Monheim: Ernte hui, Preise pfui

Monheim : Ernte hui, Preise pfui

Die heimischen Bauern sind mit der diesjährigen Ernte zufrieden. Zu schaffen macht den Landwirten aber der Verfall der Preise für Getreide und Ackerfrüchte um bis zu einem Drittel.

"Wir sind mit der Ernte zufrieden, aber nicht mit den Preisen", beurteilen die ortsansässigen Landwirte die diesjährige Getreideernte, die rund ein Zehntel besser ausfiel als der langjährige Durchschnitt. Viele Niederschläge Anfang Juli erschwerten das Einbringen der Wintergerste, erinnert sich Josef Aschenbroich, seit zwölf Jahren Ortslandwirt für Langenfeld und Monheim an den Beginn der Getreideernte. Die störenden Unterbrechungen waren keine Folge nasser und unbefahrbarer Ackerböden, sondern wegen der Feuchte der Getreidekörner notwendig; denn bei mehr als 15 Prozent Volumenfeuchte müssen unwirtschaftliche Trockenzuschläge gezahlt werden.

Mähdrescher im Dauereinsatz

Wenn das Wetter stimmte, liefen die Mähdrescher ohne Unterbrechung, wobei der abendliche Tau noch längere Arbeitszeiten unmöglich machte. In so dicht besiedelten Gebieten wie dem Kreis Mettmann, in dem die Wohnbebauung oftmals bis an die Felder reicht, sind Störungen der Bevölkerung in diesen Spitzenzeiten nicht ganz zu vermeiden.

Weil es seit sechs Wochen für die Bauern zu wenig regnet, fehlt der Neusaat Wasser zum gleichmäßigen Keimen (siehe den eingeblockten Artikel). Künstliche Bewässerung ist für Aschenbroich indes kein Thema, "bei Grundwassertiefen in Langenfeld von mehr zehn Metern ist das nicht bezahlbar, unabhängig von wasserrechtlichen Genehmigungen". Das Jahr hatte zufriedenstellend begonnen.

In diesen Tagen beginnt die Rübenkampagne, die wegen der Kapazitätsgrenzen der Raffinerien zentral gesteuert und bis ins neue Jahr andauern wird. Auch für die Kartoffelernte braucht Josef Aschenbroich Feuchtigkeit, zu trockener Boden ist nicht siebfähig genug für die eingesetzten Maschinen.

Krise drückt Nachfrage

Der beklagte Preisverfall des Getreides zeigt, dass die Globalisierung auch die heimischen Bauern erreicht hat. Waren die Rohstoffpreise -dazu gehören auch Agrarprodukte — 2007/2008 spekulativ überhöht, führen weltweit gute Ernten und nachlassende Nachfrage, zum Beispiel nach Biosprit, zu einem Preisverfall um bis zu einem Drittel.

Auch weil im Winter die Produktionsmittel (Dünger, Pflanzenschutz) zu hohen Preisen eingekauft wurden, schreiben die Getreidebauern in diesem Jahr bei Preisen von unter zehn Euro pro Doppelzentner maximal eine Schwarze Null. "Wir können davon nicht leben", rechnet Josef Aschenbroich vor, und verweist auf die übrigen wirtschaftlichen Standbeine des Betriebes wie Hühnerfarm oder Hofladen.

(RP)
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