feld“ taten laut Verkehrs- und Verschönerungsverein 24 Postillione Dienst. In den Remisen standen zwölf Wagen „Chaisen“, und in den Ställen waren stolze 96 Pferde.
Ab 1806 bis 1885 war das Gebäude Rathaus zunächst der „Munizipalität Richrath“, dann der Gemeinde Richrath-Monheim. Ab 1845 verdrängte die Eisenbahn allmählich den Postverkehr, der der Gaststätte an exponierter Stelle viele Gäste beschert hatte.

Doch nicht nur zur Rast müder Reisender diente das Gebäude. Laut Heimatforscher Rolf Müller wurde 1879 im Haus Wagner von Dr. med. Meunier aus Hitdorf eine erste armenärztliche Praxis für Langenfeld eingerichtet. Damit wurden die Anstrengungen der Gemeinde belohnt, die sich seit etwa 1849 um die Niederlassung eines Arztes bemüht hatte. Von kurzer Dauer war laut Müller die Einrichtung eines Arbeiter- und Soldatenrates beim Gastwirt Neuss am 9. November 1918 im Hauses Wagner. Dieses Kapitel schlugen englische Besatzungstruppen am 15. Dezember 1918 wieder zu, schreibt Müller. Mitte August 1946 wurde im Haus Wagner der Ortsverband der FDP gegründet.

Der Volksgarten gehörte mit seinen gut 5000 Quadratmetern zur Posthalterei. Während die Gespanne ausgetauscht wurden, konnten sich die Reisenden dort nach oder vor dem Essen die Füße vertreten.