Gabriele Mai-Schmidt stellt in der Stadtbibliothek aus.

Langenfeld : Kunstlehrerin stellt in der Stadtbibliothek aus

Die Langenfelderin Gabriele Mai-Schmidt lässt sich nicht auf eine Stilrichtung festlegen. Das zeigt die Werkschau „Skulptur und Bild“.

Die Vernissage, also die Eröffnung der Ausstellung von Gabriele Mai-Schmidt, ist keine im klassischen Sinn: Die Künstlerin hat keine Gäste geladen, die ihr Werk vorstellen. Auch lokale Prominenz sucht man vergebens. Lediglich die Künstlerin ist anwesend – und bereits in angeregtem Gespräch mit einer Frau, die sich dafür interessiert, ob man die Ausstellungsstücke auch kaufen kann. Kann man – einfach die Visitenkarte von Mai-Schmidt mitnehmen und ihr eine E-Mail schicken.

Gabriele Mai-Schmidt mag keine Vernissagen, auf denen „langweilige Reden“ gehalten werden. Sie geht davon aus, dass es vielen Besuchern ähnlich geht. In die Stadtbibliothek hat sie Arbeiten aus den unterschiedlichsten Schaffensperioden mitgebracht, die eins sofort offenbaren: Sie lässt sich nicht auf eine Stilrichtung festlegen, fertigt plastische Bilder, Acrylarbeiten und feine Zeichnungen sowie Skulpturen an, probiert mal das eine, mal das andere aus. Auffällig sind die verwendeten Materialien der Skulpturen, die zu großen Teilen vom Schrott oder aus dem Baumarkt stammen: Gips, Altmetall, geschreddertes Papier, Holz. Ihre Erklärung: „Als ich 18 war, hat mein Vater Löcher in Wänden mit Gips gestopft. Ich fand das Material reizvoll und habe mir Gips gekauft und damit experimentiert.“ Später hat sie auch Beton für ihre Skulpturen verwendet, zusammen mit Holz und Metall. „Der Materialmix arbeitet, das finde ich spannend“, sagt sie. Inspiriert dazu wurde sie von einem der zahlreichen Kunstkurse, die sie besucht hat: „Baumaterialien und mehr in der Kunst“ an der Europäischen Kunstakademie in Trier.

Mai-Schmidt ist Kunstpädagogin und unterrichtet an der Armin-Maiwald-Schule in Monheim-Baumberg. Als „Hobbykünstlerin“ will sie nicht bezeichnet werden - dafür sind ihre Arbeiten zu professionell und zu vielseitig. Außerdem bescheinigt ihr Bibliotheksleitern Martina Seuser zu Recht „einen ganz eigenen Stil. Das war auch der Grund, warum ich sie gerne hier ausstellen lasse“, sagt Seuser. Mai-Schmidt ist Kundin der Bibliothek und hatte einfach gefragt, ob sie auch einmal ausstellen dürfe.

Dort sind jetzt Phantasiefiguren aus Materialmix zu bewundern: mehrere gemalte Geier und Geier-Skulpturen mit großen Hakennasen, die etwas von indianischer Kunst und haben und von den Motiven her an Totempfähle erinnern. Ihre Erklärung: „Ich finde, Geier haben so etwas Menschliches.“ Es gibt „Schräge Vögel“ in Acryl, daneben feine abstrakte Zeichnungen mit dünnen Linien, plastische Bilder, die „Geschreddertes“ heißen, sowie gemalte und figürliche, durchbrochene Köpfe mit mehreren Gesichtern: „Das sind meine neuesten Arbeiten.“ Auch eine Nana-ähnliche, dicke Frauenfigur ist in der Bibliothek zu bewundern: die „Pink Lady“. „Sie ist in der Langenfelder Künstlergruppe Falter entstanden. Das Thema hieß ‚Sex sells’“, erzählt Mai-Schmidt, die auch Mitglied der Hildener Künstlergruppe H6 ist und sich schon mal an deren Gemeinschaftsausstellungen beteiligt.

Bibliotheksleiterin Martina Seuser ist froh, Mai-Schmidts Arbeiten zeigen zu können. „Hier muss sich Kunst gegen einen unruhigen Hintergrund behaupten. Viele Künstler wollen das nicht. Andere sind stolz, wenn ihre Werke dort ausgestellt werden – zum Beispiel die Langenfelder Schüler.“

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