Langenfeld/Monheim: Geschiedene streiten heftiger um Kinder

Langenfeld/Monheim : Geschiedene streiten heftiger um Kinder

Erziehungsberatungsstelle begleitet zunehmend zerstrittene Paare beim Versuch, den Umgang mit Kindern zu regeln.

Erst schrien sie sich gegenseitig an, dann sprang der Mann wütend auf und knallte die Bürotür hinter sich zu. Die kürzlich in der Monheimer Erziehungsberatungsstelle erlebte Szene spiegelt nach den Worten ihres Leiters Arno Berberich wider, "wie emotional und erbittert vor der Scheidung stehende Eheleute häufig reagieren, wenn sie die künftigen Kontaktmöglichkeiten zu gemeinsamen Kindern regeln". Seit vor fünf Jahren das Familienverfahrensgesetz geändert wurde, habe diese Thematik in den Beratungsgesprächen stark zugenommen. "Pro Jahr sind es etwa 50 Eltern. Die Beratungen gehen oft über mehrere Wochen, manchmal über Monate." Im Langenfelder Jugendhilfeausschuss legte der Diplom-Psychologe gestern Abend den Jahresbericht der für beide Städte zuständigen Einrichtung vor.

Seit der Gesetzesänderung entscheidet nicht mehr das Familiengericht, ob das Kind künftig bei der Mutter oder dem Vater leben soll. Vielmehr sollen die Eheleute gemeinsam einen Weg finden, der es beiden Seiten ermöglicht, durch regelmäßige Kontakte eine Beziehung zum Kind zu pflegen. "Bei dieser oft schwierigen Diskussion begleiten wir betroffene Familien", sagt Berberich. Die Gespräche im Monheimer Haus der Chancen seien gratis und zunehmend gefragt.

"Häufig leiden die Kinder am stärksten unter der Trennung der Eltern", sagt Berberich, da sie sich dem Streit zwischen Mutter und Vater ausgeliefert fühlten "und meinten, sich zwischen ihnen entscheiden zu müssen". Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität, Rückzug, Unruhe oder Konzentrationsstörung seien häufige Folgen. "Wir möchten Eltern darin unterstützen, solche Auffälligkeiten richtig zu deuten und angemessene Umgangsweisen mit den Kindern zu entwickeln." Ziel sei es, dem Familiengericht einen gemeinsamen Vorschlag zukommen zu lassen.

Doch das gelinge nicht in jedem Fall, räumt Berberich ein. "Oft ist es schwierig, zerstrittene Paare an einen Tisch zu bekommen, weil Kränkungen oft tief sitzen." Sei diese erste Hürde genommen, dann zeigten sich etwa bei der Auswahl des passenden Kindergartens oder der Schule die nächsten Schwierigkeiten. "Vor allem, wenn die getrennten Familien weiter auseinander wohnen, gerät jede Entscheidung zum Zankapfel. Manchmal mischen sich auch noch Großeltern ein, die das Kind oft bei sich hatten und der alleinerziehenden Schwiegertochter absprechen, sich neben dem Beruf um das Kind kümmern zu können." Wichtig ist, dass während der Suche nach Lösungen Scheidungsanwälte nicht dauernd dazwischenfunken. "Um die Rahmenbedingungen zu erleichtern und Angebote für betroffene Familien zu koordinieren", trifft sich nach Angaben des Langenfelder Fachbereichsleiters Ulrich Moenen regelmäßig ein Arbeitskreis. Neben den Erziehungsberatern seien das Amtsgericht und die Jugendämter der zugeordneten Städte Langenfeld, Monheim und Hilden darin vertreten, zudem Sozialdienste und Kinderschutzbund. Letzterer kümmert sich in Langenfeld mit der von Petra Schütz und Doris Knopp geleiteten Stern-Gruppe gezielt um Trennungs- und Scheidungskinder. "Sie fühlen sich nicht selten wütend, traurig, enttäuscht oder gar schuldig an der Trennung ihrer Eltern", sagt Schütz. Mit Gesprächen, Rollenspielen und kreativen Angeboten sollen die Kinder lernen, die Trennung zu akzeptieren und sich mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE