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Monheim: Er bringt Schwung ins Berliner Viertel

Monheim : Er bringt Schwung ins Berliner Viertel

Seit Anfang 2012 ist Georg Scheyer Stadtteil-Manager für das Berliner Viertel. Er sieht sich als Netzwerker, Koordinator und Ansprechpartner. Im RP-Redaktionsgespräch schildert der 53-Jährige seine Pläne für Monheim-Süd.

Wenn Georg Scheyer über das Berliner Viertel spricht, fallen ihm viele Gründe ein, warum der mit Abstand bevölkerungsreichste Stadtteil Monheims etwas Besonderes ist - und zwar im positiven Sinne. Mit gängigen Klischees über Kriminalität und soziale Verwahrlosung in der dicht bebauten Plattenbausiedlung kann er nicht viel anfangen. Die Umschreibung "sozialer Brennpunkt" sei daher nicht angebracht, sagt er. "Die öffentliche Wahrnehmung des Berliner Viertels wird den vielen positiven Dingen vor Ort nicht gerecht", meint Scheyer, "aber wenn sich ein Klischee erst einmal in den Köpfen festgesetzt hat, ist es sehr schwer, dagegen anzukommen."

Als Stadtteil-Manager des Berliner Viertel gehören solche Sätze freilich dazu, aber der 53-Jährige meint auch, was er sagt. Er ist im Viertel aufgewachsen, kennt viele Akteure und ist bestens vernetzt. Diese Seilschaften nutzt der zweifache Vater auch heute noch für seinen Job. Einer seiner ersten Schritte im Amt war, den Ernst-Reuter-Platz und die Friedrichstraße enger in das Programm des Stadtfestes einzubinden - mit Erfolg.

Viele Bürger empfinden den Berliner Ring trotzdem als städtebauliche Zäsur. Jenseits der Unterführung, die in das Zentrum des Viertels führt, beginnt in einigen Monheimer Köpfen das "Ghetto" der Migranten, sozial Schwachen und Arbeitslosen - oder kurz gesagt: Der Stadtteil der "Schmuddelkinder".

Dieses Denken sei der größte Feind seiner Arbeit, meint Georg Scheyer. Auf die Frage, wo er "seinen" Stadtteil in zehn Jahren sieht, antwortet er, ohne zu zögern: "Ich wünsche mir, dass das Berliner Viertel bis dahin als normaler Stadtteil mit normalen Bewohnern wahrgenommen wird."

Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Vor allem mit Aktionen, Märkten und Festen will Scheyer eine bessere Anbindung an den Rest der Stadt schaffen. Ein Beispiel ist der holländische Tuchmarkt, der in diesem Jahr zum dritten Mal läuft. Hinzu kommen das Kinderfest am 29. Juni auf dem Grünzug nahe der Brandenburger Allee, das Septemberfest und viele weitere Termine.

Auch Aktionen wie etwa "Monheim kocht bunt", die Fußball-Stadtmeisterschaft für Freizeitkicker oder deutsch-türkische Kabarett-Abende sollen das Miteinander verbessern. Als verbindendes Element ist die Zukunftswerkstatt gedacht, in der Arbeitsgruppen an ein bis zwei Terminen im Jahr über die Entwicklung im Berliner Viertel und verschiedene Handlungsfelder diskutieren. Im Februar nahmen zuletzt rund 80 Personen daran teil.

Viele kleine Mikroprojekte auf ehrenamtlicher Basis sind auf diesem Weg bereits entstanden - von Hilfen für Jugendliche beim Übergang zwischen Schule und Beruf bis hin zur Begleitung von Senioren zu Festen in der Stadt. "Das sind alles Dinge, die auf dem Engagement der Bürger beruhen", meint Scheyer, der sich vor allem als Netzwerker versteht. "Meine Aufgabe ist es, die Stellen zu verbinden und die Akteure an einen Tisch zu bringen", sagt er. Zudem sei er der "kurze Draht" zur Verwaltung im Rathaus.

Georg Scheyer ist freilich nicht naiv. Er weiß, dass es unter den rund 11 000 Bewohnern im Berliner Viertel schwarze Schafe gibt, die das Image des Stadtteils prägen. Diese seien aber die Ausnahme, betont der 53-Jährige. "Bei genauer Betrachtung ist das Berliner Viertel eigentlich ziemlich schön - und es gibt neben vielen netten Menschen auch Schulen, Kindergärten, eine Bibliothek, die VHS, Spielplätze, Supermärkte und natürlich das Mona Mare. Welcher andere Stadtteil hat so viel Qualität zu bieten?"

(arod)