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Langenfeld: Flüchtlinge trainieren für Sommerlauf

Langenfeld : Flüchtlinge trainieren für Sommerlauf

Die Bewohner der Unterkunft am Winkelsweg haben im April ihr Training aufgenommen und sind auf einem guten Weg.

Für ihr Ziel, am Sparkassen-Mittsommernachtslauf am 23. Juni teilzunehmen, trainieren die am Winkelsweg untergebrachten Flüchtlinge sehr intensiv. Dabei werden sie von der Flüchtlingshilfe Langenfeld (FHL) tatkräftig unterstützt. Die FHL sieht Sport als einen unverzichtbaren Teil des Integrationsprozesses, weil er Menschen zusammenbringt. "Das Lauftraining gibt uns viel Energie", erklärt Zal Dione. Er ist 19 Jahre alt und kommt aus Guinea, genau wie Keïta Sekou (20) und Kourouma Laye Kanda (25). Das Land ist Schauplatz eines ethnisch-religiösen Konflikts zwischen den verfeindeten Gruppen der Mandinka und Kpelle. Deshalb leben die drei jungen Männer nun seit etwa einem halben Jahr in Deutschland.

"In Guinea", sagt Kourouma, "haben wir uns nicht sicher gefühlt". Ähnlich wie sein sportliches Vorbild, der Boxer Anthony Joshua, gibt er sich kämpferisch. Manchmal habe er Kopfschmerzen, aber davon scheint er sich nicht aufhalten zu lassen. Während des Laufens spüre er keine Schmerzen mehr. "Wenn wir Sport treiben, fühlen wir uns einfach gut".

So geht es auch Keïta: "Oft sind wir müde, weil wir viel Zeit in unserem Camp verbringen." Das Training sei eine gute Möglichkeit für sie, ab und zu aus der Anlage herauszukommen, bestätigt Rainer Schlatmann, Zuständiger für Öffentlichkeitsarbeit der FHL.

"Dass die Initiative zur Gründung der Laufgruppe von den Flüchtlingen selbst ausging, ist besonders bemerkenswert", findet er.

Insgesamt sind es neun junge Männer aus verschiedenen Herkunftsländern, die beim Mittsommernachtslauf die Distanz von zehn Kilometern bewältigen wollen. Mahmoud Yassin möchte am liebsten so viele wie möglich von ihnen dazu motivieren, auch am Kölner Halbmarathon im Oktober teilzunehmen. Er fungiert als Hausmeister der Unterkunft und ist Ansprechpartner für die dort lebenden Flüchtlinge. In seiner Freizeit trainiert er darüber hinaus die Laufgruppe. Von der Effektivität des Trainings ist er begeistert: "Seit wir begonnen haben, sind die Jungs schon viel fitter geworden und haben sich deutlich gesteigert". Im Moment liege man mit einer Zeit von 45 Minuten nur noch knapp unter dem Rekord von 37 Minuten aus dem Vorjahr. Als der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Torsten Fuhrmann, von dem Vorhaben erfuhr, sicherte er sofort materielle Unterstützung zu.

Durch zahlreiche Spenden von Langenfelder Bürgern konnten so beispielsweise Trikots und Laufschuhe bereitstellt werden. Als Leiterin der vereinsinternen Projektgruppe für Sachmittel, kümmerte sich Irene Schröder um den Einkauf und die Anprobe bei Intersport Langenfeld. Durch einen Preisnachlass sei die FHL zusätzlich vom Sportgeschäft unterstützt worden.

Immer wieder entwickelt die FHL Ideen, um sportliche Aktivitäten für Flüchtlinge zu ermöglichen. Aktuell initiiert der Verein in Zusammenarbeit mit der Sportgemeinschaft Langenfeld Schwimmkurse für Kinder.

Außerdem sei im Juli ein Indoor-Fußballturnier für Flüchtlingsteams in der Halle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums geplant. Einige Mannschaften von Langenfelder Sportvereinen haben daran bereits ihr Interesse bekundet. Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern des Turniers sollen ebenfalls den Flüchtlingen zu Gute kommen.

(pg)