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Düsseldorfer Studenten sind siet 20 Jahren auf Sendung

Hochschulradio Düsseldorf wird 20 : Achtung, Studentensendung!

Beim Hochschulradio der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität sitzen junge Leute wie Judite Miguel an Reglern und Mikrofonen. Sie sprechen über Studium, Rassismus oder auch pupsende Tiere.

Wenn Judite Miguel über ihren ersten Beitrag für das Hochschulradio spricht, muss sie auch ein wenig lachen. Jedes Mal. Denn bei ihrem „ersten Mal“ drehte sich alles um diese kleinen stinkenden Lüftchen, über die man eigentlich ja nicht so gerne spricht. Und das hatte nichts mit einer verlorenen Wette zu tun oder damit, dass man sich mit ihr einen Spaß erlauben wollte. „Es hatte diese große Twitter-Debatte unter Wissenschaftlern gegeben, ob und warum Tiere pupsen und dann erschien sogar ein Buch darüber“, sagt die 23-Jährige. Sie machte also einen kurzen Beitrag für das „Wissensquiz“, wo Themen aus Forschung und Wissenschaft kurz vorgestellt werden. Titel ihres Beitrags: „Pupsen Schlangen eigentlich?“. Und der wurde unterhaltsam, aber auch informativ. Denn die geringelte Arizona-Korallenschlange zum Beispiel schlägt mit ihren Fürzen Feinde in die Flucht. Was für eine Waffe.

Das Hochschulradio Düsseldorf ist ein wichtiges Sprachrohr der  Studenten aus der Region und das jetzt schon seit 20 Jahren. Dort sitzen Studenten der Hochschulen selbst an Regler und Mikrofon, sie entscheiden in ihren Konferenzen, was es in die Sendung schafft und was nicht, und produzieren alles selbst, das Schreiben eines Skripts, das Einholen von O-Tönen bis hin zum Sprechen live „on air“. Und die Musik wählen sie selbstverständlich auch selbst aus.

Wegen Corona geht es für Judite Miguel manchmal auch von zu Hause aus auf Sendung. Sie moderiert etwa montags ab 8 Uhr den „Insider“. Foto: Judite Miguel

Herzstück ihres Senders ist es, Studenten mit den wichtigsten Themen, Nachrichten und Problemen rund um Studium und Hochschulen zu versorgen. Bei ihnen erfährt man etwa, wie es mit dem digitalen Semester an den Hochschulen läuft, dass das Café Uno auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität wieder eröffnet hat oder wie sich eine Hochschule eigentlich vor Hacker-Angriffen schützt. Doch die Studenten sprechen auch über das, worüber jeder zurzeit spricht: die Corona-Warn-App oder die Rassismus-Debatte. Und das aus ihrer Sicht. Deswegen lohnt sich das Einschalten und Zuhören auch für jene, die nicht studieren oder an einer Hochschule arbeiten.

Für Judite Miguel fühlt es sich gut an, selbst eine Stimme im Radio zu haben, Themen Gehör zu verschaffen, die auf anderen Kanälen vielleicht gar nicht oder aus ihrer Sicht zu kurz kommen. Und das Radiomachen von A bis Z zu lernen. Die Germanistik- und Anglistik-Studentin hatte bereits in Augsburg, wo sie herkommt, bei einem Sender erste Radioerfahrungen gesammelt. Töne schneiden, Umfragen einholen, das alles lernte sie dort. Vorm Mikrofon aber durfte sie damals nicht ganz so viel machen und hatte oft das Gefühl, dass Themen schon „gesetzt“ sind.

Das ist beim Campusradio anders. Jeder Student kann seine Themen einbringen und dann wird darüber gesprochen, so wie auch über fertige Beiträge manchmal diskutiert wird. Dann gebe man einander auch schon mal Tipps, wie man vielleicht mehr hätte herausholen können, oder sagt einander, was gelungen war. Das kollegiale, lockere Miteinander – das mag Judite Miguel sehr beim Sender.

Gesendet wird aus einem Wohnheim an der Uni Düsseldorf, in dem ein Teil für den Sender hergerichtet wurde. Wegen Corona hat sich beim Campusradio einiges verändert, gesendet wird aber immer noch täglich, Corona hin oder her. „Es wurde alles sehr schnell auf Homeoffice gewechselt“, sagt Miguel. Sie holte sich dann wie die anderen Studenten ein Aufnahmegerät aus der Redaktion und kann jetzt auch von zu Hause aus Beiträge produzieren. Das macht sie noch immer manchmal, denn in der Redaktion dürfen immer nur ein paar Leute sein.

Miguel ist jetzt seit 2019 dabei und hat schon einige Sendungen und Beiträge produziert. Besonders gerne erinnert sie sich an einen Beitrag über zwei Studenten der Medienwissenschaften, die eine Veranstaltung zu „Sound Cinema“ auf die Beine stellten, zu einem Kino-Erlebnis nur aus Hör- und Klangkunst. Damit hatte sie sich vorher nicht beschäftigt und war fasziniert von dieser rein akustischen Erfahrung. Das mache das ehrenamtliche Engagement fürs Radio eben auch so besonders: interessante Menschen und Perspektiven rund um den Campus kennenzulernen und „on air“ vorzustellen.