Langenfeld/Monheim: Fit für die Ausbildung

Langenfeld/Monheim : Fit für die Ausbildung

Weil sich immer mehr Firmen über Schwächen der Schulabgänger beim Rechnen, Schreiben und Sozialverhalten beklagen, bleiben viele Lehrstellen unbesetzt. Jugendwerkstatt und GGA versuchen, Defizite auszubügeln.

Markus bekam im März einen Platz in der Monheimer Jugendwerkstatt. Der 22-Jährige hatte seine Lehre zum Koch abgebrochen, fand keine neue Stelle und lebte von Arbeitslosengeld II. Um ihn fit für eine Ausbildung zu machen, wies ihn die Agentur für Arbeit (Arge) der Jugendwerkstatt zu. "Zuerst wollte ich nicht", beschreibt er seine erste Reaktion. Weil Markus bei einer Verweigerung mit der Kürzung seiner Bezüge rechen musste, biss er in den sauren Apfel. Doch der 22-Jährige merkte schnell: "Die helfen mir hier richtig gut."

Markus und die anderen 19 Teilnehmer des einjährigen handwerklichen Qualifikationsprojektes in den Bereichen Holzverarbeitung sowie Maler- und Lackiererarbeiten haben die Schule entweder ohne Abschluss verlassen oder besuchten eine Förderschule. Viele von ihnen beherrschen weder die Rechtschreibung noch die Grundrechenarten richtig, einigen fehlen die angemessenen Umgangsformen mit Kollegen oder Chefs. "Das Potenzial ist da", spürt Sozialarbeiterin Sandra Siepelt, doch sei es häufig weder der Schule noch den Ausbildern gelungen, es bei ihren Klienten zu wecken.

Individuelle Hilfen

In der Jugendwerkstatt ist die Hilfe sehr persönlich und individuell, neben beruflichen und schulischen Fertigkeiten werden soziale Kompetenzen vermittelt und in Einzelgesprächen familiäre Beziehungsprobleme, Wohnungslosigkeit oder Überschuldung angegangen. Viele kämen "zunächst völlig unmotiviert an", seien aber nach einer Woche integriert, sagt die Leiterin Marlies Backenecker: "Hier gibt es Unterstützung und geregelte Abläufe." Das Ergebnis gibt dem Team der Jugendwerkstatt recht: 76 Prozent der Teilnehmer halten zwölf Monate durch. In diesem Jahr konnten sogar drei Jugendliche in eine betriebliche Ausbildung bei Bayer, Henkel und im Monheimer Betriebshof vermittelt werden.

Ein ähnliches Konzept hat auch die Gemeinnützige Gesellschaft gegen Arbeitslosigkeit (GGA) in Langenfeld. Bildungsbegleiter Frank Schwalm versucht dort derzeit 51 Jugendlichen, 22 besuchten eine Förderschule, in vier Werkstattbereichen eine Perspektive zu geben. Über persönliche Kontakte und Praktika seien zwei bis drei Firmen bereit, auch Förderschülern eine Lehrstelle anzubieten.

Warum immer mehr Jugendliche durchs Raster fallen und trotz freier Lehrstellen nach der Schule keine Chance bekommen, erklärt Jörg Wahlers von der Jugendberatung (Schwerpunkt Berufsberatung) am Berliner Ring mit den "extrem hohen Ansprüchen einiger Firmen". Auch für einfache Ausbildungsberufe müsse eine ausgefeilte Bewerbung mit aufwendigem Layout vorgelegt werden. Schon an dieser ersten Hürde scheiterten viele, die dann bei ihm und seinen Kollegen Rat suchten. "Ich kann aber nicht bestätigen, dass die Jugendlichen heute schlechter sind, als noch vor zehn Jahren."

"Mathe und Rechtschreibung sind oft eine Katastrophe", erlebt hingegen Gerhard Witte, Unternehmer (Controlexpert) und Vorsitzender des Langenfelder Industrievereins, immer wieder. Dennoch merkt er, dass sich die jungen Bewerber Mühe geben, eine Stelle zu bekommen. Viele seien jedoch "verunsichert" und "teilweise sehr schüchtern". Er appelliert an die Firmen, mehr aus dem Nachwuchs "herauszukitzeln".

Praktika als Basis

Eine gute Basis — so sagen Gerhard Witte und Marlies Backenecker — seien Praktika. Nach einigen Wochen im Betrieb könne ein Firmenchef die Jugendlichen besser beurteilen. Man stelle fest, ob sie pünktlich sind und ein vernünftiges Sozialverhalten zeigten. Der Ausbilder könne dann überlegen, ob er mit den Schwächen, die der junge Mensch hat, leben kann.

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(RP)