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Langenfeld: Großes Glück auf kleinem Raum

Langenfeld : Großes Glück auf kleinem Raum

100 Jahre Bauverein: Die Günter und Marga Weski lieben ihre 1966 bezogene 52-Quadratmeter-Wohnung.

Zu den ältesten Bewohnern der BVL-Häuser gehören Günter und Marga Weski, die als jung Verheiratete am 1. Januar 1966 ihr Nest an der Langforter Straße unterm Dach bezogen – und es seitdem nicht mehr verlassen haben. „Hätte ich damals nicht einen Flüchtlingsschein besessen, weil meine Familie aus Polen kam, hätten wir hier nie einziehen können“, sagt Marga Weski. Obwohl die beiden 80-Jährigen täglich 39 Stufen bewältigen müssen, ist ein Umzug für sie kein Thema. „Die Töchter quälen, wir sagen ,nein‘“, sagt Marga Weski bestimmt. „So lang wir laufen können, bleiben wir hier.“ Günter Weski, agil und beweglich, fügt an: „Die Treppe hält uns jung. Ich schleppe hier noch sämtliche Einkäufe rauf.“

Das Ehepaar hat sich in einer Zeit, in der jeder jeden übertrumpfen will, seltene Tugenden bewahrt: Bescheidenheit, Genügsamkeit, Zufriedenheit und ganz viel Lebensfreude. Die gemütliche Wohnung misst gerade mal 52 Quadratmeter. Sie hat weder Balkon noch Garten. Weskis zogen dort zwei Töchter groß, die 1961 und 1964 geboren wurden. „Wir haben das Kinderzimmer etwas erweitert und in den Speicher hinein gezogen“, sagt der gelernte Bau- und Möbelschreiner. Solch eine bauliche Änderung in der Mietwohnung war damals offenbar kein Problem.

Weskis lieben ihr Zuhause im zweistöckigen Mietshaus, als wäre es die schönste Villa. „Wir haben eigentlich kaum etwas verändert, seit wir hier eingezogen sind“, sagt er. „Den Boden aber schon, tapeziert und gestrichen haben wir auch“, sagt sie. Und natürlich hat der Bauverein Langenfeld das Haus aus den 1950er Jahren im Laufe der Jahrzehnte immer wieder energetisch auf Stand gebracht. Es gibt aber noch jene nostalgischen Zimmertüren mit Oberlicht. Und auch die Raumaufteilung mit Torbogen zur Küche ist geblieben.

Irgendwann hat Günter Weski die Türrahmen in südländischem Hellblau gestrichen. „Nun ja, die haben sich etwas gewundert beim Bauverein, aber sie haben mich gelassen“, sagt der 80-Jährige. Seine Frau zeigt stolz den großen alten Speicher gegenüber ihrer Wohnung, wo sie die Wäsche trocknet. „So praktisch ist das hier. So etwas gibt es doch heute nicht mehr“, sagt sie.

67 D-Mark habe die Miete damals bei Einzug gekostet, erinnern sich die beiden genau. Heute sind es 450 Euro kalt. Die Lage ist optimal, sehr nah zum Zentrum. „Und der Bauverein kümmert sich um seine Mieter“, sagt Weski. Es gibt ein Mietercafé an der Martinstraße, in dem das Paar lange mitgearbeitet hat, und ein Gästehaus in der ehemaligen Bäckerei Schliebach In den Griesen, wo Bewohner ihre Besucher einquartieren können.

Der fehlende Garten hat die beiden nie gestört. Früher nutzen die Weskis mit Nachbarn gemeinsam den Innenhof, heute gehen sie zu den Töchtern, wenn sie draußen sitzen wollen.

Was vor allem die älteren Mietwohnungen des BVL heute immer noch auszeichnet, ist reichlich Grünfläche vor der Tür oder hinterm dem Haus. Das kommt nicht von ungefähr. Denn als nach dem Ersten Weltkrieg in den 1920er Jahren die ersten Häuser gebaut wurden, bekamen die teilweise verarmten Familien die Möglichkeit zur Selbstversorgung aus dem eignen Garten. Sogar kleine Schweineställe, die heute als Abstellkammern genutzt werden, wurden angebaut.