Langenfeld: Einkaufen oder innehalten?

Langenfeld : Einkaufen oder innehalten?

Anders als in Düsseldorf rührt sich in Langenfeld kein Protest(ant) gegen das Sonntags-Shopping ausgerechnet am Reformationstag. Die Adventssonntage aber wollen die Kirchen gegen den Zugriff der Konsumwelt verteidigen.

Sonntag ist Shopping. Sonntag ist Halloween. Sonntag ist Handwerker-Schau vor der Stadthalle. War da nicht noch etwas? Richtig: Reformationstag. Dass dieser hohe protestantische Feiertag bei so viel Konkurrenz noch mehr in den Hintergrund zu rücken droht, hat die evangelische Kirche andernorts zu öffentlicher Kritik veranlasst.

Im ebenfalls verkaufsoffenen Düsseldorf etwa hat sich der Superintendent, unterstützt vom katholischen Stadtdechanten und der Gewerkschaft Verdi, mit dem Oberbürgermeister und der CDU-Mehrheitsfraktion angelegt. In Langenfeld hingegen rührt sich kein Protest(ant). Warum?

"Hier wird nicht getrickst"

Citymanager Jan Christoph Zimmermann (33), der das Rahmenprogramm für das bevorstehende Shopping-Wochenende organisiert, verweist auf den "moderaten Einsatz von Einkaufssonntagen in unserer Stadt". Auch die Kirchen wüssten: "Bei uns gibt es jährlich vier verkaufsoffene Sonntage und keinen mehr. Da wird nicht getrickst wie andernorts, wo zusätzliche Shopping-Sonntage in einzelnen Stadtteilen genehmigt werden." Außerdem sei der Advent tabu, "obwohl im Einzelhandel der große Wunsch besteht, auch einmal an einem Sonntag in der Vorweihnachtszeit zu öffnen".

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Andreas Pasquay, Pfarrer an der Erlöserkirche in Immigrath, findet es prinzipiell "ungeschickt", einen Shopping-Sonntag auf einen Tag zu legen, der für eine der Kirchen eine besondere Bedeutung hat. Proteste dagegen hält er aber für "Energieverschwendung".

Eine entschiedene Einmischung in andere Debatten — "wie die um die Integration" — ist dem 55-Jährigen nach eigenen Worten viel wichtiger. "Ich selbst gehe nicht sonntags einkaufen, weil ich eine Pause vom Alltag brauche und auch anderen Leuten diese Pause gönne. Aber bei vielen anderen hat sich der Sonntagseinkauf nun mal eingebürgert.

Die fahren dafür sogar nach Holland. Warum gegen solche Veränderungen wie gegen Windmühlenflügel ankämpfen?!" Pasquays Kollegin Angela Schiller-Meyer unterscheidet zwischen Kerngemeinde und kirchenfernerem Volk: "Den einen ist der Sonntag als Tag des Innehaltens so wichtig, dass sie Sonntagsshopping in der Regel gar nicht so verlockend finden.

Für sie wird der Reformationstag in den Gottesdiensten am kommenden Sonntag eine besondere Berücksichtigung finden" (siehe Info). Und von den Menschen außerhalb der Kerngemeinde hofft die 52-Jährige etliche bei der "Familienwelt"-Ausstellung tags zuvor in der Stadthalle zu erreichen: "Da sind wir mit unserem Stand im Foyer so gut positioniert — an uns kommt keiner vorbei."

"Advent muss tabu bleiben"

Günter Piekarek (72) von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) sieht die Sonntagsöffnung ebenfalls recht gelassen: "Grundsätzlich soll dieser Tag nicht dem Erwerb dienen, aber es gibt diese Bedürfnisse. Dass eine Stadt dem Rechnung trägt, dafür habe ich Verständnis", sagt der katholische Geschäftsführer der ACK, die vor anderthalb Jahren im Rathaus zusammen mit dem ebenfalls überkonfessionellen Aktionskreis "Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage" eine Podiumsdiskussion zum Sonntagsschutz veranstaltete. Die Vorweihnachtszeit jedoch müsse in Langenfeld weiter tabu bleiben, betont Piekarek: "Gegen einen verkaufsoffenen Adventssonntag — und da spreche ich sicher auch im Sinne der Kirchen — würden wir Front machen!"

(RP)
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