Langenfeld/Monheim: Gute Geschäfte mit "Betongold"

Langenfeld/Monheim : Gute Geschäfte mit "Betongold"

Niedrige Bauzinsen und Zutrauen in die eigene wirtschaftliche Lage erleichtern es vielen Leuten, den Schritt zum Eigenheim zu wagen. Davon profitiert die Immobilienbranche – besonders im Speckgürtel von Düsseldorf.

Niedrige Bauzinsen und Zutrauen in die eigene wirtschaftliche Lage erleichtern es vielen Leuten, den Schritt zum Eigenheim zu wagen. Davon profitiert die Immobilienbranche — besonders im Speckgürtel von Düsseldorf.

Kalt genug ist es ja, um schon wieder an Weihnachten zu denken. Matthias Walter hat aber einen anderen Grund dazu: Weihnachten 2012 will er mit seiner Familie erstmals im eigenen Heim in Richrath feiern. Bis dahin, so hofft der Bauingenieur, der seit elf Jahren in einer 80 Quadratmeter großen Etagenwohnung in Düsseldorf-Unterbilk wohnt, ist sein Reiheneckhaus im Langenfelder Norden fertig.

Der Notarvertrag für das 120-Quadratmeter-Heim wurde im Dezember unterzeichnet. Baubeginn war im Januar. Wie so vielen hat auch Familie Walter die wirtschaftliche Gesamtlage die Entscheidung erleichtert, "endlich" selbst zu bauen: historisch niedrige Bauzinsen, Unsicherheiten bei anderen Geldanlagen und stabil-gute berufliche Perspektiven für Fachkräfte, die vielen Menschen aus der Mittelschicht die Angst vor Arbeitslosigkeit genommen haben.

"Ein absoluter Verkäufermarkt"

Von dem neuen Mut zum Eigenheim profitiert die Immobilienbranche — besonders auch im Südkreis Mettmann. Der Langenfelder Sachverständige Guido Boes und die Monheimer Maklerin Alexandra Gröber erklären übereinstimmend: "Wir haben hier einen absoluten Verkäufermarkt". Als Folge der besonders in Köln und Düsseldorf extrem gestiegenen Preise suchen Familien, aber auch Anleger aus den Großstädten Häuser und Wohnungen im Speckgürtel der Metropolen.

"Es gab Angebote, aber Düsseldorf war zu teuer", bestätigt Matthias Walter, "ein Reihenmittelhaus für 400 000 Euro ist für eine junge Otto-Normal-Verbraucher-Familie nicht finanzierbar". Also suchten sie im Umland, denn aufs "platte Land", preislich am günstigsten, wollten sie auch nicht.

Neben Boes und Gröber berichten noch weitere Bauträger von guten Geschäften ("Vor Baubeginn alles verkauft"). Und auch bei Gebrauchtimmobilien "spiegeln steigende Preise die stärkere Nachfrage wider". Allerdings gibt es deutliche Unterschiede. "Die Käufer achten neben der Lage auf die energetischen Unterschiede", erklärt Alexandra Gröber. So seien die Preise für Geschosswohnungen aus den 70er Jahren an der Geschwister-Scholl-Straße in den vergangenen drei Jahren gleichgeblieben, während neuere Wohnungen im selben Zeitraum 15 Prozent an Wert gewannen. Verkäufer, die auch bei älteren Objekten von diesem Trend profitieren wollen, müssen den Interessenten schon was bieten: So sei für Etagenwohnungen "ein Aufzug" gefragt, weiß Boes.

"In Monheim kommt inzwischen die Hälfte der Neubürger aus Düsseldorf", schätzt Maklerin Gröber. Deshalb unterhält sie inzwischen ein eigenes Büro in der Landeshauptstadt. Aber nicht nur Wohnungssuchende finden zunehmend am Umland Gefallen, sondern auch Investoren. Einige sogar in der Hoffnung, dort deutlich bessere Renditen zu erzielen als in der Metropole. Denn in den benachbarten Kleinstädten trifft — so das Kalkül — steigender Bedarf auf (noch) niedrigere Grundstücks- und Gebäudepreise.

Vor übertriebenen Erwartungen warnt indes Holger Unterhuber, Abteilungsdirektor Kredit bei der Langenfelder Stadtsparkasse — auch wenn er die extremen Preissteigerungen in Teilen Düsseldorfs bestätigt. Zwar sei die Rendite von "Betongold" in Städten wie Langenfeld oder Monheim aktuell besser als die anderer Anlageformen ("und vor allem sicher"), doch sei der hiesige Immobilienmarkt für Mehrfamilienhäuser inzwischen "leergefegt". Die Interessenten wanderten weiter — in Richtung Ruhrgebiet.

(mmo)
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