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Langenfeld/Monheim: Es droht ein Mangel an Altenpflegern

Langenfeld/Monheim : Es droht ein Mangel an Altenpflegern

In den zehn Städten des Kreises werden im Jahr 2030 mehr als 3000 Fachkräfte fehlen.

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis zum Jahr 2030 bundesweit um rund 50 Prozent zunehmen. Rückläufig ist dagegen die Zahl der Menschen, die in der Pflege arbeiten.

Der Kreis Mettmann geht davon aus, dass bundesweit im Jahr 2030 fast 500 000 Vollzeitkräfte in der Pflege fehlen, wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen. Für den Kreis Mettmann ist bis 2030 sogar eine Steigerung der Pflegebedürftigkeit von 53 Prozent zu erwarten. Das erfuhren die Mitglieder des Kreisausschusses auf ihrer gestrigen Sitzung. Vorangegangen war eine Anfrage der CDU, in der es um die finanzielle Ausstattung des Fachseminars Altenpflege unter dem Dach des Kreises Mettmann geht. Derzeit werden dort 480 Ausbildungsplätze vorgehalten. Das reicht aber hinten und vorne nicht.

Denn: In den zehn Städten des Kreises werden Prognosen zufolge im Jahr 2030 mehr als 3000 Altenpfleger und Altenpflegehelfer fehlen. Um überhaupt den heutigen Stand aufrecht erhalten zu können, müssten sich 25 Prozent der Schulabgänger entscheiden, eine Lehrstelle im Bereich der Altenpflege aufzunehmen. Tatsächlich sind es aber bei jungen Leuten mit Mittlerer Reife gerade mal fünf Prozent, die sich so einen Beruf überhaupt vorstellen könnten. Bei Gymnasiasten sind es sogar weniger als zwei Prozent.

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Ausgebildet werden Altenpfleger im Fachseminar des Kreises aber weiterhin. Das Land wird nach neuen Richtlinien pro Ausbildungsplatz 280 Euro im Monat dazugeben. Die Bildungsakademie für Gesundheits- und Sozialberufe des Kreises Mettmann spricht von 370 Euro pro Teilnehmer und Monat, um überhaupt kostendeckend arbeiten zu können. Aufgrund von "Quersubventionierung aus dem Fort- und Weiterbildungsbereich und Studiums-Angeboten" sowie der "Gesamtgröße der Bildungsakademie" sei die finanzielle Situation der Bildungsakademie solide. Die Ausbildung der Altenpfleger sei nicht gefährdet, betont der Kreis.

Klaus-Dieter Völker (CDU) versprach, das Thema weiterhin zu verfolgen und gegebenenfalls wieder auf die Tagesordnung zu bringen.

Der Leiter des Kreis-Fachseminars hatte zuvor bereits auf zwei weitere Problemfelder hingewiesen. Die Bundesregierung in Berlin wolle die bislang getrennte Ausbildung von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegern abschaffen und durch eine einheitliche Pflegeausbildung (drei Jahre) ersetzen. Dagegen wehre sich die Mehrheit der Arbeitgeber in der Seniorenwirtschaft, erläutert Keißner-Hesse. Die neue Einheitspflegeausbildung vermittle nur Basisqualifikationen. Die Arbeitgeber müssten die Altenpfleger zusätzlich schulen, wenn sie wirklich kompetente Fachkräfte wollen - auf eigene Kosten und auf eigene Initiative.

Offen sei auch, wie diese Ausbildung finanziert werden soll. Die Bundesregierung habe dazu ein Gutachten machen lassen. Es zeige auf, dass die Altenpflegeausbildung statt wie bisher über Steuern auch über den Pflegesatz finanziert werden könne. Das würde die Kommunen als Träger der Sozialhilfe vor "kaum lösbare Probleme" stellen, glaubt Keißner-Hesse: "Diese Entwicklung betrachtet die Bildungsakademie mit großer Sorge und befürchtet, dass die Gesundheitsbranche von diesen Reformen profitieren, aber die Altenpflege verlieren wird." Dies sieht der Kreis Mettmann genauso.

(RP)