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Langenfeld: Erste Hilfe für zerlesene Bücher

Langenfeld : Erste Hilfe für zerlesene Bücher

Fachkraft Daniela Eßer ist in der Langenfelder Stadtbibliothek für die Medienreparatur zuständig.

Der "Nackenbeißer-Roman" wirkt selber ziemlich angefressen. "Nackenbeißer", so nennen die Mädels von der Stadtbibliothek Herz-Schmerz-Lektüre, die überwiegend nach demselben Muster illustriert ist: Aufregender Mann hinter wohlgestalteter Frau, die ihn anschmachtet und ihm ihren zum Anbeißen schönen Nacken zuwendet.

"Eine Rose für den Ritter" heißt das Taschenbuch-Exemplar, das Daniela Eßer in Händen hält. "Die werden nun mal gern gelesen", begründet die 24-Jährige, warum sie sich recht oft an Nackenbeißern zu schaffen machen muss. Eßer ist in der Bibliothek für die Reparatur von Büchern und anderen Medien zuständig. Ihr Arbeitsplatz ist im Backoffice-Bereich, da, wo Ausleiher normalerweise nicht hinkommen. "Dann wollen wir mal", sagt die junge Frau.

Ihre wesentlichen Arbeitsmittel sind ein Schneidebrett, Buchleim mit Pinsel, Japanpapier, besondere Klebestreifen für Bücher und Einschlagfolie. Mehrere der 352 Seiten des Ritterromans ragen halblose aus dem Wälzer heraus. Eßer klappt ihn auf und trennt die losen Seiten ab. Dann prüft sie die Festigkeit weiterer Seiten und zieht noch einige zusätzlich heraus. "Sie machen das Buch ja noch mehr kaputt." - "Anders geht es nicht. Einzelne Seiten festzukleben bringt nichts."

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Die "Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste", so ihr offizieller Ausbildungsberuf, löst den Buchrücken von allen Seiten, legt das Bündel mit den losen Seiten Kante an Kante hinein und pinselt Buchrücken-Innenseite sowie das Gegenüber der Seiten mit dem Spezialleim ein. Dann kommen noch Gummibänder zum Fixieren drum - fertig. "Das muss, zwischen anderen Büchern gepresst, über Nacht trocknen", erklärt Eßer.

Spezialleim nimmt sie, weil der im festen Zustand eine gummiartige Konsistenz hat. "Normaler Klebstoff würde hart und brüchig." Ähnliches gilt für die extra Klebestreifen. "Bloß kein Tesa, denn das greift wegen der Säure das Papier an", sagt Bibliotheksleiterin Martina Seuser, die ihrer Buchmechanikerin über die Schulter schaut. Das Schneidebrett kommt zum Einsatz, wenn einzelne Buchseiten so lädiert sind, dass das gesamte Papierbündel gestutzt werden muss, um eine ebene Leimfläche zu erhalten. Mit dem Japanpapier werden (Aus-)Risse an anderen Stellen ausgebessert. "Und 99 Prozent unserer Bücher werden foliert", sagt Seuser und nennt einen "einfachen Grund": Hygiene.

"So lassen sie sich leicht abwischen, ohne dass die Substanz leidet." Je nach Zustand des Buches lasse sich dessen Lebensdauer durch die Reparatur um zwei bis zehn Ausleihen verlängern, sagt die Bibliotheksleiterin. "Damit hat sich die Reparatur gelohnt." Und wenn ganze Seiten fehlen? "Dann ist das Buch normalerweise hin. Es muss sich schon um ein sehr seltenes oder recht wertvolles Stück handeln, dass wir uns um den Ersatz einzelner Seiten bemühen."

Daniela Eßer gehört nach eigenem Bekunden zu der eher seltenen Spezies, die mit ausgeliehenen Büchern sorgfältiger umgeht als mit eigenen. "Mir ist auch schon mal ein ,Harry Potter' in die Badewanne gefallen", gibt sie zu. Ein "Sorgfalts-Freak" sei sie hingegen bei CDs und DVDs: "Die verlassen ihre Hüllen nur fürs Abspielen." Wie manche Bibliotheksnutzer mit den Silberlingen umgehen, darüber kann sie nur den Kopf schütteln: "Ich kann es nicht leiden, wenn ein Film hängt oder der PC abstürzt, weil der Datenträger im Eimer ist. Warum nur kommen so viele so zerkratzt zu uns zurück?" Auch für deren Reparatur ist Eßer zuständig. Mit dem CD-Schleifgerät bekommt sie etwa jede zweite zerschlissene Scheibe wieder hin. "Manche müssen nach gerade mal drei Ausleihen geschliffen werden", erzählt Martina Seuser. Andere würden pfleglicher behandelt. So habe es eine "Don Juan DeMarco"-DVD mit Johnny Depp auf gut 200 Auslehen gebracht. "Das ist Rekord", sagt die Bibliothekschefin.

(RP)