Frühstücken wie die Römer in Monheim

Lecker: Frühstücken wie die Römer

Beim Tag des offenen Denkmals rund um Haus Bürgel konnte man Brot backen oder Wanzen streicheln.

Wo kann man schon Wanzen und Käfer streicheln und den Stachel einer Wasserwespe aus nächster Nähe betrachten? Zum Beispiel, wenn Tag des offenen Denkmals im und rund um das  Römerkastell Haus Bürgel in Baumberg ist und Ökologe Moriz Schulze den jungen Besuchern zeigt, was da alles im heimischen Biotop so kreucht und fleucht.

Beherzt fasst Lina die Flügel der Wanze an und kann bestätigen: „Fühlt sich echt weich an, so wie der Mann gesagt hat.“ Furcht vor ekligen Krabbeltieren haben die Mädchen und Jungen nicht, die sich um Schulze scharen. Fasziniert folgen sie seinen lockeren Beschreibungen am lebenden Tier, während er die Tierchen behutsam zwischen zwei Finger nimmt, so dass man sie aus jeder Perspektive begucken kann.

Einmal mehr traf am Sonntag die Leitung von Haus Bürgel den Geschmack des Publikums mit einem bunten Programm zwischen Obstbäumen und altem Gemäuer. Wir sehen Grünfink und Braunkehlchen, Kuckuck und Libelle auf wunderbaren Fotos einer Hobbygruppe, die regelmäßig die Kämpe durchstreift.

Wir probieren Kräuterlikör mit der Kennung  „Typisch Neanderland“, den es im Neanderthal-Museum in Mettmann zu kaufen gibt. Wir verkosten Sanddorn-Apfel-Konfitüre, Beerentraum und Stachelbeere der Reusrather Firma „Frucht Natur“ von Heike Hungenberg und Dagmar Tiedeck. Sie sammeln Früchte in Gärten auf und kochen daraus köstliche Aufstriche.

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Und da im ehemaligen Römerkastell  die Geschichte nicht zu kurz kommen darf, erfahren wir an den Händlerständen von Classis Augusta Germanica zum Beispiel, was die Römische Küche vor rund 1650 Jahren hergab. Das war aus heutiger Sicht nicht viel: Linsen, Koriander, Gerste, Mohrrüben und ein paar aus Afrika importierte Datteln und Zimt als Leckerbissen. Allerdings: Das Brot aus dem römischen Backofen war nicht zu verachten und schmeckte auch den Alten und Jungen von heute. Übrigens bestand das Frühstück der Römer natürlich nicht aus duftendem Kaffe und frischen Brötchen, sondern aus Weinschorle, Brot und Knoblauchpaste. „Das entlockte vielen Zuhörern ein I-Pfui.

Für die Besucher war der Blick ins Mittelalter mindestens genau so interessant wie der Blick auf die vielfältige Tierwelt, die immer noch vor unserer Haustüre lebt und vom Naturschutzbund und dem Hegering präsentiert wurde. Wer weiß schon, wie das Winterfell des Rehs aussieht und wie das des Marders.

Nach Museumsbesuch, dem Streifen über Obstwiesen und einer Planwagenfahrt mit den auf dem Gut beherbergten Kaltblütern konnten die Besucher in Waffeln, Kuchen, Lammfleisch, Baumberger Eis und frisch gepresstem Apfelsaft schwelgen. Das Wetter sorgte für einen außerordentlich gut besuchten Tag des offenen Denkmals, der in diesem Jahr in NRW zum 25. Mal stattfand.

Unter den 1500 historischen Baudenkmälern, Parks und archäologischen Stätten, die jedes Jahr ihre Türen öffnen, waren auch das Deusser-Haus, diverse Gebäude in der Monheimer Altstadt und die Wasserburg Haus Graven in Langenfeld-Wiescheid. Dort zeigte eine Führung den Besuchern ein Stückchen dunkles Mittelalter. Und ein Film entführte in die Geschichte der gut erhaltenen Vorburg aus dem 17. Jahrhundert.

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