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Monheim: Dondorf — die zweite

Monheim : Dondorf — die zweite

Heute erscheint Ulla Hahns neuer Roman. Aufbruch knüpft an "Das verborgene Wort" an, in dem das Arbeiterkind Hilla Palm an der Enge ihres Heimatdorfs fast zerbricht. Fällt diesmal ein milderes Licht auf Monheim-Dondorf?

Äußerlich ähneln sie dem Erstling von 2001, die druckfrischen Bände, die sich in Linda Rossbachs "Bücherstube" an der Alten Schulstraße stapeln. Fast auf die Seite genau so dick (592 Seiten), nebelgrauer Schutzumschlag, dunkelgraue Autorenzeile, ein bisschen kleiner als diese der Romantitel, darunter — ja, auf dem neuen Werk sind es Papierschiffchen, die Schatten werfen, keine Kieselsteine, wie vor acht Jahren. Linda Rossbach hat gleich fünfmal so viele Exemplare bestellt wie sonst bei Neuerscheinungen renommierter Schriftsteller. "40 plus 20 signierte", verkündet die Buchhändlerin in der Gewissheit, auch "Aufbruch" so zahlreich unter die Monheimer zu bringen wie "Das verborgene Wort". Denn Ulla Hahn, die Autorin, ist "eine von uns", wie immer mehr Monheimer zu sagen pflegen: Ihr Elternhaus steht nur einen Steinwurf von der Bücherstube entfernt, an der Neustraße 2.

Monheimerin — oder nicht?

"Und doch ist sie gerade keine von uns", halten andere Monheimer dagegen. Denn im "Verborgenen Wort" erzählt die 1945 oder 1946 Geborene (die amtlichen und ihre eigenen Angaben differieren hier) von "Hilla Palm", einem hochbegabten Arbeiterkind, das in den 50er Jahren im engen katholischen "Dondorf" aufwächst und das fast zerbricht an der Verständnislosigkeit seiner proletarisch bis kleinbürgerlichen Umgebung fürs Intellektuelle. Der Roman trägt autobiografische Züge. Monheim und einige seiner damaligen Bewohner scheinen durch die gewollt nachlässige "Tarnung" mehr als deutlich hindurch.

Weil die meisten "Dondorfer", mit denen es Hilla zu tun hat, unsympathisch, engstirnig oder gar gewalttätig daherkommen, schallte ihrer Schöpferin in Monheim zunächst der Vorwurf "Nestbeschmutzung" entgegen. 2003, als sie erstmals nach der Beerdigung ihrer Mutter 1990 wieder in die Gänseliesel-Stadt kam, brachte sie zur Lesung deshalb vorsichtshalber einen Leibwächter mit. Doch die Cousinen und andere Erzürnte, die mit Störungen gedroht hatten, schwiegen. Statt dessen gewann die Trägerin des Deutschen Bücherpreises mit Charme und Verstand die Köpfe und Herzen vieler Zuhörer und Leser auch in Monheim.

Vor anderthalb Jahren, nach der Ausstrahlung der Verfilmung des "Verborgenen Worts" in der ARD ("Teufelsbraten"), nahm die Stadtverwaltung den Plan eines "Ulla-Hahn-Hauses" zur Lese- und Sprachförderung von Kindern auf. Mit im Boot, besuchten die in Hamburg lebende Namenspatronin und ihr Gatte Klaus von Dohnanyi die avisierte Immobilie für diese Einrichtung: ihr Elternhaus an der Neustraße 2. Der rote Backsteinbau gehört inzwischen komplett der Stadt. 2010 soll Eröffnung sein — falls es der verarmten Kommune gelingt, die hierfür notwendige Landesförderung einzustreichen.

Bei dem genannten letzten Besuch vor drei Monaten las Ulla Hahn ein weiteres Mal im Spiegelzelt im Marienburgpark. Aus ihrem heute erscheinenden neuen Roman. Hilla bricht darin, nach Aufnahme am Aufbau-Gymnasium, auf in ein Leben außerhalb der ihr verhassten Dorfenge. Verhasst? Möglicherweise taucht die Schriftstellerin Dondorf und seine Bewohner diesmal in milderes Licht als im "Verborgenen Wort": "Hilla beginnt zu begreifen, warum ihre Eltern so ängstlich und abweisend geworden sind", erklärte Ulla Hahn in einem von ihrem Verlag verbreiteten Interview zu "Aufbruch" und stellt damit einen gerechteren Blick etwa auf den rohen Vater in Aussicht.

Info Mehr zu Ulla Hahn und Monheim unter www.rp-online/langenfeld

(RP)