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Gutachter zu Schulen in Monheim: Ziel kleiner Klassen ist kaum zu halten

Monheim Schülerdaten : Ziel kleiner Klassen ist kaum zu halten

Insbesondere in Baumberg reichen die Kapazitäten nicht mehr. Ab dem Sommer werden wieder Container aufgestellt.

Die Einwohnerzahl in Monheim steigt. Unter den seit 2013 zusätzlich gewonnenen 700 Bürgern ist der Anteil der Kinder überproportional hoch, 400 unter Sechsjährige bekam die Stadt hinzu. Das hat Auswirkungen auf die schulische Infrastruktur. „Obwohl bereits an drei Schulen die Zügigkeit angepasst wurde, stoßen wir überall an Ausbaukapazitäten“, erklärt Simone Feldmann, Bereichsleiterin Jugend und Familie.

Bei seinen Bevölkerungsprognosen für ein Schülerdaten-Monitoring will sich der von der Stadt beauftragte Gutachter Dr. Detlef Garbe vom gleichnamigen Büro künftig mehr an den geplanten Wohnungen orientieren als an der Landesstatistik von IT NRW. Demnach verteile sich das Einschulungspotenzial zu zwei Dritteln auf Monheim, zu einem auf Baumberg. Trotz aller vermeintlicher Vorhersehbarkeit beschert der geburtenstarke Jahrgang 2016 (432 Geburten) der Stadt einen Ausreißer im Jahre 2022, wenn nämlich 488 Kinder eingeschult werden. Danach pendeln sich die Jahrgänge auf 470 Kinder ein. „Dieser Jahrgang 2022 tut uns besonders weh“, sagt Garbe. Schon ab dem kommenden Schuljahr 2020/21 wird das Schülerpotenzial in Baumberg, wo noch bis Ende 2013 an der Geschwister-Scholl-Straße ein dritter Grundschulstandort bestand, für sechs Eingangsklassen reichen. Auch um abgewiesene Schüler der nur zweizügigen Winrich-von-Kniprode-Schule aufzufangen, muss die bisher dreizügige Armin-Maiwald-Schule eine vierte Klasse bilden.

Da sich die Stadt aber auch noch das Ziel gesetzt hat, die Klassenstärken an Grundschulen auf 25 Kinder zu begrenzen, tut sich in den Jahren ab 2020 eine Lücke zwischen der maximalen Schülerzahl pro Klasse und den verfügbaren Klassen nach den bereits gefassten Ausbaubeschlüssen von einer Klasse auf, 2022 fehlen sogar zwei. Mit dem Ergebnis: „Wir müssen auch mal Klassen mit 26 Schülern bilden“, so Garbe.

Im Ortsteil Monheim tut sich schon ab dem nächsten Schuljahr allein nach den gesetzlichen Vorgaben eine Lücke von einer Klasse auf. Setzt man hingegen den vom Rat beschlossenen Richtwert von 25 Kindern an, klafft ab 2020 eine noch größere Lücke zwischen der Kinderzahl und den verfügbaren Klassen (ebenfalls nach den bereits gefassten Ausbaubeschlüssen). Schon ab dem kommenden Schuljahr werden daher Interimslösungen nötig. Garbes Konsequenz: Der Richtwert kann ab 2020 noch nicht eingehalten werden. Auch wenn es dieses Qualitätsversprechen gebe, empfiehlt der Gutachter einen „pragmatischen Umgang“ damit. Garbe möchte den Ratsbeschluss aber auch nicht aushebeln. Seine Handlungsempfehlung: Die neue Grundschule im Pfingsterfeld, die eher unbeliebte Hermann-Gmeiner-Schule bleibt bei ihrer Dreizügigkeit. Auch wenn das neue Baugebiet dort erst in acht Jahren entsteht und das Berliner Viertel die meisten Kinder generiert, hält die Stadtverwaltung diesen Standort für sinnvoll.

Und: „Schon 2020 müssen an der Schule am Lerchenweg und an der Armin-Maiwald-Schule Überhangklassen gebildet werden“, sagt Bereichsleiterin Feldmann. Für die Baumberger Schule heißt das, dass nicht nur für die anstehende Phase der Sanierung sondern auch für die künftige Vierzügigkeit Interimslösungen, sprich Container, geschaffen werden müssen. An der Lerche wird an Stelle des Outdour-Klassenzimmers ein Container aufgebaut.

Die Aufnahmekapazität der weiterführenden Schulen liegt – unter Berücksichtigung der begrenzten Klassenstärke – bei 527 Schülern. „Bis 2025 reichen die Kapazitäten“, so Garbe. Allerdings werden die Schülerzahlen 2026 auf 580 ansteigen und sich dann auf Werte knapp über 550 einpendeln.

In seine Berechnungen hat der Gutachter dabei auch die auswärtigen Schüler einbezogen, die allein am Otto-Hahn-Gymnasium 28,8 Prozent ausmachen. Laut Garbe legten die Schulen großen Wert auf die auswärtigen Schüler, weil sie „das Niveau und die Attraktivität der Schulen“ anheben. Er würde daher von Beschränkungen abraten und empfiehlt „die Bandbreite aller Talente aufzunehmen“.