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Monheim: Eltern wollen den Ganztag

Monheim : Eltern wollen den Ganztag

In seiner Sitzung am 20. Juli entscheidet der Stadtrat über den weiteren Ausbau der Nachmittagsbetreuung an den Monheimer Grundschulen. Bis zum Schuljahr 2013/2014 sollen 750 Plätze geschaffen werden.

Die gute Nachricht zuerst: Alle Eltern, die ihr Kind im kommenden Schuljahr für den Offenen Ganztag angemeldet haben, bekommen auch einen Platz, sagt Peter Heimann (Abteilungsleiter Schulen bei der Stadtverwaltung).

Einziger Wermutstropfen: Der Platz ist nicht unbedingt dort, wo sie ihn gerne gehabt hätten. Besonders nachgefragt ist das Betreuungsangebot der Schule am Lerchenweg. Die bietet den Offenen Ganztag in "gebundener Form" bis 16 Uhr an. Unterricht, Freizeit und Arbeitsgemeinschaften wechseln sich ab, Hausaufgaben entfallen, weil die Kinder sie als "Schulaufgaben" über den Tag verteilt machen. Eltern verpflichten sich "freiwillig", diesem Konzept zuzustimmen.

"Wir haben unser Angebot für die Erstklässler des Schuljahres 2011/2012 bereits auf 50 Plätze verdoppelt, aber 78 Eltern haben ihre Kinder für den Nachmittag angemeldet", beschreibt Schulleiter Achim Nöhles das Dilemma. Man habe sich dann wegen der großen Nachfrage kurzfristig entschlossen, 58 Mädchen und Jungen aufzunehmen. Doch trotz Überbelegung habe die Schulverwaltung immer noch 20 Kinder an andere Schulen verweisen müssen.

Viele Eltern gucken sich die Grundschulen genau an, bevor sie sich entscheiden. Doch auch bei der Nachmittagsbetreuung lohnt es sich, die Angebote unter die Lupe zu nehmen, schließlich gibt es in Monheim eine große Vielfalt von Trägern, die vom Gesetzgeber so auch gewollt sei, betont Günther Serafin, zuständig für die Betreuung an Schulen. So organisieren Stadt/Jugendamt den Nachmittag an der Armin-Maiwald-Schule (Dependance Geschwister-Scholl-Straße) sowie an der Hermann-Gmeiner-Schule und Leo-Lionni-Schule (Förderschwerpunkt Sprache).

Die evangelische Kirche ist Träger des Offenen Ganztags an der Armin-Maiwald-Schule (Hauptstelle Humboldtstraße) sowie an der Astrid-Lindgren-Schule. Um die Winrich-von-Kniprode- und die Lottenschule kümmert sich das Katholische Jugendwerk im Kreisdekanat Mettmann. Zuständig für die Schule am Lerchenweg ist die Arbeiterwohlfahrt. "Ganz wichtig ist es, dass die Ziele von Trägern und Schule harmonieren", weiß Achim Nöhles, der sich mit mehreren Anbietern zusammensetzte, bevor die Awo schließlich den Zuschlag bekam.

Bei den Abholzeiten können die Eltern sich je nach Bedarf zwischen den drei Varianten ohne Betreuung, 14 Uhr oder 16 Uhr entscheiden. Doch was machen Mütter, die nur mit einer halben Stelle im Beruf sind, aber beispielsweise an drei Wochentagen voll arbeiten? Dürfen sie ihr Kind an den beiden "freien Tagen" schon mittags abholen? "An den städtischen Schulen", erklären Günther Serafin und Peter Heimann, "ist es möglich, Kinder, die zur Musikschule oder in den Sportverein gehen, um 14 Uhr in der Ogata abzuholen.

" Es ließe sich aber nicht einrichten, dass Erziehungsberechtigte bei schönem Wetter plötzlich um 12 Uhr mit Badesachen an der Schule ständen. Auch Arbeitsgemeinschaften nach dem Unterricht verlangten eine kalkulierbare Teilnehmerzahl. Weitere Eckpunkte in der Ogata sind Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung. Verschiedene Caterer beliefern die Grundschulen. Ergänzt werden die Mahlzeiten mit frischem Obst und Gemüse. Für die Hausaufgaben werde ein "störungsfreier Raum" zur Verfügung gestellt, sagt Serafin.

Doch was bedeutet das? In der Regel sitzen 25 Kinder zusammen über den Heften. Zwei Betreuer (nicht unbedingt Lehrer) sind dabei. In integrativen Gruppen ist der Schlüssel mit zwölf Kindern und zwei Erziehern/Helfern zumindest etwas günstiger. "Wir können die Eltern nicht von der Pflicht befreien, sich selber um die Hausaufgaben ihrer Kinder zu kümmern", betonen die Verantwortlichen.

Doch die geben mehr und mehr Aufgaben an die Schule ab. Galt früher noch als "Rabenmutter", wer sein i-Dötzchen nicht mittags abholte, gibt es heute immer mehr Alleinerziehende und Familien, in denen beide Elternteile einen Beruf ausüben. "Früher war um 12 Uhr Schluss. Jetzt bleiben die Kinder einige Stunden länger und wir haben mehr Verantwortung, auch für die Erziehung der Kinder", erlebt Schulleiter Achim Nöhles. In den vergangenen zehn Jahren hätten die Grundschulen individuelle Profile entwickelt. Eltern müssten genau prüfen, welche Schule für sie passend sei.

(RP/rl)