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Langenfeld/Monheim: Fiere, nit lamentiere — jeck in der Krise

Langenfeld/Monheim : Fiere, nit lamentiere — jeck in der Krise

Wenn die Gromoka da mal kein gutes Pappnäschen hatte: Das Motto, das sie für diese Session gewählt hat, passt prima zur Finanz- und Wirtschaftskrise: "Hör mer op zu lamentiere – kumm loss mer laache, danze, fiere."

Wenn die Gromoka da mal kein gutes Pappnäschen hatte: Das Motto, das sie für diese Session gewählt hat, passt prima zur Finanz- und Wirtschaftskrise: "Hör mer op zu lamentiere — kumm loss mer laache, danze, fiere."

Auf den jecken Bühnen ist die Krise indes kein großes Thema: "Einige Büttenredner greifen das auf", meint Klaus Dieter-Dieter Trappe, "de Jeck vom Ring". Seit 37 Jahren tritt er als Büttenredner auf. Er selbst habe auch einen Witz zur Wirtschaftskrise, mehr aber auch nicht. "Die Leute feiern trotzdem."

Das bestätigt Manfred Stuckmann, Ehrenpräsident des Festkomitees Langenfelder Karneval: "Wenn es den Leuten schlecht geht, kommt das Feiern wieder. Der Rheinländer ist ja ein Stehaufmännchen." Die jetzige Situation sei nicht die erste, in der nicht allen zum Lachen zu Mute war. 1991 wurde nach dem Ausbruch des ersten Golfkriegs sogar ein ganzer Zug abgesagt. "Ich denke, das war eine richtige Entscheidung", findet Gromoka-Chef Ralph Volgmann. "Das war gar nicht schlecht", meint auch Stuckmann. "Wenn man allerdings bedenkt, dass es ständig Krisen gibt, könnte man eigentlich gar nicht mehr feiern."

Stuckmann, Jahrgang 1939, war 1961 an der Gründung des Festkomitees Langenfelder Karneval beteiligt. Er erinnert sich noch an die Nachkriegsjahre. "Man feierte damals, 1948/49, im Familienverband mit 20 Ehepaaren. Da gab es selbstgebrannten Schnaps, der nannte sich ,Sherry Knolli'." In den Nachkriegsjahren traten die Mitwirkenden für vergleichsweise bescheidene Gagen auf: Für die Musiker der Kapelle gab es je fünf Mark, für alle Auftretenden zusammen weitere 250 Mark. Eine ganze Sitzung kostete "um die 600 bis 700 Mark", erinnert sich Stuckmann. "Ja, so war das", sagt auch Monheims PanikerChef Emil Drösser, ebenfalls ein 39er: "Nach dem Krieg bekamen die Büttenredner für einen Auftritt eine Schachtel Zigaretten".

Heute, so Stuckmann, kostet eine Sitzung um die 10 000 Euro. Es geht noch teurer: "Bei der Damensitzung kommen Sie mit 10 000 Euro bei weitem nicht hin", verrät Gromoka-Chef Volgmann. Und trotzdem ist dies kein Garant dafür, dass die Säle voll werden. Im Gegenteil: Die Besucherzahlen gehen im allgemeinen seit Jahren zurück. Die Gromoka hingegen hat laut Volgmann in den vergangenen Jahren Besucher zurückgewonnen — auf einem schrumpfenden Markt, auf dem sich das Publikum auf die Sitzungen verschiedener Organisatoren verteilt.

Zurück zum Ur-Karneval

Doch wie lange können sich die Veranstalter die hohen Gagen auswärtiger Stars noch leisten? "Das ist die Hoffnung, die ich als alter Karnevalist habe", bekennt Stuckmann, "dass es irgendwann unbezahlbar wird und man wieder selber gestalten muss". Auch die Gromoka gehe den Weg zum Ur-Karneval zurück, betont Volgmann: "Beim Frühschoppen war das Zelt rappelvoll". Die Sitzung, die nur mit Monheimer Gruppen besetzt war, sei "eine der schönsten" gewesen. In Richrath wird ohnehin bodenständig gefeiert. Die Gemeinschaftssitzung, bei der drei Vereine gemeinsam feiern, kostet nach Angaben von Organisator Heinz-Martin Patten um die 2300 Euro.

(RP)