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RP-Serie Jung in der Politik: "Es geht in der Welt sehr ungerecht zu"

RP-Serie Jung in der Politik : "Es geht in der Welt sehr ungerecht zu"

Benjamin Kenzler hat seine politische Laufbahn in der CDU begonnen und ist über die Linkspartei zur SPD gelangt.

Die Bundestagswahl 1998 war für Benjamin Kenzler ein Schlüsselerlebnis. Damals kämpften Amtsinhaber Helmut Kohl und der SPD-Kandidat Gerhard Schröder um das Kanzleramt. Die Republik war von einer Wechselstimmung erfasst und der öffentliche Diskurs in den Medien war politisch aufgeladen. Es ging um eine Richtungsentscheidung für die Bundesrepublik. "Das hat mich damals fasziniert", erinnert sich der heute 32-Jährige an das Ende der "Ära Kohl".

Für den gebürtigen Hildener war es der Startschuss für sein politisches Engagement. Weil er "irgendwie mitmachen" wollte, widmet er sich der Lokalpolitik — als 17-Jähriger. In Monheim standen kurz danach die Kommunalwahlen an. Dr. Thomas Dünchheim löste als Kandidat der CDU Bürgermeister Hans-Dieter Kursawe (SPD) ab. "Viele meiner Freunde waren damals in der Jungen Union und ich bin ihnen gefolgt", sagt Kenzler, "aber während meiner Ausbildung zum Hotelfachmann hatte ich kaum noch Zeit für Politik.

" Er schraubte sein Engagement deutlich runter und stieg voll ins Berufsleben ein. Nach der Ausbildung arbeitete er als Flugbegleiter — und lernte dabei die Welt kennen. Auf nahezu allen Kontinenten war der Monheimer unterwegs. Er lernte die politischen und gesellschaftlichen Umstände in anderen Ländern kennen. "Das hat meinen Horizont erweitert", meint der Jungpolitiker. "Ich habe gelernt, dass es auf der Welt sehr ungerecht zugeht.

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" Krieg, Armut, Gewalt und Ungerechtigkeit treiben den jungen Mann seither um. Zeitgleich gründete sich ein Ortsverein der Linkspartei in Monheim. Er tritt kurzerhand ein und hilft beim Aufbau. Bei der Kommunalwahl 2009 ist er Spitzenkandidat der Linken und zieht mit 2,74 Prozent in den Stadtrat ein. "Von da an war ich quasi ein Einzelkämpfer", sagt der Monheimer. "Es war sehr viel Arbeit für mich, aber ich wusste vorher, worauf ich mich einlasse.

" Trotzdem gestaltet sich seine Ratsmitgliedschaft frustrierend, weil der Unterbau fehlt. Die Beteiligung an Mitgliederversammlungen und Sitzungen der Fraktion ist schwach und auch sonst dümpelt die Partei vor sich hin. Zudem habe es "interne Querelen" gegeben. 2012 beschließt Kenzler daher erneut, die Seiten zu wechseln — diesmal allerdings etwas sanfter als von der CDU zur Linken. "Ich habe bei den Abstimmungen im Rat bemerkt, dass es inhaltlich große Schnittmengen mit den Sozialdemokraten gibt", sagt der 32-Jährige.

"Also habe ich den Bürgermeister informiert, dass ich mit meinem Ratsmandat in die SPD eintrete." Dort sei er "sehr freundlich" empfangen worden, was angesichts des Mangels an jungen Mitgliedern kaum verwunderlich ist. Junge Union oder Jusos sind in Monheim kaum präsent. Das liegt wohl vor allem an der Jugendpartei Peto, die im Grunde alle in Frage kommenden Kandidaten für sich gewinnt. "Für die etablierten Parteien ist es schwierig, engagierten Nachwuchs zu finden", weiß auch Kenzler, für den sein Mandat auch ein Ausgleich zum Berufsleben ist.

"Trotz der vielen Reisen ist die Arbeit als Flugbegleiter ziemlich monoton und da kommt mir die Kopfarbeit im Rat gelegen. Außerdem möchte ich die Politik in Monheim mitgestalten — gerne auch in der nächsten Legislaturperiode." Bis dahin wird der Monheimer weiter um den Globus reisen, Unterlagen studieren und im Stadtrat mitbestimmen. Er ist Mitglied in vielen Ausschüssen. "Das ist zeitintensiv", meint Kenzler, "aber mein Arbeitgeber stellt mich für die Sitzungen frei. Mir macht Politik einfach Spaß."

(dora)