Langenfeld: Gemeinsam essen im Gemeindehaus

Langenfeld : Gemeinsam essen im Gemeindehaus

Im Gemeindehaus der Johanneskirche bekochen Ehrenamtlerinnen eine Gruppe von Menschen, die der Einsamkeit im Alltag entfliehen wollen. Das neue Angebot ist offen für alle. Alter, Herkunft und sozialer Status spielen keine Rolle.

Es dampft, brutzelt und köchelt im evangelischen Gemeindezentrum an der Stettiner Straße. Sabine Bark rührt ein Salatdressing an, während ihre Tochter Carina (24) Champignons, Zwiebeln und Speck anbrät. Außerdem wuseln noch fünf weitere Damen durch den Raum. Sie schnippeln, rühren, würzen und schmecken ab. Die umtriebigen Ehrenamtlerinnen kochen gemeinsam eine Mahlzeit für Menschen, die sonst alleine am heimischen Esstisch säßen. Die gesellige Mittagsrunde ist ein neues Angebot im Rahmen der Lebensbegleitung der Evangelischen Kirchengemeinde. Es richtet sich grundsätzlich an alle, vor allem aber an alleinstehende Menschen oder verwitwete Eheleute, die neue Kontakte knüpfen und nicht vereinsamen wollen. Die Resonanz ist groß. Zur ersten Runde im Gemeindehaus der Johanneskirche kamen insgesamt 25 Frauen und Männer aus allen Stadtteilen.

"Aus meiner Sicht ist das gelebtes Christentum", sagt Sabine Bark, die sich in vielen Bereichen rund um die Gemeinde ehrenamtlich engagiert. "Die Leute kommen her, essen gemeinsam, reden miteinander und haben Freude." Das habe auch einen biblischen Hintergrund: "Jesus hat das Abendmahl schließlich auch mit allen Menschen geteilt – unabhängig von ihrem sozialen Status oder anderen Faktoren." Entsprechend klar ist die Botschaft dahinter: "Jeder ist willkommen."

Entstanden ist die Idee für das gesellige Mittagsessen aus zwei Ansätzen. Zum einen gibt es bereits seit einigen Jahren das "Begegnungs-Café" in der Johanneskirche, in dem sich Männer und Frauen über ihre Sorgen und Freuden austauschen können. Außerdem gibt es die Gruppe "Biblisches Kochen", die Speisen kocht, die in der Heiligen Schrift des Christentums Erwähnung finden. Der monatliche Mittagstisch für jedermann ist quasi eine Kombination aus beiden Angeboten. Auf dem Speiseplan steht allerdings nicht Schmackhaftes aus der Antike, sondern bodenständige Küche aus der Neuzeit.

Folienkartoffeln mit verschiedenen Heringssalaten, gebratenen Champignons oder Kräuterquark werden beim ersten Treffen serviert. Als Dessert gibt es Himbeeren mit einer Creme aus Mascarpone, Sahne und zerbröselten Keksen. "Das Essen ist einfach, aber sehr lecker", findet Monika Plagemann. Die 63-Jährige ist bei einem Treffen der ZWAR-Gruppe (Zwischen Arbeit und Ruhestand) zur Quartiersarbeit auf das Angebot in der Johanneskirche aufmerksam geworden – und hat sich "sofort angemeldet", wie die Langenfelderin betont. "Mir hat die Idee gut gefallen und ich bin nicht enttäuscht worden. Das Essen ist lecker, die Leute sind nett und man kommt schnell ins Gespräch. Beim nächsten Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei."

Auch Helga Knoff, die seit dem Tod ihres Mannes alleine lebt und erst vor kurzem nach Langenfeld gezogen ist, freut sich über das Angebot. "Ein Treffen im Monat ist mir eigentlich noch zu wenig", meint die 79-Jährige, "aber es ist eine gute Gelegenheit, um neue Leute und die Stadt kennenzulernen." Auch sie meldet sich noch vor Ort für den nächsten Termin im Juni an. Die Stimmung ist gut. Es wird bei Tisch öfters gelacht, und schnell bilden sich kleine Gesprächsrunden, die über alle möglichen Themen sprechen. Für Pfarrerin Angela Schiller-Meyer ist es auch etwas Spirituelles, wenn Menschen ein Stück ihres Lebens miteinander teilen und sich unabhängig von Herkunft, Alter und Status gut verstehen. "Wir wollen gerade auch Menschen, die durch den Tod ihres Partners oder andere Schicksalsschläge isoliert sind, einen Anknüpfungspunkt bieten", erklärt die Seelsorgerin. "Aber das heißt nicht, dass die Mittagsrunde eine Art Trauerrunde ist – ganz im Gegenteil."

(dora)
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