Kommentar: "Gifte nicht in den Gully"Die Grenzen des Sparens

Kommentar: "Gifte nicht in den Gully"Die Grenzen des Sparens

Sandiges Gelände

"Unser Wasser ist von bester Qualität", verspricht das Verbandswasserwerk. Was wir tun können, damit es so bleibt, fragte RP-Mitarbeiter Martin Mönikes den Technischen Betriebsleiter des VWW, Diplom-Ingenieur Rudolf Gärtner (49).

Interessieren sich die Monheimer und Langenfelder für ihr Wasser?

Gärtner Beim Tag der Offenen Tür zur Hundertjahr-Feier im Oktober hatten wir viele Besucher aller Altersklassen in der Trinkwasseraufbereitungsanlage. Die durchweg positiven Reaktionen zeigen das rege Interesse an der lokalen Wasserversorgung. Auch ein zusätzlicher VHS-Termin war stark nachgefragt, und die Sonderführung zum heutigen Weltwassertag ist ausgebucht.

Können die Menschen die Grundwasserqualität beeinflussen?

Gärtner Ja, unser Wasserschutzgebiet erstreckt sich über große Teile des Langenfeld Stadtgebietes. Alle Verunreinigungen, die hier in den Boden versickern, aber auch Eingriffe wie Bohrungen oder Versiegelungen, wirken sich auf das Grundwasser aus. Jeder trägt also mit seinem Verhalten zeitnah zur Wassergüte bei.

Welche Fehler sollten die Menschen vermeiden?

Gärtner In Langenfeld gibt es ein sogenanntes Trennsystem der Abwasserkanäle (Schmutzwasser/Regenwasser). Wasser aus dem Regenwasserkanal läuft direkt in den nächsten Bach oder zur Versickerung. Es wird im Gegensatz zum häuslichen Schmutzwasser nicht mehr in der Kläranlage gereinigt. Man ahnt, was der gedankenlos in den nächsten Gully geschüttete Eimer mit Putzwasser anrichten kann. Reinigungsmittel gelangen ungeklärt in die Bäche und damit in den Wasserkreislauf. Gleiches gilt für Autowaschen am Straßenrand. Im Haushalt sollte, wenn möglich, besser Wasser als scharfes Putzmittel genutzt werden. Schließlich haben wir keinen Wassermangel.

Sind die Landwirte und ihr Dünger noch ein Thema?

Gärtner Kaum, die Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten und der Landwirtschaftskammer trägt Früchte. Der Nitratwert sinkt seit 20 Jahren. Die Landwirte selbst sind aus wirtschaftlichen Gründen interessiert, den (teuren) Düngereinsatz zu minimieren. Nicht zu vernachlässigen sind aber auch die vielen Haus- und Hobbygärten im Schutzgebiet. Auch hier wird mit Düngern und Pflanzenbehandlungsmittel gearbeitet.

Langenfeld/Monheim (mmo) 4,5 Millionen Liter Grundwasser jährlich pumpt das Verbandswasserwerk (VWW) Langenfeld-Monheim aus den sechs Brunnen im Knipprather Wald. Das Grundwasser fließt über dicke Rohre zu den Aktivkohlefiltern, die es von Kohlenwasserstoffen befreien. Der Trinkwasserverbrauch sinkt seit Jahren kontinuierlich. 5,6 Millionen Liter dieses wichtigsten aller Lebensmittel liefen 2009 aus den Wasserhähnen in beiden Städten, 1992 waren es noch 6,25 Millionen Liter. Was zur Versorgung der heimischen Haushalte nicht selbst gefördert werden kann, kauft das VWW von den Stadtwerken Solingen hinzu, Wasser aus den Brunnen Karnap im Hildener Süden.

Die Ursachen des gesunkenen Verbrauchs sieht VWW-Technikchef Rudolf Gärtner in einem "bewussten Umgang mit dem wertvollen Gut" und in einem "gewachsenen Kostenbewusstsein, ermöglicht und verstärkt durch technische Möglichkeiten wie wassersparende Armaturen oder Wohnungswasserzähler". Allerdings macht Gärtner auch Grenzen dieses Trends aus: "Wenn Wassersparen zu erhöhtem Einsatz von immer stärkeren Reinigungschemikalien führt oder wir unsere Leitungsnetze immer häufiger spülen müssen, um Stagnationen zu vermeiden (gilt für die Durchspülung der Kanäle genauso), ist dies kontraproduktiv". Denn 95 Prozent der Kosten der Wasserversorgung sind fixe Kosten für Leitungen und Wasserwerk.

Es gibt Menschen, die sich bei ihrem Verhalten daran orientieren, ob sie die Folgen ihres Tuns selbst erleben oder erleiden, nach dem Motto "Nach mir die Sintflut". Wir sollten aber wissen, dass nachlässiger oder sogar fahrlässiger Umgang mit den natürlichen Wasservorräten sich schneller rächen kann, als wir vermuten. Wussten Sie etwa, dass es in Langenfeld und Monheim Bereiche gibt, in denen versickerndes Oberflächenwasser wegen des sandigen Bodens nur knapp zwei Jahren braucht, um die Grundwasserschicht zu erreichen? Klingt lang, ist aber kurz – und wäre bei einem Umweltfrevel viel zu kurz. In zwei Jahren würde nur wenig, zu wenig herausgefiltert. mmo

(RP)