Langenfeld: Gratis-Parken: lieb, aber teuer

Langenfeld : Gratis-Parken: lieb, aber teuer

Städtische Wirtschaftsförderung und CDU-Ratsmehrheit stehen weiter hinter Langenfelds "Marketing-Schlager Nr. 1", doch bei inzwischen fast 500 000 Euro für die erste Stunde freies Parken wird erneut Kritik an der Subvention laut.

Morgen ist verkaufsoffener Sonntag in Langenfeld. Wenn von 13 bis 18 Uhr die Läden öffnen, ist es dasselbe in Grün wie an jedem anderen Shopping-Sonntag, diesmal aber besonders intensiv grün. "Klimaschutz trifft Einkaufs-Spaß" lautet das Motto, welches das Stadtmarketing ausgegeben hat. Die Werbung gilt dem Radverkehr: Möglichst viele Langenfelder sollen sich eine Einkaufstasche auf zwei Rädern zulegen, wie sie Oma früher per pedes hinter sich herzog, nur heute mit Anhängerkupplung.

Zehnmal soviel wie im Jahr 2000

Helmut Konrad, der sich ebenfalls für besonders intensiv grün hält, nennt solch eine Aktion löblich. Öko-logischer fände er es aber, wenn die Stadt diejenigen, die ihre Besorgungen in der Stadtmitte nicht so "klimafreundlich" erledigen, "nicht mit inzwischen fast 500 000 Euro jährlich subventionieren" würde. Soviel, darauf wies der Ratsfraktionschef der Grünen in seiner jüngsten Haushaltsrede hin, beträgt nämlich inzwischen der Jahreszuschuss der Stadt an die Stadtentwicklungsgesellschaft für die erste Stunde Gratis-Parken in der City. Angefangen hat es bei der Einführung des Parkraumbewirtschaftungskonzepts vor zwölf Jahren mit einem Zehntel des Betrags.

In einem zentralen Punkt steht Konrad mit seinen Grünen freilich allein: Keine andere Ratsfraktion will die erste Stunde kostenpflichtig machen, nicht mal teilweise, wie es die Öko-Partei zuletzt beantragt hatte. "Das Gratis-Parken abschaffen? Nee, nee. Wir wollen doch nicht anschließend durchs Dorf gejagt werden", gibt etwa SPD-Ratsfrau Heike Lützenkirchen unumwunden zu, weshalb sie für eine Beibehaltung des teuren Geschenks ist. Aber sie hat — wie die Vertreter anderer Parteien — auch ein gewichtiges Sachargument: "Die erste Stunde frei — das höre ich von Bekannten immer wieder — ist ein Grund, in Langenfeld einzukaufen." Das sei psychologisch einfach so. "Auch für die Langenfelder selbst!", unterstreicht ihre CDU-Ratskollegin Barbara Zwank-Mielke: "Gerade für den kurzen Einkauf ist dieses Angebot toll!"

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Deshalb sei ihre Fraktion — "solange die Stadt sich den Zuschuss leisten kann" — dafür, die Regelung beizubehalten. Sollte aber mal die Schuldenfreiheit bedroht sein, gebe es "keine Denkverbote". Zum Beispiel in Richtung Beteiligung der Händler an den Kosten. Dafür wirbt die SPD bereits jetzt — so wie auch BGL und FDP. "Viele Filialisten zahlen hier ja noch nicht mal Gewerbesteuer. Aber sie profitieren von der vermehrten Kundschaft durchs Gratis-Parken", meint SPD-Fraktionschef Sascha Steinfels. Frank Noack (FDP) erinnerte kürzlich an eine vor Jahren getroffene Vereinbarung, auch die Händler zur Kasse zu bitten. "Warum nicht ein System wie in Hilden, wo die Kunden im Laden einen Teil der Parkgebühr erstattet bekommen", schlägt Harald Degner (BGL) vor.

Bei den Einzelhändlern treffen die Oppositionspolitiker damit auf wenig Verständnis. Hiltrud Markett, Buchhändlerin, Sprecherin der IG Hauptstraße und CDU-Ratsfrau, dürfte eher die Ausnahme sein, wenn sie sagt: "Bevor sich Langenfeld neu verschuldet, wäre ich für eine pauschale Händler-Beteiligung. Am wichtigsten ist, dass die Gratis-Stunde bestehen bleibt." Eher die Stimmung der Mehrheit dürfte Bio-Händler Sven Lucht, Sprecher der IG Solinger Straße, treffen: "Wenn überhaupt, dann nur, wenn auch Ärzte, Rechtsanwälte und Steuerberater mit bezahlen! Warum nur der Einzelhandel?"

85 Prozent der Parkzeiten gratis

Laut Ulrich Beul, Chef der Wirtschaftsförderung im Rathaus, entfallen von der gesamten Parkzeit, die die Autofahrer auf den kostenpflichtigen Innenstadt-Parkplätzen in Anspruch nehmen, rund 85 Prozent auf Gratis-Stunden. Für ihn ein Argument nicht gegen, sondern für die Subvention: "Die hohe Zahl der Frei-Parker zeigt ja, wie gut diese Sache bei den Menschen ankommt. Es ist das beste Marketing-Instrument für die Innenstadt."

Der gestiegene Zuschuss erkläre sich aus dem gewachsenen Parkplatz-Angebot. Doch auch für die Wirtschaftsförderung scheint bei den 500 000 Euro das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein: Die Pläne für ein weiteres Parkhaus an der südlichen Hauptstraße liegen — trotz voller Parkflächen an guten Einkaufstagen — auf Eis.

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(RP)
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