Langenfeld: Frühblüher werden zu Ladenhütern

Langenfeld : Frühblüher werden zu Ladenhütern

Der lange Winter ist schuld: Kaum einer kauft Primeln, Osterglocken, Hornveilchen oder Stiefmütterchen. Wie im Berghausener Blumentopf werden die Pflanzen in etlichen Gartencentern jetzt zu Schleuderpreisen angeboten.

Das Geschäft mit den Frühlingspflanzen läuft schlecht. Da der Winter nicht enden will, mag kaum ein Blumenfreund Primeln, Stiefmütterchen und andere Frühblüher kaufen. Die Pflanzen werden zu Ladenhütern. Bei den vorherrschenden, niedrigen Temperaturen zögern Blumenfreunde die Frühjahrsbepflanzung ihrer Gärten und Balkonkästen heraus. Das gilt nicht nur für Privatleute, sondern auch für Gartenbaubetriebe oder städtische Grünflächenämter.

Im Langenfelder Gartencenter Berghausener Blumentopf warten die Gärtner auf besseres Wetter. "Viele Freilandpflanzen sind durch den späten Frost geschädigt worden und die Frühblüher sind später dran als üblich", erzählt Betriebsleiter Michael Schmidt. Die selbst gezogenen Primeln stehen gut geschützt im Foliengewächshaus und warten auf Käufer. "Viele pflanzen wir jetzt in Schalen und hoffen, sie so weg zu bekommen."

Die Preise sind bereits stark heruntergesetzt worden. Noch zehn Tage will die Gärtnerei versuchen, Hornveilchen und Co. zu verkaufen. "Eigentlich ist deren Zeit ja Ende März, Anfang April vorbei", sinniert der Gärtner. Tatsächlich stehen sie im warmen Gewächshaus, treiben die Heizkosten des Gartencenters in die Höhe und blockieren die Plätze für das Sommerpflanzen-Sortiment. Eigentlich ist ja schon Geranien- und Begonienzeit, aber auf die müssen die Kunden noch ein wenig warten.

Dirk Heilke, Gärtnermeister in den Diensten der Stadt Haan gibt zu, dass es in Haan auf den öffentlichen Plätzen und Grünstreifen zurzeit noch sehr traurig aussieht: "Wir hatten so viele Frosttage, dass wir Schwierigkeiten hatten, die Pflanzen überhaupt in den Boden zu bekommen. Und da wir erst spät gepflanzt haben, sind die Blühpflanzen entsprechend spät dran."

Verluste bei den Frühblühern gibt es aktuell nicht zu beklagen, weiß Heilke. Er befürchtet aber, dass einige der bereits im Herbst ausgesäten "Straßenbegleitpflanzen" — so heißen sie offiziell — den späten, harten Winter nicht überlebt haben. "Das merken wir aber erst später im Jahr und dann müssen wir gegebenenfalls nachordern und neu pflanzen." Rosen, Sträucher und andere Pflanzen am Straßenrand haben es ohnehin nicht leicht: "Die werden ja nicht nur durch den Frost geschädigt, sondern auch durch schlechte Böden, zu viel Sonne und Streusalz."

Heilke tun die Anzuchtbetriebe leid. Während die Grünflächenämter einfach das Pflanzen hinausschieben, bleiben die Erzeuger auf ihren Pflanzen sitzen.

Zu den Erzeugern gehört das Gartencenter Selders in Haan-Gruiten. Juniorchef Peter Selders beklagt zwar keine Pflanzenverluste, aber "der Umsatz fehlt, die Preise sind im Keller." Ziersträucher haben ihre Knospen abgeworfen, Primeln werden in Gruiten aktuell für 50 Cent angeboten, weil die Kunden wegbleiben. Hornveilchen, Stiefmütterchen und andere kauft Selders bei Erzeugern im Umland. Deshalb weiß er, dass dort viele Pflanzen erfroren sind. "Erst war es eine Woche zu warm. Die Pflanzen sind ordentlich gewachsen und haben Knospen angesetzt, dann kam der Frost — das war es dann. Statt Blüten haben die jetzt viele braune Blätter." Als erfahrener Gärtner hat Peter Selders bewusst nicht so viel Frühlingsblumen bestellt, wie sonst. Trotzdem waren es noch zu viele. "Mit den Sommerpflanzen warten wir noch, für die müssen wir Platz schaffen."

Auf der Mittelstraße in Hilden gibt es derzeit auch preiswerte Hornveilchen, Stiefmütterchen und Primeln. Eine Verkäuferin bei der Kette "Risse" beteuert, alles sei wie immer. Die Pflanzen seien nur später dran als üblich. Bei Fichtner (Hilden) dagegen erzählt die Inhaberin, dass sie bei einigen Großkunden schon mehrfach die Beete neu bepflanzt habe, "weil die Pflanzen den Frost nicht überlebt haben." Bei ihr gibt es zurzeit die Hornveilchen ebenfalls für 50 Cent.

(RP/ila)