1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Flüchtlingshilfe Langenfeld besteht seit fünf Jahren.

Flüchtlingshilfe Langenfeld : „Wir wollen Menschlichkeit vermitteln“

Negativberichte über den Umgang mit geflüchteten Menschen in Langenfeld hatten Frank Schöler vor gut fünf Jahren motiviert, etwas zu unternehmen. Er tat sich mit Anderen zusammen, denen es ähnlich ging. „Wir wollten die Unterbringung und das Verhalten gegenüber diesen Menschen ändern, helfen und aufklären“, sagt das Vorstandsmitglied der Flüchtlingshilfe Langenfeld in einem Rückblick.

Wie haben Sie im Frühjahr 2015 begonnen?

Schöler Eine ganz bedeutende Rolle hat anfangs Mitgründerin Gerti Laßmann gespielt, die sich zuvor schon seit vielen Jahren als Einzelkämpferin für Flüchtlinge stark  engagiert hatte.  Von ihr erhielt die Gruppe viele wichtige Informationen. Sie war eine große Inspiration für uns alle.

Wie ging es nach Gerti Laßmanns Tod im Juli 2015 weiter?

Schöler Es kamen engagierte Menschen zusammen, die im besten Sinne die Zivilgesellschaft und das Ehrenamt repräsentieren. Uns allen ist es wichtig, gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen und Grundrechte zu verteidigen, die seit einiger Zeit in Politik und Gesellschaft nicht mehr für verbindlich gehalten werden.

Im Sommer 2015 und auch danach stiegen die Flüchtlingszahlen in Langenfeld stark an. Wie haben Sie die Neuankömmlinge unterstützt?

Schöler In der Zeit der verwaltungstechnischen Überforderung haben wir den Geflüchteten ein wenig Menschlichkeit vermittelt in einer für sie völlig neuen Welt, die sie nach erheblichen Strapazen und Bedrohungen in den Heimatländern und auf der Flucht erlebt haben. Besonders waren wir in den ersten beiden Jahren mit der Einschulung der Kinder beschäftigt, haben  Schulmaterialien und Kleidung besorgt. Für die Mobilität der Menschen hat der Verein Fahrräder aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

Es gibt jetzt bessere Gemeinschaftsunterkünfte als vor fünf Jahren, viele  Asylbewerber sind in Mietwohnungen umgezogen. Welche Schwerpunkte hat Ihr Verein jetzt?

Schöler Die wichtigsten Tätigkeiten der Flüchtlingshilfe liegen heute in der beruflichen Qualifizierung der Geflüchteten. Es geht um Eingliederung und Orientierung in die Arbeitswelt, Weiterbildung, Anerkennung von Hochschul- und Berufsabschlüssen und Ausbildung.  Besonders erfreulich ist, dass es erstaunlich vielen jungen Leuten gelingt, trotz der kurzen Anwesenheitszeit von etwa vier Jahren in unserem Land, Schulabschlüsse zu erreichen. Ohne die Kooperation mit sozialen Institutionen und Verwaltungen ist die Arbeit jedoch nicht denkbar.

Wie beurteilen Sie im Rückblick die Zusammenarbeit?

Schöler Als nicht an festgefahrene Prozesse gebundene Organisation konnten wir uns problembezogen einbringen. Die anderen Organisationen konnten sich auf die Dinge konzentrieren, die sie am besten können. Wir haben uns auf Verwaltungsprozesse und -verfahren eingestellt und konnten Geflüchtete hindurchlotsen. Vieles ist aber unangemessen und ineffizient geblieben – beispielsweise das ausufernde Antrags- und Formularwesen. Schwierig waren die langen Wartezeiten im Asylverfahren, die den Geflüchteten eigenständiges Leben unmöglich machten, sowie die angespannte Wohnungssituation in Langenfeld, die durch die gesetzliche Wohnsitzauflage noch verschärft wurde.

Was war die Folge?

Schöler Dass sich Integration eher schleppend vollzog und in den ersten zwei Jahren weitgehend auf die Teilnahme am Schulleben und Sportvereinen beschränkt war.  Integration ist in einer entwickelten Industriegesellschaft nur über Arbeit, Wohnung und gesellschaftliche Teilhabe möglich. Integration kann nicht stattfinden, wenn Geflüchtete jahrelang in Sammelunterkünften wohnen.

Was gibt es aus Ihrer Sicht  Positives zu berichten?

Schöler Viele Geflüchtete haben es geschafft, die Arbeitswelt zu erschließen. Insbesondere junge Männer haben häufig Arbeit gefunden, allerdings weitgehend im unqualifizierten, teilweise auch prekären Bereichen. Für Praktika oder Probearbeit wurden einige Projekte aufgesetzt, auch in Kooperation mit  Handwerkskammer,  IHK, dem Lions-Club oder dem Rotary-Club.

Gibt es schon Vorzeigekarrieren?

Schöler Ja, beispielsweise ein IT-Techniker, eine Sparkassenangestellte sowie junge Leute, die  in kurzer Zeit  einen Hauptschul- oder gar Realschulabschluss  geschafft   und danach einen Ausbildungsplatz bekommen haben; etwa zum Mediengestalter, Augenoptikerin oder zum Fliesenleger.

Und warum läuft dies bei anderen Geflüchteten nicht so rund?

Schöler  Einige Geflüchtete haben eklatante Probleme mit dem Lernen, manche sehen  nicht ein, dass die deutsche Sprache der wichtigste Schlüssel zur Teilhabe ist. Auch die Gewöhnung an Arbeitssituationen stößt fallweise auf Schwierigkeiten. Das sind aber eher Ausnahmen.