Monheim: Die Öltanks brannten acht Tage lang

Monheim : Die Öltanks brannten acht Tage lang

Am 21. Februar 1945 flogen die Alliierten einen schweren Luftangriff auf Monheim. Hauptziel: die Raffinerie am Rhein.

Die Bomber kamen, als die meisten Monheimer trotz des Geschützgrollens der Front ein wenig Schlaf gefunden hatten. Gegen 1.30 Uhr in der Nacht. Diejenigen, die vor genau 70 Jahren diesen schwersten Luftangriff auf die Stadt überlebt haben, berichten von einer verheerenden Sprengkraft. Sie fiel ohne Vorwarnung aus dem Himmel und legte ganze Straßenzüge und Industrieanlagen in Schutt und Asche. Ein Hauptziel der Alliierten war ganz offenbar die Ölraffinerie Rhenania-Ossag, später: Shell, heute: das Gewerbegebiet Rheinpark. Wie Zeitzeugen erzählen, brannten deren Öltanks auch acht Tage später noch. Dichte, übelriechende, schwarze Rauchwolken hüllten die gesamte Stadt ein. Beim Bombenangriff am 21. Februar 1945 kamen insgesamt 73 Menschen ums Leben; 73 von damals rund 3600 Monheimern.

Als es hell wurde, war die Wirkung der Fliegerbomben zu sehen: Strom, Funk und Telefon funktionierten nicht mehr. Mit Ausnahme der Opladener Straße waren sämtliche Zugänge zum Ortskern unpassierbar. Von der Kirche St. Gereon stand nur noch der Turm. Die evangelische Kirche war ebenfalls schwer beschädigt. Der Schelmenturm erhielt einen Treffer an der Westseite, dessen Narben noch heute zu sehen sind. Der Kindergarten, viele Häuser und Stallungen waren dem Erdboden gleich gemacht. In die Nord-Ost-Seite des Krankenhauses schlug eine Bombe ein und zerfetzte das Mauerwerk. Wer den Gebäudeschaden kopfschüttelnd betrachtete, mochte kaum glauben, dass dabei niemand zu Tode kam.

Die Leichen und die Schwerverletzten aus den Trümmern zu bergen, war schwierig. Im Saal Schmickler - heute: Festhalle Bormacher - wurden die Körper aufgebahrt. Sie zu bestatten, war für die Geistlichen und die Trauergemeinde mitunter lebensgefährlich.

Mit dem verheerenden Fliegerangriff begannen schwierige Wochen für Monheim. Ab dem 5. März 1945 konzentrierten die Alliierten Artillerie-Feuer auf die Stadt. Die Kanonen standen auf der linken Rheinseite und schwiegen lediglich zwischen 6 und 8 Uhr, die einzige Feuerpause des Tages. In der Chronik von St. Gereon findet sich eine Schilderung dazu, wie Monheim versuchte, sich gegen die herannahende Front zu wappnen.

So fuhr an der Lottenstraße Artillerie auf. An der Opladener Straße, in Höhe der heutigen Neustraße, ging eine Granatwerfer-Batterie in Stellung. Panzersperren wurden auf allen Zufahrten ausgestellt, Minen verlegt, Gräben und Unterstände ausgehoben. Wehrmachtsverbände auf dem Rückzug setzten bei Monheim über den Rhein und zogen sich aber gleich weiter ostwärts.

Und die Zivilbevölkerung? Die musste während des gesamten Krieges 1034 Bombenalarme und mehr als 22 500 Brand- und Sprengbombenabwürfe über sich ergehen lassen. Die Nacht des 21. Februar 1945 ragt über dieses schier endlose Grauen in der Erinnerung der Stadt hinaus. Niemand wusste, wie es weitergehen soll. Manche packten ein paar Sachen auf einen Handwagen und flohen vor der Front in Richtung Osten. Der laut Chroniken größte Teil der Monheimer aber richtete sich provisorisch in den Kellern ein, um auszuhalten. Erst am 16. April 1945 rückten Alliierte in die Stadt ein. Und für Monheim war der zweite Weltkrieg beendet.

(dne)
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