Flugplatzfest trotzt dem Regen

Luftsportgruppe Erbslöh : Flugplatzfest trotzt dem Regen

Viele Besucher bewunderten am Wochenende Kunstflüge oder kreisten selbst über dem Bergischen.

Während viele Piloten nach dem Wolkenbruch die Tragflächen ihrer Maschinen abwischten und die ersten Gäste wieder aus ihrem Unterstand hervorkamen, erhob sich die Slick 580 in die Lüfte und drehte Schrauben und Loopings – gesteuert vom Boden aus: Miles Dunkel vom Modellflugverein Condor Herzebrock ließ das Mini-Flugzeug am Samstagnachmittag bereits zum vierten Mal binnen weniger Stunden hoch oben über dem Rasen kreisen – und erntete Applaus. „Er ist auch viele Wettbewerbe geflogen und war 6. bei den international besetzten Acro Masters“, sagte sein Vater Peter Dunkel, der den heute 27-Jährigen einst ans Modellfliegen gebracht hatte. „Das ist unser Familien-Hobby – vom Opa über den Vater bis zum Sohn“, schob er hinterher.

Zum 39. Mal hatte die Luftsportgruppe Erbslöh zu ihrem Flugplatzfest in Wiescheid eingeladen. Und wieder einmal kamen Freunde der Luftfahrt, darunter viele Familien, um sich unter anderem die Kunstflüge anzusehen: Jürgen Kraus zeichnete in seiner historischen Stearman mit Kunstnebel aus Paraffin Herzen in die Luft. Auch Johannes Altendeitering brachte seine D-EBUT Stampe aus der Nachkriegszeit am blass-blauen Himmel zum Tanzen.

Doch viele Gäste waren nicht nur gekommen, um den Kopf in den Nacken zu legen: Viele Kleinflugzeuge hoben am Wochenende zu Rundflügen über das Bergische Land ab. Einer der ersten Fluggäste nach dem heftigen Regen am Samstagnachmittag war Klaus Rudolph aus Krefeld. „Ich bin regelmäßig bei Flugfesten dabei“, berichtete er. Vor allem Oldtimer seien sein Thema. Und so kletterte er an Bord der nostalgisch anmutenden Ryan PT 22 aus dem Jahr 1942. Mit der hat der Pilot schon weitere Strecken zurückgelegt: „Ich bin mit meiner Frau nach Helgoland und nach Venedig geflogen“, verriet Christoph Kappenstein, der die Maschine normalerweise gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Sachse fliegt. Seinen Passagier brachte er diesmal nach rund 20 Minuten wieder sicher auf den Boden zurück. „Das ist ein besonderes Gefühl, unten zum Beispiel Schloss Benrath zu sehen“, erzählte Rudolph, wieder festen Grund unter den Füßen. Wie die Natur mitspiele, spüre man in der kleinen Maschine viel stärker als in einem großen Linienflugzeug.

Mark Steven führte beim Flugplatzfest sein beeindruckendes Modell der Thunderbolt II vor. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)
Ilse Janicke steuerte den größten Doppeldecker der Welt. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Andere Flugbegeisterte steuerten zielgerichtet den auffälligsten Flieger an: Den Antonow-Doppeldecker AN-2 mit dem zur knallroten Farbe passenden Namen „Red Eagle“. „Er sollte Tansportaufgaben in der Taiga erledigen und wurde für schnelle Starts auf engen Startbahnen entwickelt“, erklärte Jürgen Fischer vom veranstaltenden Verein. Im Cockpit wartete Ilse Janicke auf die Passagiere. Die Kardiologin untersucht auch Berufspiloten auf ihre Tauglichkeit. Auf den zusätzlichen Adrenalin-Kick, Fallschirmsprünge aus 3000 Metern Höhe, mussten die besonders mutigen Gäste wegen der Wolkendecke verzichten. Das alljährliche farbenfrohe Ballonglühen am Samstag bei Einbruch der Dunkelheit fand aber statt – ebenso wie die Auftritte etwa der Cover-Band Jim Button’s und die Greifvogelschau am Sonntag.

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