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Monheim: Ein Ulla-Hahn-Haus für alle

Monheim : Ein Ulla-Hahn-Haus für alle

Die Namenspatronin hat bei dem geplanten Sprachförderzentrum in ihrem Monheimer Elternhaus mehr als nur ein "verborgenes Wort" mitzureden. Derzeit arbeitet Ulla Hahn an der Fortsetzung ihres autobiografischen Romans.

Die Schneedecke im Vorgarten des roten Backsteinbaus an der Neustraße 2 ist jungfräulich weiß. Seit 17 Jahren, dem Tod ihrer Mutter, hat Ulla Hahn ihr Elternhaus nicht mehr betreten. Das soll sich bald ändern: Die bedeutendste deutschsprachige Lyrikerin der Gegenwart hat bei der Gestaltung des künftigen "Ulla-Hahn-Hauses" mehr als nur ein verborgenes Wort mitzureden. Nachdem die Stadt Monheim im vergangenen Jahr auch die andere Doppelhaus-Hälfte erwerben konnte, soll hier — fast in Rufweite des neuen Mo.Ki-Ladenlokals an der Heinestraße — ein Sprachförderzentrum entstehen.

Förderung: 175.000 Euro beantragt

Die dafür im Rahmen des Förderprogramms "Integrierte Innenstadt" beantragten 175.000 Euro (Thomas Dünchheim rechnet in den nächsten Tagen mit dem entsprechenden Bewilligungsbescheid) werden zunächst in die Sanierung des Hauses fließen. Geld für die inhaltliche Ausgestaltung hofft der Bürgermeister, der die konzeptionelle Ausrichtung in seiner letzten Haushaltsrede umriss, über Stiftungen, private Sponsoren und die LOS-Fördertöpfe zu akquirieren. Seine erste Ansprechpartnerin war freilich die Namenspatronin selbst: Im November hat Dünchheim Ulla Hahn und ihren Ehemann Claus von Dohnanyi in Hamburg besucht, um ihnen sein mit Volker Düsberg kreiertes Konzept vorzustellen.

So sollen im Ulla-Hahn-Haus "Kinder motiviert werden, sich auf die Welt der verborgenen Wörter einzulassen" — und zwar "sowohl jene, die meinen, ohne Sprachkenntnisse auskommen zu können, als auch solche, die nie genug sprachlich-intellektuelle Anregungen bekommen können". Dünchheim zeigte sich gegenüber der RP zuversichtlich, dass "Unbedarfte und Hochbegabte" gleichermaßen unter einem Dach adäquat gefördert werden können — "schließlich gibt es ja zwei Haushälften . . .".

Das künftige Sprachförderzentrum soll tagsüber ständig besetzt sein — mit einem Sprachwissenschaftler und / oder einer Sekretärin, die der Bürgermeister im Rahmen der mittelfristigen Sollstellenplanung aus Bibliothek oder VHS an die Neustraße "verpflanzen" möchte. Auch Ulla Hahn wünscht sich "eine hauptamtliche Person, die kompetent Aufgaben definiert, organisiert, koordiniert", legt aber auch Wert auf "Lehrerinnen und Lehrer, die auch und gerade nach ihrer Pensionierung so viel Wertvolles aus ihrer Erfahrung mitzuteilen und weiterzugeben haben".

Dass der avisierte "Sprachkoordinator" nach dem Wunsch Dünchheims nicht nur Vermittler zwischen Schülern, Eltern, Lehrern, der Wirtschaft und der Verwaltung, sondern auch Ratgeber des geplanten städtischen Kinderbeauftragten sein soll, habe Annette Berg irritiert, räumt der Bürgermeister ein. Die Bereichsleiterin habe gefragt, warum dies nicht das Jugendamt übernehmen könne, das mit Mo.Ki bereits zahlreiche Sprachförderungen wie das "Rucksack-Projekt" initiiert hat. Um so ambitionierter zeigte sich Ulla Hahn, mit dem Mo.Ki-Team zusammenzuarbeiten: "Diese Haus soll alles Mögliche sein, nur nicht elitär." Sich selbst möchte die 62-Jährige kein Denkmal setzen: Das von Dünchheim geplante "Ulla-Hahn-Zimmer" möchte sie lieber so gestalten, dass es zeigt, wie eine (ihre) Arbeiterfamilie in den 50er Jahren gelebt hat.

(RP)