Langenfeld: Evangelische Kirche tritt auf Sparbremse

Langenfeld : Evangelische Kirche tritt auf Sparbremse

Jahresetat muss deutlich gesenkt, dazu müssen viele Gebäude saniert werden. Gemeinde hofft auf Grundstückserlöse.

Gut ein Jahr ist es her, dass die Evangelische Kirchengemeinde sich selber einen harten Sparkurs verordnet hatte. Als damalige Presbyteriumsvorsitzende kündigte Pfarrerin Annegret Duffe im April 2014 an, dass der Jahresetat von fünf Millionen um 600 000 Euro gesenkt werden müsse. Denn einerseits sei die Zahl der Protestanten rückläufig und somit die Einnahme an Kirchensteuer. Andererseits hatte ein beauftragter Architekt für die 25 gemeindeeigenen Gebäude einen Sanierungsbedarf von rund drei Millionen Euro errechnet.

"Der Wille, das Ruder herumzureißen, ist deutlich spürbar", sagt Presbyterin Karin Kricsfalussy. Mit Iris Kasel leitet sie einen aus Pfarrern und Presbytern bestehenden Lenkungsausschuss, der die in Projektgruppen erarbeiteten Sparvorschläge koordinieren soll. "Der Sanierungsstau ist immens. Kein Sakralbau oder Gemeindehaus ist in einem akzeptablen Zustand." Zwar sei beschlossen worden, die vier Standorte in Richrath (Lukaskirche), Reusrath (Martin-Luther-Kirche), Immigrath (Erlöserkirche) und in der Stadtmitte (Johanneskirche) zu behalten. Doch wird es laut Kricsfalussy überall "mehr oder weniger massive Veränderungen geben". So müsse die Raumfläche insgesamt verringert werden und sei unter den Angestellten bis 2023 "ein sozial verträglicher Stellenabbau" nötig. Die 2014 angestrebte Verringerung der Pfarrerstellen von sechs auf vier bis 2024 ist im Gange: Der von Richrath nach Hennef fortgezogene Dr. Stefan Heinemann bekommt keinen Nachfolger.

Der Presbyteriumsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Frank hält zur Finanzierung der Arbeiten Rücklagen für vordringlich. Nach den Worten seiner Stellvertreterin, Pfarrerin Angela Schiller-Meyer, hatte in der Gemeinde lange Zeit die Devise gegolten, "lieber in Menschen als in Bauwerke zu investieren. Und das holt uns jetzt in Form des hohen Sanierungsaufwands ein."

Laut Kricsfalussy stehen Eckpfeiler fest: So werde das Gemeindehaus an der Hardt vollständig saniert und umgebaut. Das dortige Kellercafé, für dessen Erhalt die evangelische Jugend gut 1500 Unterschriften sammelte, bleibe "auf alle Fälle bestehen". In Richrath werde die Lukaskirche energietechnisch saniert, zudem das angrenzende Gemeindehaus durch einen deutlich kleineren Neubau ersetzt. Anstelle der 1954 an der Stettiner Straße gebauten Johanneskirche soll ein multifunktionaler Sakralraum errichtet werden. Ob der 1967 hinzugekommene Glockenturm stehenbleiben wird, steht Kricsfalussy zufolge noch nicht fest. "Viele Leute hängen an diesem Turm. Es soll versucht werden, ihn in den Neubau zu integrieren. In Reusrath, wo sich seit mehr als zehn Jahren ein Förderverein für das Gemeindehauses engagiert, seien wohl keine größeren Veränderungen fällig.

Zurzeit prüft der Lenkungsausschuss laut Kricsfalussy, inwieweit sich die in Richrath, an der Hardt und an der Stettiner Straße frei werdenden Flächen verkaufen lassen. Eine Alternative sei es, dort selber in den Bau von Wohnhäusern zu investieren. "Bis zum Spätsommer soll hierzu ein Konzept vorliegen."

(RP)
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