Langenfeld: Händler-Wut auf B 8-Baustelle

Langenfeld: Händler-Wut auf B 8-Baustelle

Die eine Richtung wochenlang gesperrt, in der anderen kilometerlange Staus – die "eingefrorenen" Bauarbeiten am Fuhrkamp machen den Gewerbetreibenden schwer zu schaffen. Jetzt bereiten sie eine Schadenersatzklage vor.

Die eine Richtung wochenlang gesperrt, in der anderen kilometerlange Staus — die "eingefrorenen" Bauarbeiten am Fuhrkamp machen den Gewerbetreibenden schwer zu schaffen. Jetzt bereiten sie eine Schadenersatzklage vor.

Der Schnee hat die sonst vielbefahrene Kreuzung Hans-Böckler-Straße/B 8 in eine ungewohnte Stille getaucht. Das heißt: So ungewohnt ist diese für Tankwart Markus Jankowiak gar nicht mehr, und wenn der 49-Jährige in sich hineinhorcht, dann hört er's brodeln — vor Wut. Doch nicht Frau Holle zürnt er, sondern den "Herren von Straßen NRW".

Vor mehr als vier Wochen hat der Landesbetrieb die B 8 auf anderthalb Kilometer Länge in Richtung Düsseldorf gesperrt, von der Berghausener bis Ortseingang Hellerhof. Hat den Asphalt der rechten Spur abfräsen lassen und die sanierte B 8 "eigentlich vor Weihnachten" wieder für den Verkehr freigeben wollen. Dann kam der Winter dazwischen, und seit anderthalb Wochen ruhen die Bauarbeiten — Wiederaufnahme ungewiss. Seinen Umsatzeinbruch seit Sperrung am 22. November beziffert Jankowiak mit "60 bis 75 Prozent".

"Das ist geschäftsschädigend!"

Jetzt bereitet der Pächter der bft-Tankstelle zusammen mit weiteren betroffenen Händlern und Dienstleistern eine Schadenersatzklage gegen den Landesbetrieb vor. Eine Kölner Rechtsanwaltskanzlei haben sie bereits mit der Prüfung beauftragt. Der Vorwurf: ein "katastrophales", geschäftsschädigendes Baustellen-Management.

"Zirka sechs Wochen Bauzeit" kündigte Straßen NRW Mitte November an. "Damit hatte sich die Fertigstellung bis Weihnachten schon rein rechnerisch von vornherein erledigt", kritisiert Blumenhändler Nicolaas van Paridon jun. die Planung. "Unter Berücksichtigung der Feiertage wäre es so oder so in den Januar gegangen. Zu einer solchen Jahreszeit nicht mit Frostunterbrechungen zu rechnen, ist schlichtweg rücksichtslos uns Geschäftsleuten gegenüber", ärgert sich der 41-Jährige.

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Auf "mehr als 50 Prozent" schätzt van Paridon seinen Umsatzverlust durch die Baustelle. "Was ist für Sie eine ,Vollsperrung'", fragt er und wiederholt die Antwort: "Richtig: eine nicht befahrbare Straße!" Die B 8 und damit sein Gartenbaubetrieb seien aber aus Richtung Düsseldorf erreichbar — "und dennoch schildert der Landesbetrieb ab den Autobahn-Abfahrten der A 59 aus: ,Vollsperrung B 8'. Das ist geschäftsschädigend!"

Ein rücksichtsvolles Baustellen-Management hätte, so der Blumenhändler, die Autofahrer aus Richtung Langenfeld und Baumberg auf die Erreichbarkeit der nachteilig betroffenen Gewerbebetriebe über den Fuhrkamp hingewiesen.

Baustoffhändler Lars Muddemann vermisst selbst aus dem Düsseldorfer-Süden, von dem aus die B 8 ja befahrbar ist, etliche Kunden. Grund sind Staus bis hinein nach Garath, die der 39-Jährige nicht nur dem Winter zur Last legt: "Der freigebliebene Fahrstreifen ist viel zu eng, so dass zuletzt wiederholt Lkw an den Schneekanten abgerutscht und steckengeblieben sind. Die daraus resultierenden Stauzeiten versuchen manche unserer Kunden natürlich zu vermeiden und weichen auf andere Händler aus".

Mit "30 bis 40 Prozent" gibt Muddemann seine Umsatzeinbußen durch die Baustelle an, so wie auch "Küchen Smidt"-Filialleiter Sascha Tobien und Hotel-Restaurant-Inhaber Vencel Pavkovic (48, Am Fuhrkamp). "Im Mai haben die vom Landesbetrieb uns gesagt, sie würden im August anfangen und seien schnell durch damit. Außerdem war von mehreren Bauabschnitten die Rede", empört sich der Gastronom über die "irreführende Informationspolitik".

Die bemängelt auch Parkett-Händler Rüdiger Augustat (56), dessen Mitarbeiter es nach seinen Worten "satt haben, um uns herum regelmäßig im Stau zu stehen": "Hätte man die Sanierung des Teilstücks unterteilt, unter anderem mit einem Abschnitt zwischen Berghausener bis Hans-Böckler-Straße, wären hier nur kleinere Umleitungen nötig gewesen — und es gäbe jetzt nicht dieses Nadelöhr auf anderthalb Kilometer Länge. Aber wir wurden bei der Planung ja nicht gefragt."

(RP)
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