Monheim: "Für Ruhe in der Seele sorgen"

Monheim: "Für Ruhe in der Seele sorgen"

Militärpfarrer Sascha Herrmann berichtete in einem Vortrag und mit Videomaterial über seine Einsätze in Afghanistan. Im Anschluss gab es eine rege Diskussion und Lob für seine Arbeit.

Gut 5 300 Kilometer sind die in Afghanistan stationierten deutschen Soldaten von der Heimat entfernt. Doch zumindest im Geiste sind sie der Heimat nah. Das erfuhren die Zuhörer im Haus der evangelischen Kirchengemeinde (Eki-Haus), als Pfarrer Sascha Herrmann von seiner Tätigkeit als Militärseelsorger in dem Land am Hindukusch erzählte. Als der geborene Monheimer 2002 in Emmerich als Militärpfarrer begann, verpflichtete er sich auch für einen Auslandseinsatz. Im November 2005 schickte ihn die Kirche erstmals nach Afghanistan, nachdem in Kabul durch einen Selbstmordanschlag mehrere Soldaten ums Leben gekommen waren.

Den Soldaten zuhören

"Wenn man im Feldlager ankommt, spürt man die Decke der Trauer, die sich über alles gelegt hat", sagt Herrmann. Seine Aufgabe ist es, den Soldaten bei der Verarbeitung der Geschehnisse zu helfen. "Das bedeutet in erster Linie, ihren Geschichten zuhören", sagt der 46-Jährige. "Ich sage ihnen nicht, was sie tun sollen, sondern will für Ruhe in der Seele sorgen."

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Auch bei seinem zweiten Einsatz 2007, diesmal in Kunduz, hatten die Soldaten mit den Folgen eines Selbstmordanschlags zu kämpfen. Ein Schauer lief allen Zuhörern des Vortrags über den Rücken, als Herrmann das Video eines missglückten Attentats zeigte. "So etwas kann schwere Traumata nach sich ziehen", sagt er. In besonders tiefgreifenden Fällen setzt sich der Seelsorger auch für die Befreiung eines Soldaten vom Dienst ein. Doch nicht nur Gläubige suchten Hilfe beim Militärpfarrer. "Die Leute kamen oft mit Problemen aus der Heimat zu mir. Viele beschäftigt eine Trennung oder ein Todesfall in der Familie", sagt Herrmann. "Sogar Muslime fanden seelischen Beistand bei mir." Manchmal ist der Glaube das Einzige, das den Männern und Frauen noch Kraft gibt. "Ich habe während des Einsatzes sogar einen Soldaten getauft." Sonntags ist in den Feldlagern regelmäßig Gottesdienst. Es bringe eine gewisse Normalität in das Leben der Soldaten, denn frei haben sie während des Einsatzes so gut wie nie. "Für sie ist jeder Tag Mittwoch", sagt Herrmann.

Zeit für eine Diskussion

Im Anschluss an den Vortrag, blieb noch Zeit für eine Diskussion, geleitet von Sascha Herrmann und Pfarrer Hans-Werner Völker. Jeder durfte Fragen stellen, doch oft endeten die Wortbeiträge der Besucher in politischen Meinungsverschiedenheiten über den Afghanistan-Einsatz.

(RP)