Langenfeld: Erster Langenfelder Kirche droht das Aus

Langenfeld : Erster Langenfelder Kirche droht das Aus

Die Evangelische Kirchengemeinde in Langenfeld steht unter massivem Spardruck. Gebäude müssen aufgegeben werden. Welche, dies wird der Gemeinde in einer Versammlung am 30. März eröffnet.

Zweieinhalb Wochen sind es noch bis zur Gemeindeversammlung der Evangelischen Kirche in Langenfeld. So lange müssen sich die rund 15 000 Protestanten in der Posthorn-Stadt und alle anderen Interessierten noch gedulden, bis sie erfahren, welche Gebäude die unter massivem Spardruck stehende Gemeinde aufgeben wird. Im Presbyterium, dem entscheidenden Leitungsgremium, sind die Würfel schon gefallen. "Wir haben uns mit großer Einmütigkeit auf ein Modell geeinigt", sagte die Presbyteriumsvorsitzende, Pfarrerin Annegret Duffe, gestern auf RP-Anfrage. Und: Eine Kirchenschließung sei "nicht ausgeschlossen".

Konkreter möchte Duffe mit Rücksicht auf die Gemeindeversammlung nicht werden. "Wir haben die ganze Bandbreite möglicher Lösungen geprüft, von der Konzentration auf einen einzigen Kirchenstandort in Langenfeld bis zum Erhalt bei gleichzeitiger Verkleinerung sämtlicher vier Standorte", berichtet die Pfarrerin von den seit einem Jahr währenden internen Beratungen. Das Ergebnis nennt sie "sehr facettenreich". Nach der Vorstellung und Diskussion in der Gemeindeversammlung am Sonntag, 30. März (11 Uhr, Johanneskirche, Stettiner Straße), will das Presbyterium die "Gebäudestrukturreform" am 8. April beschließen.

Falls es zu einer Kirchenschließung kommt, wäre dies — von der vor acht Jahren aufgegebenen katholischen Filialkirche St. Pius im Richrather Norden abgesehen — ein Novum in Langenfeld. Die Evangelische Gemeinde hatte bisher aus Kostengründen "nur" ein Gemeindehaus dichtmachen müssen: das Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Wiescheid 2004. Eigentümerin der Immobilie ist heute die Stadt, die es an eine Künstlerin vermietet hat ("Kunsthaus Wiescheid"). Das vorübergehend ebenfalls von Schließung bedrohte Gemeindehaus in Reusrath hingegen konnte für die Kirche erhalten werden — dank eines sehr engagierten Fördervereins, der einen wesentlichen Teil der Betriebskosten trägt.

Doch der Spardruck lastet weiter auf der Gemeinde. "Wir müssen in unserem Jahresetat mit einem Volumen von fünf Millionen 600 000 Euro einsparen", beziffert Pfarrerin Duffe die Streichvorgaben. Grund sind die gesunkenen — und weiter sinkenden — Mitgliederzahlen und damit Kirchensteuereinnahmen. Jährlich verliert die Gemeinde laut Prognose vor allem wegen der Volksalterung etwa 100 Mitglieder.

An einer "Verkleinerung" (Duffe) führt deshalb kein Weg vorbei. Personell wird dieser Prozess im September eingeleitet: Dann wird die Gemeindeverwaltung von der Hardt zur Kirchenkreiszentrale nach Burscheid verlagert. Zurück bleibt nur ein Gemeindebüro. Eine Entlassung muss laut Duffe zwar keiner der acht Gemeindeamtsmitarbeiter befürchten, doch Ziel einer solchen Zentralisierung ist natürlich ein Stellenabbau insgesamt: "Fest steht: In 15 Jahren werden wir weniger sein", sagt die Presbyteriumsvorsitzende. Derzeit sind 65 Arbeitnehmer bei der Evangelischen Kirche in Langenfeld beschäftigt.

Auch der Gebäudebestand muss reduziert werden — schon allein wegen des in den nächsten Jahren auflaufenden Sanierungsbedarfs. Selbst die jüngeren Kirchen und Gemeindezentren sind inzwischen mehrere Jahrzehnte alt. Zur Disposition steht nach Duffes Angaben unter anderem das Gemeindeamtsgebäude neben der Erlöserkirche. In der Strukturreform ausgeklammert sind hingegen der evangelische Kindergarten "Unterm Regenbogen" und die Diakonie-Sozialstation. "Diese werden aber ebenfalls den Zuschussbedarf verringern müssen", sagt die vorsitzende Pfarrerin.

Und für wie lange wird der bevorstehende große Verkleinerungsschritt reichen? Duffe geht von "etwa 15 Jahren" aus. "Wir werden dann wieder finanziellen Spielraum für unsere eigentlichen Aufgabe als Kirche haben, besonders für die Gestaltung des Gemeindelebens".

(RP)