Langenfeld: Fußgänger nehmen Abkürzung über Gleise

Langenfeld : Fußgänger nehmen Abkürzung über Gleise

Seit vier Jahren ist der Bahnübergang Leichlinger Straße in Immigrath geschlossen. Nicht jeden halten die Gitterzäune davon ab, über die Gleise zu laufen. Die Stadt warnt vor lebensgefährlichem Leichtsinn.

Ein Stahlgitterzaun-Element ist verbogen, auf der anderen Seite der Bahngleise liegt gleich ein ganzer Jägerzaun im Gras. "Den dürften die Leute, die diese Stelle als Abkürzung nutzen, niedergetrampelt haben", sagt Günter Hasselberg. Für den Immigrather, der direkt am ehemaligen Bahnübergang Leichlinger Straße wohnt, ist klar: Die ehedem beschrankte Passage, die vor vier Jahren stillgelegt wurde, wird noch immer von einigen Langenfeldern genutzt, um von jenseits der Bahntrasse nach diesseits zu kommen und umgekehrt.

Damit ersparen sich die Unbekannten den Weg weiter südlich durch die Unterführung Bogenstraße oder den Hauptweg durch die große Unterführung Solinger Straße. Dabei hat die Stadt eigens in Verlängerung der Industriestraße einen beleuchteten Fuß- und Radweg entlang der Bahnstrecke angelegt, um die Unterquerung der Trasse für diese Verkehrsteilnehmer möglichst kurz zu gestalten. "Schnell mal über die Schienen — das ist doch lebensgefährlich", sagt Hasselberg. Darum hätten er und seine Frau das städtische Ordnungsamt informiert. "Die Mitarbeiterin dort sagte uns, die mögliche Durchschlüpfstelle werde ,abgeflattert'", berichtet Regina Hasselberg. "Aber sehen Sie hier", sagt die 61-Jährige und zeigt auf rot-weißes Flatterband: ebenfalls niedergetrampelt.

"Wir haben die Stelle auf diese Weise zu sichern versucht, doch mehr können wir nicht tun", sagt Christian Benzrath, Ordnungsamtschef im Rathaus. "Wir können hier selbst keine Zäune setzen, denn das ist Bahn-Eigentum. Die Bahn ist zuständig, und wir haben sie über den Sachverhalt informiert und die Zusage erhalten, dass das Problem behoben wird." Im übrigen sei aber an dem abgezäunten Bahnübergang ganz klar ersichtlich, ob mit Flatterband oder ohne: "Hier darf man nicht durchgehen! Bahngleise zu betreten ist hochgradig gefährlich!"

Die Bahn AG sah sich gestern nicht in der Lage, zu den verbogenen Zäunen Stellung zu nehmen, ebensowenig zu dem Güterzug-Aufkommen auf der Strecke, der Geschwindigkeit der Züge, der Gefährlichkeit verbotener Bahngleis-Querungen und der Frage, wann die Lücke in der Lärmschutzwand geschlossen wird. Franz Frank vom städtischen Tiefbauamt immerhin wusste zu berichten, dass die Bahn den Lückenschluss für das bevorstehende Frühjahr zugesagt habe. "Wir als Stadt haben alles Nötige vorbereitet und warten auf die Ausführung. Nach Installierung der Wände dürfte sich auch das Problem des illegalen Betretens erledigt haben."

Regina und Günter Hasselberg sehnen den Lückenschluss bei der der Lärmschutzwand nicht nur deshalb herbei. Noch mehr hoffen sie auf ruhigere Zeiten. Noch ruhigere? Seit der Schließung des Bahnübergangs vor vier Jahren ist das doch jetzt hier wie ein Zonenrandgebiet? "Was den Straßenverkehr angeht, schon. Aber wegen der Lärmschutzlücke direkt vor unserer Haustür ist es für uns noch lauter als früher, wenn ein Güterzug vorbeidonnert", sagt Günter Hasselberg. "Das ist wie bei einem Trichter, und wir bekommen alles ab." Außerdem stört ihn die Vermüllung der Ecke. "Ölkanister und anderer Unrat wird hierhin geschmissen. Und schauen Sie: Auf der anderen Seite der Gleise liegen auch blaue Müllsäcke", sagt der 64-Jährige. Seine Frau ärgert anderes noch mehr: "Das ist hier zu einer öffentlichen Toilette geworden. Männern beim Urinieren zusehen, wenn ich aus dem Fenster schaue — das brauche ich wirklich nicht."

(RP)
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