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Langenfeld/Monheim: Familie statt Konsum

Langenfeld/Monheim : Familie statt Konsum

Stadtmarketing am Tag des Herrn? Mit öffentlichen Diskussionsforen und einem Ökumenetag setzt sich der Aktionskreis "Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage" 2009 für einen weitreichenden Schutz des Ruhetages ein.

"Zwei verkaufsoffene Sonntage sind exakt zwei zuviel": Klare Kante schätzt Franz Köchling, wenn es um das Thema "Schutz des Sonntages" geht. Der Familienvater ist Boss der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB), die allein in Baumberg mehr als 170 Mitglieder zählt. Seine These: Es reicht, wenn Feuerwehrleute, Polizisten, Busfahrer, Krankenschwestern und Tankstellen-Bedienstete am Sonntag ran müssen. Shoppen am Tag des Herren sei dagegen entbehrlich. "Das kann man mitsamt Familie auch an einem Samstag bis 22 Uhr oder an freien Tagen."

Bestätigt sehen er und seine zahlreichen Mitstreiter vom Aktionskreis "Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage" sich durch eine aktuelle Aktion an der Winrich-von-Kniprode-Schule. Dort notierten Grundschüler, wie sie den Sonntag gestalten würden, wenn sie das Programm frei wählen könnten. Die typischen Antworten: mit Mama und (!) Papa frühstücken, ausschlafen, Sport treiben oder anschauen, zur Kirche gehen, mit Freunden oder der Familie spielen. In keinem einzigen Fall notiert: "einkaufen gehen". Grund genug für den Aktionskreis mit einer großen Podiumsdiskussion (s. Zweittext) und dem Ökumenetag "Gott sei Dank es ist Sonntag" im August dem Thema neuen Schwung zu verleihen.

Neue Käuferschichten

Weit weniger kritisch als der Aktionskreis, an dem sich beide Kirchen, einige Schulen sowie die katholischen Verbände KKV, KAB und kfd beteiligen, blickt Langenfelds City-Manager Jan Christoph Zimmermann auf das Sonntagsshoppen. "Ein solches Schnuppern erschließt im Idealfall neue Käuferschichten. Als Marketing-Instrument für die City ist es unerlässlich." Freilich seien die vier verkaufsoffenen Sonntage auch in Langenfeld kein Selbstläufer. "Sie müssen mit Aktionen wie Familienangeboten, dem ZNS-Fest oder der Eröffnung des neuen Marktplatzes garniert sein." Die Zahl von vier hält er für ausreichend. "Mit Nummer fünf oder sechs würde man den Bogen überspannen."

Was "Überspannen" heißt, macht Langenfelds Beigeordnete Marion Prell deutlich. Rechne man in Hamburg die Stadt-Bezirke hinzu, komme die Hansestadt demnächst auf 16 verkaufsoffene Sonntage. Auch über den 2. Weihnachtsfeiertag werde bereits nachgedacht. Und in Berlin seien schon jetzt alle Adventssonntage verkaufsoffen. "Für mich ein Gräuel, dass unsere christlichen-abendländischen Wurzeln in diesen Regionen der Republik so wenig Niederschlag finden. Schließlich steht der Sonntag unter dem Schutz unseres Grundgesetzes", sagt die Vize-Verwaltungschefin, die auch ohne Gesetzes-Schranken (siehe Info) "kein gutes Gefühl" dabei hätte, die in Langenfeld gewählte Zahl von vier zu überschreiten. Dass erfolgreiches Stadtmarketing über Sonntagsöffnungen laufe, bezweifelt auch Guido Coenen vom Vorstand der Händlergemeinschaft Treffpunkt. Zwei solcher Sonntage in der Gänselieselstadt hält der TV- und Radiohändler für ausreichend. "Ein solcher Tag bringt überhaupt nur etwas, wenn er mit Aktionen gekoppelt wird. Doch die kosten Geld. Zurzeit stehen wir in Verhandlung mit der Marke Monheim, um eine Beteiligung zu erreichen." Für Coenens mäßige Euphorie sind persönliche Erfahrungen verantwortlich. "Beim ersten Martinsmarkt mit Ladenöffnung habe ich an meinem Stand dutzende Geräte verkauft, inzwischen nehme ich gar nicht mehr teil, weil zuletzt doch nur geguckt wurde." Ein Argument, das Bernd Wehner, Sprecher des Aktionskreises für den freien Sonntag, dankbar aufgreift: "Jeder Euro wird nur einmal ausgegeben. Daran ändert die Preisgabe des Sonntags gar nichts."

(RP)