Im Blickpunkt Museum Plagiarius: Fälscher verdienen sich goldene Nasen

Im Blickpunkt Museum Plagiarius: Fälscher verdienen sich goldene Nasen

Die Preisträger des Wettbewerbs 2018 können jetzt im Solinger Museum Plagiarius an der Bahnhofstraße im Südpark in Augenschein genommen werden. Wie gekonnt - und dreist - die Nachahmer vorgehen, ist oft verblüffend.

Solingen Von Plagiaten spricht Christine Lacroix, wenn Design und Technik eines Produktes eins zu eins nachgemacht wurden. Markenfälschungen sind für die Geschäftsführerin der Plagiarius Consultancy GmbH, "wenn zusätzlich noch der Markennamen auf dem Produkt übernommen wurde". Ob Plagiat oder Fälschung: "Wir machen auf Unrecht aufmerksam und wollen die Öffentlichkeit sensibilisieren. Denn die Nachahmer verdienen sich ohne kreative Eigenleistung eine goldene Nase", sagt Lacroix vom Museum Plagiarius im Solinger Südpark.

Den Plagiarius-Wettbewerb gibt es seit 1977. Mit orangefarbenen Waagen hat alles angefangen. Die Käsereibe "Kasimir" der Firma Koziol (l.) und ein Plagiat eines spanischen Unternehmens. Den Plagiarius-Wettbewerb gibt es seit 1977. Mit orangefarbenen Waagen hat alles angefangen. Die Käsereibe "Kasimir" der Firma Koziol (l.) und ein Plagiat eines spanischen Unternehmens. Foto: Köhlen Stephan

Nicht von ungefähr überreicht die Aktion Plagiarius seit 1977 Jahr für Jahr den Zwerg mit der goldenen Nase - stets auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente und richtet damit das Augenmerk auch auf die Wertschätzung der Originalhersteller. "Kreative Firmen haben oft Monate, zum Teil Jahre, in die Entwicklung ihrer Produkte gesteckt - und werden hemmungslos abgekupfert", sagt Lacroix.

Schon 2007 wurden Warmhaltekannen abgekupfert. Foto: Vetter Uwe

Auch in diesem Jahr hat die Aktion Plagiarius wieder drei Hauptpreise und sieben gleichrangige Auszeichnungen auf der Ambiente vergeben, die nun im Solinger Museum an der Bahnhofstraße in Augenschein genommen werden können.

Kehrmaschinen: links das Original. Foto: Vetter Uwe

Mehr als 400 Originale und Fälschungen beziehungsweise Plagiate sind jetzt in dem Museum zu sehen - die jüngsten Preisträger ebenfalls. Besonders diese Produkte können angeschaut werden.

Selbst vor Jacken machen Fälscher nicht Halt. Foto: Vetter Uwe
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Unter den neuen Exponaten ist auch der "Puky Racer" des Wülfrather Unternehmens Puky GmbH & Co.KG. Design und Technik wurde von einem chinesischen Hersteller identisch übernommen. Auf dem Logo des kleinen Rennflitzers für Kinder steht auf dem Original "Puky", auf der Fälschung "Qidong". "Das ist echt krass", sagt Joachim Rao vom Produktmanagement des Kinderfahrzeugherstellers.

Bestecke werden sehr oft kopiert. Foto: Vetter Uwe

Auf einer Messe in Shanghai hatte der Originalhersteller die Plagiate entdeckt, die auf den ersten Blick identisch mit dem Original erscheinen. Veränderte Farben oder leicht veränderte Details beispielsweise an den Leuchten lassen aber beim zweiten Blick die Unterschiede erkennen. Zudem beim Material und in der Verarbeitung. Was sich im Preis ausdrückt: "Unser Puky Racer kostet 69 Euro, das Plagiat gab es für etwa 10 Euro", sagt Rao.

Will man gegen die Abkupferer vorgehen, kommt erschwerend hinzu, dass "Schutzrechte zumeist an der deutschen Grenze enden", sagt Christine Lacroix. Es sei denn, man hat europaweit und darüber hinaus in vielen anderen Ländern Schutzrechte für die eigenen Produktentwicklungen beantragt und erhalten. "Im Internet werden oft Plagiate und Fälschungen angeboten - und Verbraucher bestellen hier blauäugig", erklärte Lacroix.

So auch den ersten Preisträger "Nicer-Dicer Plus", ein Küchen-Schneidgerät der Genius GmbH im hessischen Limburg an der Lahn. Der Originalpreis liegt bei 49,90 Euro, die Fälschung bekamen Großhändler für 2,36 Euro pro Stück, wenn sie gleich ein Dutzend Schneidgeräte kauften. Die Schneidklingen der Fälschungen sind indes stumpf und brechen leicht ab. Und der verwendete Kunststoff enthält gesundheitsschädliche Substanzen.

(RP)
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