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Einkaufen Keiner muss ins Geschäft

Langenfeld/Monheim : Lebensmittel: Keiner muss ins Geschäft

Ob Naturkostladen oder Supermarkt – viele Händler liefern die Ware bis vor die Haustüre.

Die guten Geister in diesen Wochen sind mit Lieferwagen unterwegs und bringen uns die Lebensmittel bis vor die Haustür. Sie schützen uns so vor der Corona-Ansteckungsgefahr in Ladenlokalen. Sven Lucht ist so ein guter Geist. Der Inhaber des Bio-Ladens „Rheinkiesel“ in der Langenfelder Innenstadt bietet seit 23 Jahren einen kostenlosen Lieferservice an. „In diesen Tagen hat sich die Nachfrage vervierfacht“, sagt er. Rund 300 Kunden fährt sein Wagen täglich an. „Mitunter sind wir bis 21.30 Uhr unterwegs. Wer bis 12 Uhr bestellt, bekommt seine Lieferung noch am gleichen Tag“, so Lucht. Vorausgesetzt: Das Gewünschte ist vorhanden. Denn auch bei „Rheinkiesel“ ist vieles ausverkauft. Klopapier auf jeden Fall. Hefe beispielsweise auch. „Da kann man maximal zwei Päckchen ordern“, sagt er. „Nicht, dass es keine Hefe mehr gäbe, aber sie muss auch beschafft und ausgepackt werden.“

Am liebsten ist es dem Bio-Händler, die Kunden bleiben in dieser Ausnahmezeit zu Hause und ordern ihre gesamte Bestellung per Telefon. „Ich gehe dann durch den Laden, kann beraten und Alternativen nennen. Wenn kein Brokkoli mehr da ist, verweise ich auf den frischen Blumenkohl. Oder ich schaue, was in der Käsetheke ist“, so Lucht. Dabei komme auch der menschliche Aspekt nicht zu kurz. „Der persönliche Kontakt im Gespräch ist da.“Lucht und sein Team nehmen sich für jeden Zeit. „Wenn unser Telefon gerade besetzt ist, muss man mitunter etwas warten oder später noch mal anrufen.“ Natürlich kann man auch per Mail bestellen, auch da wird kommuniziert und wenn nötig werden Ausweichprodukte genannt. „Leider“, sagt Sven Lucht, „nehmen noch zu wenig Ältere dieses Angebot wahr. „Sie laufen immer noch trotz aller Warnungen durch die Stadt und gehen in die Läden. Ich wünschte mir, sie wären zum eigenen Schutz vernünftiger.“

Als Frederic Knaudt mit seinem Partner genau vor zwei Jahren seinen Lebensmittelservice „Picnic“ von Viersen aus startete, konnte er nicht ahnen, dass der in diesem Frühjahr so wichtig werden würde. 20 kleine Elektrowägelchen sind derzeit in Langenfeld und Monheim unterwegs und beliefern 7000 Kunden. „Die Gesamtzahl hat sich in den letzten drei Wochen mehr als verdoppelt“, sagt Knaudt. „60 000 Leute stehen in ganz Deutschland auf der Warteliste. Und es werden jeden Tag mehr.“

Picnic kooperiert vor Ort beispielsweise mit Edeka Rhein-Ruhr. „Wir haben alles, was Supermärkte haben und dazu Ware von regionalen Bäckern und Bauern wie Josef Kallen aus Dormagen oder Obsthof Küpper in Iserlohn.“ Auch Bio-Produkte bietet Picnic an. „Einiges ist sogar billiger als im Geschäft“, sagt Knaudt. „Das kommt daher, dass wir ein Laden ohne Laden sind. Und wir werfen nichts weg. Wir bestellen nur, was die Kunden uns aufgeben. Wenn 200 Roggenbrote gewünscht werden, lassen wir die backen. Und nicht mehr.“ Am besten, man lädt sich die Picnic-App aufs Handy und hat dort das gesamte Angebot vor Augen. Wer bis 22 Uhr bestellt, wird am Folgetag beliefert.

Früh morgens kommt ein großer Wagen voller Obst, Gemüse, Joghurt, Quark und Brot, beladen am Umschlagplatz in Viersen, in Langenfeld an, wo die frischen Lebensmittel auf die Elektromobile verteilt und rundgefahren werden. Die umweltfreundlichen Wägelchen wurden speziell von Picnic konzipiert und sind extra schmal, damit sie in jede Straße einfahren können. Zurzeit findet die Auslieferung kontaktlos statt. Sie wird in zwei Meter Abstand vor die Tür gestellt.

Auch Rewe Dreschmann-Ludwig aus Berghausen bietet seit einem halben Jahr einen Lieferservice an. Von 7 bis 22 Uhr fährt ein Wagen die gewünschten Waren aus. Die Liefergebühr richtet sich nach Liefertermin und Bestellwert und liegt zwischen 0 und 5,90 Euro. „Wir tragen den Einkauf bis an die Wohnungstür. Ganz egal, in welchem Stockwerk“, versichern Dreschmann und Ludwig auf ihrer Homepage. Auch hier wird natürlich Abstand gehalten.