Karin Seitz: Futtern wie bei Luthern

Karin Seitz : Futtern wie bei Luthern

Zum Reformationsjubiläum kocht der Langenfelder Ökumenekreis nach Rezepten von vor 500 Jahren.

Langenfeld "Luther-Futter - Essen wie zu Luthers Zeiten" heißt es am kommenden Wochenende im evangelischen Gemeindezentrum Lukaskirche in Richrath. Die Presbyteriumsvorsitzende Karin Seitz gehört zum Organisationsteam für das gemeinsame Kochen und Speisen.

Essen wie zu Luthers Zeiten - was wollen Sie zubereiten und auftischen?

Seitz Zusammen mit interessierten Menschen will der Ökumenekreis eine Lombardische Suppe, einen Schmortopf mit Brot sowie Käsebällchen zubereiten. Als Nachtisch wird saisonales Obst gereicht. Die Vorbereitung ist am Samstag ab 16 Uhr. Tags darauf ab 12 Uhr wird gegessen.

Lombardische Suppe - soweit ich weiß, schätzen Mittelalter-Freaks sie als dickflüssiges Grundnahrungsmittel - nach heutigem Geschmack mehr ein Brei denn eine Suppe . . .

Seitz Unsere Lombardische Suppe, aus einem angeblich alten Rezeptbuch, ist eine Gemüsesuppe mit Käse und Gewürzen. Einen Getreidebrei wollten wir unseren Gästen nicht zumuten.

Hat Luther denn so etwas, wie Sie es am Samstag und Sonntag kochen werden, tatsächlich gegessen?

Seitz Auf jeden Fall war Luthers Haus über einen eigenen Bauernhof gut versorgt. Durch archäologische Funde bei den Luthers und Rezepten aus der Zeit weiß man, was gegessen wurde. Dem Reformator mundeten zum Beispiel ein guter Brathering und Erbspüree, auch Bier. Es gab Rüben aller Art, dazu auch Spargel, Kohl, Spinat, dicke Bohnen, Kürbisse und Linsen. Beim Obst wären Trauben und Kirschen zu nennen.

Weiß man, was der Reformator besonders gerne mochte? Und was gar nicht?

Seitz Eher nicht. Allerdings spricht seine spätere Nierenerkrankung dafür, dass Luther schwere und fette Speisen mochte.

Legendär sind Luthers Tischgespräche. Wird beim Luther-Mahl daraus zitiert werden?

Seitz Nicht direkt. Aber Pfarrerin Silke Wipperfürth wird zwischen den Gängen aus Briefen von Luther vorlesen.

Auch wenn Amerika mit der Kartoffel bereits zu Lebzeiten Luthers "entdeckt" wurde - die Erdknolle müsste bei Ihrem Mahl doch tabu sein, oder?

Seitz Kartoffeln werden bei den Rezepten natürlich nicht verwendet. Aber wir werden "modern" auf dem Elektroherd kochen. Dies wird eben keine Mittelalter-Veranstaltung wie auf Mittelalter-Märkten, wo alles möglichst authentisch dargestellt wird. Uns war die Erinnerung an die Zeiten von Martin Luther und damit eine kulinarische Reminiszenz wichtig, nicht die Authentizität. So werden wir auch mit Besteck von Keramiktellern essen und Papierservietten benutzen.

Was gibt's denn zu trinken?

Seitz Kranwasser und Bier.

Beim Luther-Futter sitzen Protestanten und Katholiken gemeinsam an einem Tisch. Auch Pfarrer Trimborn von St. Martin ist dabei. Inwiefern geht Ökumene durch den Magen?

Seitz Sinnenfreude ist nur scheinbar ein katholisches Spezifikum: Luthers Tischmahle und - vor allen Dingen auch das legendäre Züricher Wurstessen - sprechen da vom Gegenteil. Wenn Christen schon nicht Brot und Wein in der Eucharistie teilen können - was ich sehr bedauere - , sollten sie Wein beziehungsweise Bier und Brot bei gemeinsamen Festmahlen getrost und augenzwinkernd teilen. Denn das - so scheint es - ist ein legitimer Vorgriff auf die Ewigkeit.

Die Anzahl der Teilnehmer beim Luther-Futter ist auf 30 begrenzt. Sind noch Plätze frei?

Seitz Noch sind etwa zehn Plätze frei. Anmeldung ist bei Frau Wipperfürth (Telefon 02173 72474; silke.wipperfuerth@kirche-langenfeld.de) und Herrn Trimborn (Telefon 02173 71228; gerhard.trimborn@kklangenfeld.de) möglich.

Und wenn alle satt sind, heißt es: "Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?"

Seitz So soll es Luther gesagt haben, allein: Das Zitat ist nicht nachweisbar. Angeblich ist es aus Luthers Tischreden, doch dort wie auch anderswo in der Gesamtausgabe ist es nicht feststellbar. Aber unabhängig von diesen deftigen Worten: Wir hoffen natürlich auf ein allgemeines Wohlbefinden am Ende der gemeinsamen Tafel, zu dem mit Sicherheit auch Wohllaute des Glücks erklingen werden - wenn auch nicht unbedingt die leiblichen Laute aus dem oben angefügten Zitat. Ein lutherisches "Aaaaah!" und ein katholisches "Mhhhhh!" wären aber durchaus Musik in unseren Ohren.

THOMAS GUTMANN STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)
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