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Gert Höfner: ,Für Mathe muss mehr motiviert werden'

Gert Höfner : ,Für Mathe muss mehr motiviert werden'

Die Schüler in NRW haben beim Ländervergleich in Mathe nur Platz 14 von 16 belegt. Die Nase vorn hatten die Schüler in den ostdeutschen Bundesländern. Sie haben früher in Thüringen gelehrt und sind jetzt hier in der Region tätig. Was läuft falsch am hiesigen Matheunterricht?

Die Schüler in NRW haben beim Ländervergleich in Mathe nur Platz 14 von 16 belegt. Die Nase vorn hatten die Schüler in den ostdeutschen Bundesländern. Sie haben früher in Thüringen gelehrt und sind jetzt hier in der Region tätig. Was läuft falsch am hiesigen Matheunterricht?

Höfner Die Mathematik ist von Menschen für Menschen gemacht worden, sie soll ihnen nützen. Und sie erfordert kreatives Denken. Sie ist das Gegenteil von Rechnen. Das muss man zwar auch immer wieder üben, ist aber ansonsten unheimlich stupide. Im Osten wird Mathe stark praxisorientiert unterrichtet, auf streng wissenschaftlicher Basis und stets mit Beweisen. Dazu lässt der Lehrplan in Nordrhein-Westfalen kaum noch Zeit.

Das heißt, die Lehrer sollten mehr praktische Beispiele wählen, um Lösungswege zu erarbeiten?

Höfner Ja, die Lehrbücher, die heute verteilt werden, sind meiner Meinung nach nicht mehr zu verwenden. Sie fördern das Produktive nicht, sondern sind immer mehr Spiel-und-Spaß-Bücher. Sie werden auch nicht besser, wenn sie unverändert auf CD gebrannt und dann weiter im Unterricht eingesetzt werden. Im Osten verwenden viele Mathelehrer noch die Lehrbücher von vor der Wende. Die haben sich bewährt. Ich habe ohnehin eigene Lehrmaterialien entwickelt.

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Fördert Spaß nicht auch die Motivation, sich mit Mathe zu beschäftigen?

Höfner Nur zum Teil. Es müssen ernsthafte Beispiele sein, damit die Schüler auch verstehen, dass das, was sie sich da überlegen, auch sinnvoll ist. Etwa: Wie viel Tapete brauche ich, wenn ich einen Raum tapezieren will? Wie kann ich die Fundamentshöhe eines Gebäudes berechnen? Das Wie steht im Mittelpunkt. Dabei ist Kreativität gefragt.

Das heißt, das Einmaleins zu pauken, wäre gar nicht mehr nötig?

Höfner Doch. Man muss Rechnen können. Heutzutage holen die Leute ja schon den Taschenrechner hervor, wenn sie sechs mal sieben rechnen wollen. Das Einmaleins zu lernen ist genauso wichtig, wie Gedichte auswendig zu lernen. Das wird heute leider kaum noch gemacht. Dabei trainiert dies das Gehirn und beugt sogar Alzheimer vor. Aber Rechnen, das ist eben nicht Mathematik.

Wie können Lehrer denn mit den zugewiesenen Büchern trotzdem guten Mathe-Unterricht machen?

Höfner Sie sollten sich nicht so sehr an die Bücher klammern, sondern immer individuell schauen, wo die Klasse steht. Gerade in der Mathematik ist es ein Fehler, sich streng an ausgearbeitete Konzepte zu halten. Die ganze Welt ist chaotisch. Da muss man lehren und lernen, wie sich darin mit Hilfe der Mathematik trotzdem eine Ordnung und bestimmte Gesetzmäßigkeiten finden lassen. Oft gibt es auch nicht nur eine Lösung.

Stimmt es denn, dass Jungen besser in Mathe sind als Mädchen?

Höfner Nein. In der Begabung gibt es grundsätzlich keine Unterschiede.

Und können auch völlig unbegabte Schüler für Logik gewonnen werden?

Höfner Ja, wenn man ihnen zeigt, dass Logik nützlich und notwendig ist. Dies steht und fällt aber mit den Fähigkeiten des einzelnen Lehrers.

SUSANNE GENATH STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)