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Langenfeld: Erster Blick ins neue Stadtmuseum

Langenfeld : Erster Blick ins neue Stadtmuseum

Die stadtgeschichtliche Ausstellung im Kulturellen Forum wird seit August umgebaut. Zwei Räume sind weit gediehen.

Die Warnung steht deutlich auf einem Emailschild: "Vorsicht bei Gesprächen! Feind hört mit!" Doch SPD-Ratsfrau Elke Horbach lässt sich nicht abhalten, greift zum Hörer des aus den 1930er-Jahren stammenden Wandtelefons. An ihr Ohr gelangen eindringliche Schilderungen von Langenfelder Zeitzeugen über Erlebnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus — etwa der Massenerschießung am Wenzelnberg.

Die von Profisprechern gelesenen und durch historische Telefonapparate in Szene gesetzten Texte gehören zur neuen Form, in der das Kulturelle Forum (KuFo) ab Ende des Jahres die Langenfelder Stadtgeschichte präsentieren wird. In der bisherigen und zurzeit geschlossenen Dauerausstellung war die NS-Diktatur komplett ausgeblendet gewesen. Die Mitglieder des Kulturausschusses machten sich am Dienstagabend ein Bild von zwei bereits vorangeschrittenen Räumen. Wer sich ebenfalls schon vor der Eröffnung einen ersten Eindruck verschaffen möchte, kann dies am 14. Februar tun (siehe Infobox).

Seit August laufen die mit 295 000 Euro veranschlagten Umbauarbeiten. Die zuvor recht bieder wirkende Präsentation soll nach der von den Designern Desirée Astor, Ralph Gellwitzki und Susanne Wittelsbürger entworfenen Umgestaltung deutlich ansprechender sein. "Wegen des im Freiherr-vom-Stein-Haus beschränkten Platzes bieten wir viele Informationen in elektronischer Form an", sagt Museumschefin Dr. Hella-Sabrina Lange.

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Bei der Vorbesichtigung schauten die Kulturpolitiker gebannt auf einen Monitor mit einem so genannten Stadtmorphing. Zu erleben ist, wie sich Marktplatz, Berliner Platz und die Richrather Ortsmitte im Laufe der Zeit verwandelt haben. Gellwitzki hatte mit dem städtischen Bildarchivar Marco Klatt historische Fotos aufwändig in eine Animation eingebettet. "Für drei virtuelle Stadtrundgänge in Gegenwart und Vergangenheit wurden die heutigen Gebäude fotografiert und in einem Computerprogramm dreidimensional nachmodelliert", erläutert der stellvertretende KuFo-Chef Eckart Heske.

Je nach geschichtlicher Epoche werden die Schaustücke künftig ähnlich Bühnenbildern mit sieben Figurinen und passenden Gegenständen in Szene gesetzt. So erinnern zwei beim Weeger-Hof gefundene große Metallhülsen einer Flugabwehrkanone (Flak) daran, dass ab 1943 Jugendliche als Flakhelfer eingezogen wurden. In allen vier Räumen werden Computerterminals stehen, auf deren Bildschirmen die Besucher zusätzlich Erklärungen und Filme abrufen können; etwa über das jüdische Leben in Langenfeld und Schicksale von deportierten Juden. "Der Museumsbesucher kann über den Bildschirm in jedes Thema so tief einsteigen, wie er möchte", erläutert Heske.

Entsprechend dem Motto der Ausstellungskonzeption "Am Anfang war der Weg" werden in dem bereits fertigen Raum die Reichs- und Bundesautobahn als Leitthemen behandelt; der heutige A 3-Abschnitt zwischen Düsseldorf und Köln wurde von 1933 bis 1936 gebaut. Dazu ist ein Stück Straße aus historischem Kopfsteinpflaster verlegt. Die Themen Zwangsarbeiter, Euthanasie und Synagoge werden zusätzlich auf Texttafeln vertieft.

(RP/rl)