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Langenfeld: Ganz schön scharf - Chilis aus Langenfeld

Langenfeld : Ganz schön scharf - Chilis aus Langenfeld

Siegfried Becker züchtet im Schrebergarten Chili-Schoten. Daraus macht er Marmelade, Wein, Kuchen und mehr.

Auf den allerersten Bissen schmeckt die Marmelade nur fruchtig. Aber schon nach wenigen Sekunden schlägt die Schärfe durch: Siggi Beckers Chili-Konfitüre hat es in sich. Noch eine Viertelstunde später brennt es im Rachen. "Das ist noch gar nichts", sagt Becker über seine Marmelade. "Ich habe Schoten der Schärfe 10." Er spricht von der Bhut Jolukia, 2006 wurde die Peperoni als schärfste Chili der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.

Siggi Becker ist der Chili-Mann: Wo andere Petersilie oder Erdbeeren anbauen, zieht der 62-Jährige Chilischoten. In seinem Gewächshaus im Schrebergarten. "2003 habe ich mal eine Chilipflanze geschenkt bekommen, da hat's mich gepackt." Seitdem zieht der Lkw-Fahrer die scharfen Schoten. Und Marmelade ist längst nicht das einzige, was er daraus macht. "Ich koche gerne und bin experimentierfreudig. Ich habe schon Wein und Likör aus den Schoten gemacht", berichtet der Mann mit dem grünen beziehungsweise roten Daumen. "Jedes Jahr gedeihen in meinem Garten über 20 verschiedene Sorten. Angefangen mit NuMex Suave Orange, einer Habanerosorte mit nahezu keiner Schärfe, aber enormen Aroma, bis hin zur Trinidad Scorpion die, in falsche Hände gelangt, gefährlich sein kann."

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Im kleinen Treibhaus ist es stickig warm. Becker hat einen kleinen Ventilator zur Bestäubung aufgestellt. Stolz zeigt er auf die Pflanzen, die mit Einsteckkärtchen gekennzeichnet sind. Ja, da ist die Bhut Jolukia. Die benötigen eine sehr lange Reifezeit, so dass zwischen Aussaat und Ernte bis zu 160 Tage vergehen können. Sie werden rot. Die Jalapeño ist eine kleine bis mittelgroße Paprika, die nach der mexikanischen Stadt Xalapa (früher Jalapa) benannt ist. Die Stiele und Blattadern der Hungarian Black sind purpurfarben und die Blüten haben eine leuchtend violette Farbe. Die Long John Chayenne wird bis zu 20 Zentimeter lang. Becker fängt immer im Januar an zu pflanzen. "So an die 100 bis 120 Pflanzen", erzählt er. Gegen Juli ist dann Erntezeit. 30 bis 40 Kilo erntet Siggi Becker jährlich.

Er schwärmt. Es gibt im Garten nichts Vielfältigeres, sagt er. Tatsächlich macht der 62-Jährige auch Kuchen und Muffins aus den scharfen Schoten. Die haben dann denselben scharfen Nachgeschmack wie die Marmelade. Auch Pulver, Ketchup und Würzsoßen stellt der scharfe Siggi her. Sogar kandiert mit Schokolade gibt es die Chilis bei ihm. "Außer Christstollen mache ich so ziemlich alles aus Chili", verrät Becker. "Man kann Chilis auch auf dem Balkon ziehen." Grundsätzlich geht er an die Schoten nur mit Handschuhen heran.

Siggi Becker hat nur ein Problem: Seine Frau mag es nicht scharf. "Sie verträgt die Schärfe nicht", sagt der Züchter. So muss er, wenn es daheim Chili con Carne geben soll, immer zwei Versionen machen: die scharfe für sich und andere Chili-Fans und die gemäßigte für seine Frau. Um die scharfe Chilischote ist ein richtiger Kult entstanden. So gibt es Wettbewerbe, wo die jeweils schärfsten Pflanzen gekürt werden. Von solchen Wettess-Veranstaltungen hält Siggi Becker jedoch nicht so viel. Ende des Jahres winkt übrigens der Ruhestand: "Dann habe ich noch mehr Zeit zum Improvisieren mit meinen Pflanzen", freut er sich jetzt schon.

(RP)