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Monheim: Fähre: Schuldenfrei in die Winterpause

Monheim : Fähre: Schuldenfrei in die Winterpause

Am Sonntag endet die zweite volle Saison des Piwipper Böötchens. Das Fahrgast-Aufkommen sank gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent. Dennoch ist der Trägerverein hochzufrieden: Das Anschubdarlehen ist vorzeitig abgestottert.

Bester Tag war ausgerechnet der Tag der Deutschen Einheit: "Am 3. Oktober hatten wir 900 Fahrgäste - soviel wie sonst nie in diesem Jahr", sagt Heiner Müller-Krumbhaar, der Vorsitzende des Vereins Piwipper Böötchen. Insgesamt jedoch war das Passagier-Aufkommen auf der Wochenend-Fähre zwischen Monheim und Dormagen etwas schwächer als im Vorjahr, der ersten Vollsaison nach Aufnahme des Böötchenbetriebs am 1. September 2012: "Wir hatten diesmal rund 20 000 Fahrgäste, etwa 15 Prozent weniger als 2013", berichtet der emeritierte Physikprofessor. "Wir sind halt wetterabhängig. Und wenn, wie in diesem Jahr, Wochenenden im Sommer regelmäßig verregnet sind, kann man mit solch einem Ergebnis noch sehr zufrieden sein. An zwei Samstagen kam gerade mal ein Fahrgast."

Was den Vorsitzenden besonders stolz macht: Trotz des widrigen Wetters wird das Böötchen schuldenfrei in die Winterpause tuckern. "Formell sind wir zwar noch nicht soweit, weil stets Liquidität für unvorhergesehene Reparaturen vorhanden sein muss, aber ohne diese Sicherheiten wären wir schuldenfrei", sagt Müller-Krumbhaar. Zu den überwiegend aus Spenden finanzierten Erst-Investitionen in Höhe von 300 000 Euro für Fähre und Dormagener Anlegestelle habe der 2010 gegründete Verein 40 000 Euro beigetragen. "Dieser Kredit ist praktisch abbezahlt - zwei Jahre früher als geplant."

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Auch personell fahren Verein und Fähre volle Kraft voraus: Die Zahl der Mitglieder ist um eine Handvoll gestiegen auf 155, die der ehrenamtlichen Fährhelfer (Kassierer) um sieben auf 35, und - noch wichtiger - Haupt-Schiffsführer Wolfgang Hoffmann stehen inzwischen vier Co-"Kapitäne" zur Seite statt nur einer. "Alle haben sogar das Rhein-Patent und dürften auch richtige Frachter flussauf- oder -abwärts steuern", sagt Müller-Krumbhaar. Zuletzt machte auch noch Hoffmanns Sohn Stefan das Fähr-Patent. "Das ermöglicht es uns, im kommenden Jahr mehr Sonderfahrten anzubieten, zum Beispiel, wie es mir vorschwebt, samstags abends als Lumpensammler für Monberg-Gäste, die heim hinüber nach Dormagen wollen."

Den Anstoß, dies auszuprobieren, gibt dem auf gut 50 Köpfe angewachsenen Böötchen-Team die Erfahrung mit dem "Nachtbetrieb" am 9. August. Am Doppelevent-Wochenende mit dem Schürefest in Monheim und der großen Schützenparty in Dormagen fuhr die Fähre durchgehend von 10.30 bis 23 Uhr (statt wie üblich "nur" bis 18 Uhr). "Da hatten wir gerade wegen junger Monberg-Gäste aus Rheinfeld spätabends noch mal gut zu tun", freut sich der Vorsitzende. Tagsüber seien es neben Monheimern und Domagenern vor allem Ausflügler aus den Nachbarstädten und dem Bergischen Land, die die Fährverbindung nutzen. "Aber auch Touristen aus Frankreich, die den ganzen Rhein hinunterradelten, haben wir befördert - und alle sind bestens gelaunt."

Nach Erhöhung des Beförderungsmaximums von zunächst 12 auf 25 Fahrgäste plus Fahrräder ist diese Kapazität laut Müller-Krumbhaar gerade richtig: "An 90 Prozent der Betriebstage reicht sie aus, an den übrigen Tagen müssen Passagiere gelegentlich etwas warten, bis sie an die Reihe kommen." Problematischer seien da schon die Niedrigwasser-Tage, die zum Einsteigen über die Kribbe unterhalb des Deusser-Hauses zwingen. "Dann müssen wir Kies aufschütten und glätten, damit sich niemand den Knöchel verstaut." Dies aber, hofft Müller-Krumbhaar, wird sich in der übernächsten Böötchen-Saison erledigen: "2015 wollen wir dank der dann neuen Anlegestelle pegelunabhängig sein."

Robert Ullrich, Abteilungsleiter Stadtplanung, der das Eine-Million-Euro-Projekt im Rathaus betreut, hält das für machbar: "Im kommenden Jahr soll der Anleger gebaut werden. Bauzeit: etwa sechs Monate. 2016 dürfte er dem Böötchen also zur Verfügung stehen." Und nicht nur ihm: Auch das neue Feuerwehrboot soll hier geparkt werden, weitere Anlegekandidaten - vom privaten Motorboot über Wassertaxis bis zum Flusskreuzfahrtschiff - lassen sich denken.

Zuvor muss die Stadt aber noch die wasserrechtliche Genehmigung bei der Bezirksregierung einholen. Hierzu lässt sie seit einigen Monaten zusammen mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Köln über eine Kamera, die auf dem Hochhaus eingangs der Krischerstraße angebracht ist, den Schiffsverkehr beobachten. "So soll festgestellt werden, wie weit die Schiffe in der Fahrrinne nach außen driften, um Konflikte mit dem Anleger von vornherein auszuschließen", sagt Ullrich. Die Auswertung der Bilder laufe noch. Eine böse Überraschung erwartet der Planer von dem Ergebnis nicht: Es gehe nicht um die Frage, ob, sondern wie weit der Anleger in den an dieser Stelle etwa 300 Meter breiten Rhein hineinragen darf. Vorgesehen sind bislang zirka 50 Meter.

(RP)