Langenfeld: Gratis-Parken ade: Ab heute 50 Cent

Langenfeld : Gratis-Parken ade: Ab heute 50 Cent

Auf den rund 1700 Stellplätzen in der Langenfelder Stadtmitte sind jetzt nur noch die ersten 15 Minuten frei. Die Neuregelung und ihre möglichen Folgen für die "Shopping-Mitte" sind am Mittwoch Thema bei einer Mobilen RP-Redaktion.

Die ersten 60 Minuten "kostenfrei" parken — vorbei! Am langen Osterwochenende waren Mitarbeiter des städtischen Citymanagements und der Parkhaus-Verwaltung in der Langenfelder Stadtmitte unterwegs, und sie haben nicht etwa Ostereier gesucht, sondern die Beschriftung an den Parkscheinautomaten ausgetauscht.

Gratis parken, das kann man jetzt nur noch eine Viertelstunde — falls der parkende Autofahrer den entsprechenden Kurzzeitparkschein anfordert. "Wer kein Geld in den Automaten wirft und die Parkscheintaste drückt, erhält das Ticket mit der auf 15 Minuten begrenzten Parkdauer", erklärt Citymanager Jan Christoph Zimmermann das Verfahren. Es ist dasselbe wie bisher bei der Gratis-Stunde.

Die Parkscheintaste ist damit zugleich "Brötchentaste" — auch wenn dieser längst etablierte Begriff nirgendwo auf den Automaten auftaucht. Autofahrer, die davon ausgehen, dass sie länger als eine Viertelstunde parken, sollten lieber mindestens 50 Cent einwerfen.

Sonst droht ein Knöllchen wegen Parkzeit-Überschreitung — spätestens nach (inklusive der üblichen Kulanzzeit) knapp 20 Minuten. "Autofahrer, die länger als eine Stunde parken, müssen entweder genausoviel zahlen wie bisher oder — ab Stunde drei — sogar weniger", verteidigt Zimmermann die Neuregelung. Denn statt einem Euro pro Stunde (außer der ersten) wie bis Karsamstag sind jetzt 50 Cent je angefangener Stunde fällig.

Grund für die Streichung des Gratis-Parkens ist die schwierige Haushaltslage, in der sich die Stadt Langenfeld seit drei Jahren befindet. Nach der Entschuldung im Jahr 2008 und dem Aufbau einer Rücklage von in der Spitze 33 Millionen Euro (2009) brachen besonders die Gewerbesteuer-Einnahmen ein, so dass Kämmerer Detlev Müller wiederholt ans "Sparschwein" musste, um den Haushalt auszugleichen. Inzwischen ist die Rücklage auf etwa 4 Millionen Euro geschrumpft. Der Wegfall der Gratis-Parkstunde soll helfen, den Haushalt wieder ins Lot zu bringen. Müller rechnet mit einer jährlichen Entlastung in Höhe von rund 600 000 Euro — durch Subventionskürzungen bei der Parkraumbewirtschaftung und Mehreinnahmen an Parkgebühren.

Der Wegfall des Gratis-Parkens ist indes umstritten, nicht nur bei Bürgern, die die Freistunde seit ihrer Einführung zur Jahrtausendwende schätzen gelernt haben. Viele machten seit Bekanntgabe der Neuregelung im Dezember ihrem Unmut Luft, so etwa in Leserbriefen an die RP und in Kommentaren bei RP online.

Aber auch Einzelhändler erinnern daran, dass die Freistunde jahrelang als Trumpf-Ass des Langenfelder Standort-Marketings hochgehalten wurde. Auf Betreiben der Ladenbesitzer und durch Vermittlung der CDU-Mehrheitsfraktion im Stadtrat ließ sich die unter Spardruck stehende Verwaltungsspitze immerhin die zunächst nicht vorgesehene "Brötchentaste" abringen. "Mit diesem Kompromiss sind wir fürs erste zufrieden, aber wir werden die Wirkung der Neuregelung auf jeden Fall monatlich überprüfen und gegebenenfalls auf Veränderungen drängen", sagt Sven Lucht, Bioladen-Betreiber und Ortsvorsitzender des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverbands. Dies sei auch mit dem Citymanagement so abgesprochen. Z

immermann bestätigt die Vereinbarung: "Wir werden uns die Folgen für die Anziehungskraft der Einkaufsstadt Langenfeld angucken und, falls nötig, über Konsequenzen beraten." Von einer "Probephase" mag der Stadtvermarkter aber ausdrücklich nicht sprechen. Er sei überzeugt, dass das Langenfelder Einzelhandelsangebot genug Strahlkraft in die Nachbarstädte habe auch ohne Gratis-Parken.

Trotz "Brötchentaste" bietet die Neuregelung weiter Anlass zu Diskussionen, wie etwa ein Leser-Kommentar kürzlich bei RP online belegt. Nutzer "Kadaj" schreibt: "Dann wird man sich jetzt eben zwei Mal überlegen, ob man in die Innenstadt fährt, um mal kurz etwas zu besorgen, oder ob man doch lieber beim Aldi oder Edeka am Ortsrand einkauft. Spontan in die Innenstadt zu fahren, werde ich mir jedenfalls verkneifen."

Gelegenheit, das Thema zu diskutieren, haben Interessierte morgen von 11 bis 13 Uhr am Stand der Mobilen RP-Redaktion auf dem Marktplatz. "Gratis-Parken ade — was bedeutet dies für Langenfelds Shopping-Mitte?" lautet die Leitfrage. Mit dabei sind unter anderen Citymanager Jan Christoph Zimmermann und Einzelhandelsvertreter Sven Lucht.

(RP/ila/top)
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