Langenfeld: "Feiert Gott – nicht die Kirche"

Langenfeld : "Feiert Gott – nicht die Kirche"

Selbst die jüngsten Sparbeschlüsse ihrer Kreissynode nehmen den heimischen Protestanten nicht die Lust, an Pfingsten den Geburtstag der Kirche zu feiern. Denn der Heilige Geist wehe auch in kleiner werdenden Gemeinden.

langenfeld / monheim Pfingsten gilt als Geburtstag der Kirche. Doch haben vor allem evangelische Christen angesichts der Sparzwänge und kaum nachwachsender Kirchensteuerzahler überhaupt noch Lust zu feiern? Eine Frage, die Christof Bleckmann mit einem klaren "Ja" beantwortet. Doch sollte sich die Kirche nicht selbst zum Thema machen, mahnt der Reusrather Pfarrer. Viel wichtiger sei es, Gott selbst zu feiern, der in seiner Schöpfung wirkt – zum Beispiel am Pfingstmontag, wenn Bleckmanns Gemeinde zum Open-Air-Familiengottesdienst an die Trompeter Straße 36 einlädt.

"Kirche lebt – auch in schwierigen Zeiten", bestätigt der Baumberger Pfarrer Peter Becker. Dies sei vor allem den zahlreichen Ehrenamtlichen zu verdanken. "Wir wollen und sollen als Christen mitmischen und in der Stadt präsent sein." Ganz im Sinne von Gert-René Loerken: "Eigentlich müsste jeder Christ in drei, vier Sätzen sagen können, was man vom Glauben hat und warum es sich lohnt, in der Kirche zu sein", findet der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Leverkusen, zu dem auch Langenfeld und Monheim gehören.

Doch gerade dieser Kirchenkreis wartete bei der jüngsten Synode mit einem neuen Rahmenkonzept für den Pfarrdienst auf, dem u.a. eine halbe Stelle in Monheim zum Opfer fallen wird. "Wenn die Kollegen Ufer und Völker 2011 in Ruhestand gehen, wird unsere Evangelische Kirchengemeinde nur noch vier statt bislang viereinhalb Stellen haben", skizziert der aktuelle Presbyteriums-Vorsitzende Becker. Die halbe Stelle, die seine Kollegin Cornelia Müller jetzt hinterlässt (siehe Interview auf Seite B 4), werde hingegen umgehend wiederbesetzt: Zum 1. Juli kommt mit Tanja Kraski eine Pfarrerin, die bereits von 2002 bis 2004 in Baumberg wirkte.

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35 Prozent weniger Protestanten

Peter Becker, zu dessen Entlastung Kraski sogar eine 75-Prozent-Stelle erhalten soll ("Die Differenz zahlt die Landeskirche"), hat in den 25 Jahren, die er nun schon in Monheim wirkt, die evangelischen Christen von 18 000 auf rund 11 700 Mitglieder schwinden sehen. "Kirche muss mehr auf die Menschen zugehen, statt darauf zu warten, dass sie zu uns kommen", folgert der 52-Jährige – wohl wissend, dass "die Seelsorge zunehmend hinter den administrativen Pflichten des kirchlichen Verwaltungsapparates zurückstecken muss", wie seine Noch-Kollegin Müller bedauert.

"Wir können vieles nicht mehr, was wir gerne täten", stimmt Bleckmann zu, bei dessen Dienstantritt vor zehn Jahren die Evangelische Kirche in Langenfeld noch acht Pfarrstellen hatte. Heute sind es nur noch sechs: "Da müssen wir natürlich aufpassen, dass wir uns bei all der Schreibtisch-Arbeit nicht zu sehr von den Menschen entfernen." Der Pfarrer, der mit seiner Frau Annegret Duffe und Gemeindegliedern z.B. die Kleinkunstreihe "Reusrath lacht" erfand, möchte sich denn auch nicht mit der Kerngemeinde zufriedengeben, sondern "jedermann die Freude des Evangeliums vermitteln".

Glaube auch in schwerster Zeit

Ganz im Geist der Barmer Theologischen Erklärung, deren 75. Geburtstag die Kirche ebenfalls an diesem Wochenende feiert und die der rheinische Präses Nikolaus Schneider gestern Abend in Wuppertal als "beredtes Zeugnis der im besten Sinne frommen Rechtschaffenheit evangelischer Christen und des auf Gottvertrauen gegründeten Mutes, für unseren Glauben auch in schwersten Zeiten einzustehen", bezeichnete.

frage des tages

(RP)
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